Bürgermeister Jürgen van der Horst tritt am Sonntag als einziger Kandidat zur Wiederwahl an

... wie ein Stefan Raab - von allem etwas

Bürgermeister Jürgen van der Horst tritt am Sonntag, 9. Februar, zur Wiederwahl an. Die energetische Sanierung des Bürgerhauses war eines seiner größeren Bauprojekte, zu 90 Prozent aus Zuschüssen finanziert. Das schonte die Stadtkasse. Foto: Elmar Schulten

Bad Arolsen - 50 Liegestütze gleich nach dem Aufstehen. Dann Frühstück und ab ins Büro. Bürgermeister Jürgen van der Horst ist diszipliniert. Das gilt für seinen Dienst im Rathaus ebenso wie für sein Bemühen um körperliche Fitness.

Der 47-Jährige tritt am Sonntag als einziger Kandidat bei der Wahl zu einer zweiten Amtszeit an. Nach dem Gesetz reicht eine einfa-che Mehrheit für seine Wiederwahl. Ein Quorum gibt es nicht. Dennoch hofft der kühle Rechner auf eine möglichst hohe Wahlbeteiligung und möglichst viele Ja-Stimmen.

Finanzen bald in Ordnung?

Das stärkt seine Position im Innenverhältnis, vor allem zu den sieben Fraktionen im Stadtparlament. Van der Horst: „Bad Arolsen hat bisher von klarer Sachpolitik in der Kommunalpolitik profitiert. Es gab keine Machtkämpfe zwischen Bürgermeister und Stadtparlament.“

Aber auch in der Außendarstellung der Stadt sei ein klares Bürgervotum für den Rathauschef sehr hilfreich, damit Bad Arolsens Stimme auch auf Kreisebene Gewicht habe, etwa in Fragen der Domanialverwaltung oder beim EWF.

In den vergangenen Jahren hat die Haushaltspolitik alles Handeln im Rathaus domi-niert. Der hohe Stand der Kassenkredite, jedes Jahr weiter angehäuft durch die große Kluft zwischen Einnahmen und Ausgaben, lähmt die kommunale Selbstverwaltung.

Von seinem Vorgänger hatte van der Horst viele schöne Projekte geerbt, von Arobella bis rote Zusatzfarbe im Asphalt. Dem neuen Kassenwart kam die schwierige Aufgabe zu, die Finanzen neu zu ordnen.

Dabei half dessen Masterausbildung im Bereich New Public Management. Das umfasst nämlich nicht bloß eine Verwaltungsausbildung, sondern auch das nötige Verständnis für wirtschaftliche Zusammenhänge. So wurde gerechnet und gespart, was der Stellenplan hergab.

Dazu kam der nötige Rückenwind aus Wiesbaden: Zusätzlich zu Sonderzuweisungen aus dem Landesausgleichsstock erhielt die Stadt die Chance, unter den Rettungsschirm zu schlüpfen. Das beschert der Stadtkasse eine schrittweise Entschuldung und die Hilfe bei Zinszahlungen. Inzwischen ist der Rathauschef zuversichtlich, dass die Stadt sich von den Schulden freischwimmen und neue Beweglichkeit erlangen kann.

Erstaunlich, dass trotz andauernden Spardiktats auch immer noch namhafte Investitionen möglich sind: Zwei Millionen Euro wurden in die energetische Ertüchtigung des Bürgerhauses gesteckt. Weitere zwei Millionen fließen in den Strandbadumbau. Und das bei einem städtischen Anteil von um die zehn Prozent. - „Alle Achtung“, möchte man da als Beobachter ausrufen.

Um das zu erreichen, ist ein beachtliches Arbeitspensum zu schaffen. Um 7.30 Uhr steht van der Horst im Büro. Wenn die meisten seiner Mitarbeiter Dienstschluss haben, geht es für den Chef in Abendsitzungen weiter. Drei bis vier hat er davon im Jahresschnitt pro Woche. Und selbst in den Pausen ist er immer erreichbar, entweder auf dem Handy oder per Mail.

Jürgen van der Horst ist ein Virtuose im Einsatz moderner Techniken. „Das ist hoch effizient“, schwärmt der Rathausmanager mit dem iPad unterm Arm und beeilt sich hinzuzufügen: „Ich will aber nicht zum Sklaven der Technik werden.“

Ansätze zum papierlosen Rathaus hat es schon viele gegeben. Die sind aber immer wieder gescheitert, weil viele Mitstreiter noch nicht so weit sind. Deshalb werden die Sitzungsunterlagen für das Stadtparlament jetzt wieder in Papierform versandt. Auch im Magistrat hat sich der flache Tablet-Computer als Arbeitshilfe noch nicht durchgesetzt. - Aber van der Horst arbeitet daran.

Binnenentwicklung

Mit seinem Arbeitstempo bringt er so manchen Mitarbeiter ins Hecheln. „Inzwischen habe ich gelernt, dass nicht immer alles sofort geht“, bekennt van der Horst und zieht eine positive Zwischenbilanz: „Der Umbau der Verwaltung ist schon um einiges vorangekommen.“ In den kommenden Jahren steht ein deutlicher Generationswechsel im Rathaus an. Die Führungskräfte von morgen werden vom Verwaltungschef gezielt gefördert

Die moderne Verwaltung scheint ein Lieblingsthema von Jürgen van der Horst zu sein: Das war Teil meines Master-studiengangs. Ich bin in der glücklichen Lage, das jetzt umsetzen zu können.“

In den kommenden sechs Jahren wird sich naturgemäß immer noch viel um die Haushaltssanierung drehen. Ebenso wichtig werden aber nach Einschätzung von Jürgen van der Horst die Binnenentwicklung sein: Es geht um die Flächen der Firma Lahrmann, um das alte Hallenbad und den Bereich „In den Siepen“.

Der Anschluss an das schnelle Internet ist in den meisten Stadtteilen erfolgreich erfolgt. Für Kohlgrund deutet sich eine Funklösung mit LTE-Sendern an den Windkraftmasten an.

Jede Zeit scheint einen eigenen Typus Bürgermeister zu benötigen. Jetzt war die Zeit reif für einen kühlen Rechner, der schnell denkt und ebenso schnell spricht.

Das muss man abkönnen

Der Beruf des Bürgermeisters ist vielfältig wie nur wenige: Der Chef im Rathaus ist für alles zuständig, vom Gullideckel über den Feuerwehrschlauch bis zum Verdienstkreuz. Viele Themen kommen erst dann auf seinen Schreibtisch, wenn es hakt und wenn sich irgendwo Konflikte angehäuft haben.

„Manche Tage sind angefüllt von unangenehmen Gesprächssituationen. Ich muss dann die komplette Bandbreite der Themen abarbeiten.“ Dann fühle er sich wie ein Stefan Raab, der von allem etwas können müsse. Van der Horst: „An solchen Tagen zehre ich in hohem Maße von meinen Vorkenntnissen. Das muss man können und auch abkönnen.“

Einen Ausgleich zu diesem stressigen Amt findet Jürgen van der Horst bei seiner Familie. Mit Ehefrau Sabine hat er drei Kinder: Ronja (16), Torben (13) und Karolin (11). Seine große Leidenschaft ist der Sport, und da vor allem der Schießsport: „Das ist eine technische Diszi-plin. Das meiste ist Kopfsache.“

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