Effekten aus Arolser Suchdienst können Reliquien werden

Auf den Spuren des "Engels von Dachau"

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Pater Michael Maß CMM (2.v.l.) und Bruder Thomas Fischer nahmen beim Internationalen Suchdienst in Bad Arolsen persönliche Gegenstände des im KZ Dachau gestorbenen Paters Engelmar Unzeitig in Empfang. Links ITS-Abteilungsleiterin Anna Meier-Osinski, rechts Sachbearbeiterin Ulrike Witte. 

„Wahnsinn!“, staunt Pater Michael Maß (Missionare von Mariannhill in Würzburg) beim Anblick der vor ihm liegenden Taschenuhr und zweier Medaillen. Es sind persönliche Gegenstände aus dem Bestand des Suchdienstes in Bad Arolsen des im KZ Dachau gestorben Paters Engelmar

Diese zählen zu den 3200 noch beim Internationalen Suchdienst gelagerten so genannten Effekten, persönliche Besitztümer, die Häftlingen vor der Einlieferung ins Konzentrationslager abgenommen wurden. Diese Stücke runden das Bild des als „Engel von Dachau“ bekannt gewordenen Pater Engelmar Unzeitig CMM (1911 - 1945) ab, der im September als Märtyrer seliggesprochen wird. Die Uhr und die Medaillen können sogar als Berührungsreliquien verwendet werden. Zusammen mit Bruder Thomas Fischer nahm der Würzburger Pater Maß von der Kongregation der Missionare von Mariannhill (CMM) in Würzburg die Effekten aus den Händen von der ITS-Abteilungsleiterin Anna Meier-Osinski und der Sachbearbeiterin Ulrike Witte entgegen. Pater Engelmar Unzeitig wurde heute vor 75 Jahren, am 3. Juni 1941 , in das Konzentrationslager Dachau eingeliefert und starb am 2. März 1945 an Typhus. Unter der Nummer 26 147 im KZ Dachau als Häftling geführt, zählte er zu 2800 Geistlichen aus dem In- und Ausland, die dort gefangen gehalten wurden. An seiner Pfarrstelle in Glöckelberg im Böhmerwald , die er Ende 1940 antrat, war er ins Visier der Geheimen Staatspolizei geraten. Er protestierte gegen die Verfolgung der Juden und wurde im April 1941 festgenommen. Unter dem Namen Hubert Unzeitig als einziger Sohn unter fünf Geschwistern im mährischen Zwittau geboren, meldete er sich bei den Missionaren von Mariannhill in Reimlingen/Bayern. Dort machte er das Abitur, schloss sich nach dem Noviziat der Gemeinschaft an, absolvierte in Würzburg die philosophischen und theologischen Studien und wurde am 6. August 1939 von Bischof Matthias Ehrenfried zum Priester geweiht. Seine Ordensbrüder schildern ihn postum nicht als Rebell, sondern als stillen Menschen, der aber seine Stimme deutlich gegen Hitler und das Nazi-Regime erhoben hatte. Die vier Jahre im KZ Dachau waren die Hölle für den jungen Mann, er setzte sich aber für Mithäftlinge ein und starb, nachdem er sich freiwillig als Pfleger für an Fleckfieber erkrankte russische Häftlinge gemeldet und mit Typhus infiziert hatte. hatte. Originaldokumente über die Internierung Unzeitigs in Dachau und seinen Tod im KZ bekamen die Ordensmänner beim ITS in Bad Arolsen ebenfalls zu sehen. 1800 Geistliche kamen in Dachau um. 55 wurden bereits seliggesprochen Welche Bedeutung die unscheinbaren Effekten Pater Engelmars einmal bekommen könnten, ahnte man beim ITS nicht. Per E-Mail bekam der Orden Ende 2015 den Hinweis auf die Gegenstände, die seit dem Herbst auf der ITS-Webseite im Bild präsentiert werden.

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