Abwechslungsreiche Veranstaltungsreihe eröffnet

Stilbewusste Waldecker

Bad Arolsen - Zur „Begegnung mit Klassik und Romantik“ lädt der Volksbildungsring noch bis zum Sonntag ein. Zum Auftakt stand die Musik beider Epochen im Mittelpunkt – und eine Version des „Wal­decker Liedes“, wie sie noch nie zu hören war.

Zwei weitere Besonderheiten gingen mit der Uraufführung der „Waldecker Nationalhymne“ im dreistimmigen Männerchorsatz einher. Im fünften Jahr der von Herbert Weygandt initiierten Epochenreihe wirkte erstmals der MGV Liedertafel Einigkeit Twiste und damit „ein Laienchor“, so Musikexperte Prof. Dr. Friedhelm Brusniak, beim musikalischen Programm mit.

Neben dem neuen Arrangement aus der Feder von Pasquale Thibaut – alias Chorleiter Bernd Stallmann – sorgte gleichfalls dessen Ankündigung ans Publikum für schmunzelnde wie für skeptische Gesichter. „Sie dürfen leider heute nicht mitsingen“, gab Stallmann nämlich den Besuchern zu verstehen, die im Folgenden ganz gegen die Gewohnheit auch noch Platz behalten mussten. Der Applaus war den Sängern dennoch gewiss, die sich mit dem „Dörfchen“ von Schubert und einer umgetexteten Beethoven-Komposition auf musikalische Spurensuche durch die Klassik und Romantik begaben.

Nahtlos schloss sich daran Bariton Ulrich Schütte an, der zur Begleitung von Rainer W. Böttcher (Klavier) Lieder von Schumann anstimmte und die Zuhörer zur Abendstunde mit dem „schlafenden Blümelein“ verabschiedete. Damit aber nicht genug, hatte sich auch Prof. Brusniak als wohl profundester Kenner der waldeckischen Musikgeschichte auf die Suche nach neuem alten Material begeben. „Auch Wal­deck hatte Künstler, die aber einfach nur in Vergessenheit geraten sind“, lautete das Fazit des versierten Musikwissenschaftlers. „Jede Menge Sachen“ habe er bei seinen Recherchen ausgegraben, berichtete Brusniak seinen Zuhörern. So kamen diese überdies in den Genuss dreier von Friedhelm Brusniak wiederentdeckter „Kadettenlieder“ des Kasseler Hofmusikers Georg Christoph Grossheim und erfuhren überdies, dass das „Wal­decker Lied“ seinerzeit als „Lied von der Eiche“ in den Katalog des Arolser Buch- und Musikalienhändlers August Speyer aufgenommen worden war.

Der kurzweilige Auftakt zur fünften und letzten Epochenreihe des Volksbildungsrings machte somit erneut die Stärke des Konzepts deutlich: Epochen ganzheitlich vorzustellen und die Kunst, Architektur, Literatur und Musik jener Zeit miteinander verzahnt zu präsentieren. Kulturarbeit sei hier mit einem Bildungsauftrag verbunden worden, stellte Bürgermeister Jürgen van der Horst als Schirmherr der Reihe anerkennend fest und dankte Herbert Weygandt für dessen über Jahre währendes Engagement.

Auch der Initiator selbst wertete die Reihe als Erfolg, in deren Rahmen der Volksbildungsring seit 2010 mehr als 2500 Besucher verzeichnete. Ebenso wie die Ausdrucksformen der künstlerischen Stilrichtungen manches Mal ineinander übergehen, können übrigens auch die Epochengrenzen mal fließend oder klar abgegrenzt erkennbar sein. Erkunden konnten die Zuhörer Letzteres auch anhand von Carl Philipp Emanuel Bachs „Hamburger Sonate“, mit der Eberhard Enß (Querflöte) und Rainer W. Böttcher zur Reise in die Goethezeit einluden. (sim)

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