Kirchengemeinde seit 700 Jahren selbstständig · Fest für 22. April geplant

Spannendes Jubiläumsjahr

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Bad Arolsen-Schmillinghausen - Fürs Kirchenjubiläum in Schmillinghausen wird eine Tradition großzügiger ausgelegt. Das normalerweise für Heiligabend angesetzte Beggern der Glocken findet bei der 700-Jahr-Feier am 22. April statt.

Unter der Leitung von Karl-Ludwig Gröticke findet das Beggern mit Familienangehörigen bereits seit 50 Jahren stets an Heiligabend statt, dafür wurde der Schmillinghäuser vorige Weihnachten von der Pfarrerin geehrt. Ausnahmsweise wird er nun auch im Frühjahr mit dem Hammer die Glocken - die älteste von 1617 - zum Klingen bringen. Dazu musiziert dann auch der örtliche Posaunenchor.

Originalabschrift

Das Kirchspiel und die Gemeinde Schmillinghausen sind am 23. April 1312 selbstständig geworden. Pfarrerin Maltzahn liegt ein Faksimile aus dem Staatsarchiv Marburg vor, das von einer glaubwürdigen Abschrift der Originalurkunde über die Erhebung Schmillinghausens zu einem selbstständigen Pfarrdorf genommen wurde. Eine Urkunde von 1350 zu diesem Themenbereich wird im Pfarreiarchiv zu Schmillinghausen verwahrt: ein ebenfalls in lateinischer Sprache abgefasstes Schriftstück.

Das Dorf gehört wie die Region ab 1231 mit dem Bistum Paderborn zum Erzstift Köln. Bereits Karl der Große hatte dem Kloster Corvey auch Ländereien im Bereich von Schmillinghausen zugeschlagen. Besitzungen hatten die Herren von Mederich, woran noch Straßennamen erinnern. Sie entließen schließlich das Dorf in die Selbstständigkeit.

Die Schmillinghäuser haben das Jubiläum zum Anlass genommen, bereits in diesem Monat zu einem Kirchfest einzuladen, bei dem die Prälatin Marita Natt als Stellvertreterin des Bischofs der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck eine Predigt halten wird und in Zusammenarbeit mit der Brückner-Stiftung ein literarischer Spaziergang, inspiriert von Gedichten der aus Schmillinghausen stammenden Schriftstellerin und Pfarrerstochter Christine Brückner, stattfinden wird. Anfang Juli wird dann die Schützengesellschaft ihr Freischießen feiern, und für September ist ein Dorffest zur Erinnerung an die Übergabe des Ortes vor 700 Jahren vorgesehen.

Ursprünglich wollte Pfarrerin Maltzahn noch den Kirchturm neu anstreichen lassen, doch dann stellte sich heraus, dass es bei Weitem nicht damit getan ist, denn das Sandsteinportal mit dem Waldecker Stern muss überarbeitet werden. Eigentlich müsste auch das Turmdach neu verschiefert werden...

Dringende Projekte

Dabei drängen ganz andere Arbeiten noch in diesem Jahr: So würde der evangelische Kindergartenzweckverband in Schmillinghausen eine eigene Gruppe für die unter Dreijährigen schaffen. Das würde „nebenbei“ den nicht gerade mit vielen Jungen und Mädchen gesegneten Kindergarten zunächst sichern, und die Kindergartenträger könnten die Verpflichtung zur Betreuung der Jüngsten wahrnehmen.

Dazu müsste, so die noch längst nicht in spruchreife Pläne umgesetzten Überlegungen, der Gemeinderaum im angrenzenden Pfarrhaus für eine Gruppe umgebaut werden. Die Landeszuschüsse dafür stehen nur in diesem Jahr bereit und müssten bald beantragt werden.

Dann hängt noch die Entscheidung in der Schwebe, ob Schmillinghausen oder Külte Sitz eines neuen Kirchspiels werden wird. Das dortige Pfarrhaus müsste für 600000 Euro saniert werden. Doch angesichts weiterer aufwändiger Kirchensanierungen, etwa in der Kirche zu Neu-Berich, gilt es als ausgeschlossen, dass die Landeskirche diese Investition vornehmen würde. Schließlich wird die dortige Pfarrstelle nicht mehr neu besetzt und das Kirchspiel voraussichtlich auf Schmillinghausen und Bad Arolsen aufgeteilt. (ah)

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