Engagierte Arolser sorgen sich wegen der missverständlichen Außenwirkung

Stiller Protest gegen unsägliches Denkmal

CRS-Lehrer Andreas Erdmann bei einer Schweige-Demo gegen das Deutschland-Denkmal am Kirchplatz. Foto: Elmar Schulten

Bad Arolsen - „Deutschland unteilbar“ heißt es auf dem seit Jahrzehnten umstrittenen Denkmal am Kirchplatz. Nun wirbt eine Bürgerinititative dafür, noch einmal ernsthaft über das Denkmal und seine politische Aussage nachzudenken.

In rot-orangen Mosaiksteinchen zeigt das Denkmal Deutschland in den Grenzen von 1937 samt Ostpreußen und Königsberg. Die deutsch-deutsche Grenze, die 40 Jahre die Bundesrepublik und die DDR teilte, ist ebenso mit einer weißen Linie dargestellt, wie die heutige Westgrenze nach Polen.

So kommt es, dass vor allem Besucher aus Polen und den Nachfolgestaaten der ehemaligen Sowjetunion oft kopfschüttelnd vor dem Denkmalstehen und es als Ausdruck von noch immer bestehenden Gebietsansprüchen interpretieren. Die Zahl der ausländischen Besucher in Bad Arolsen ist in den vergangenen Jahren seit Öffnung des Suchdienst-Archives für die historische Forschung stark gestiegen.

Aber nicht nur Besucher aus Osteuropa kommen und wundern sich, auch Gäste aus Israel, den USA oder Australien wundern sich über den Anachronismus, den das Denkmal mitten in Bad Arolsen ausstrahlt.

Deshalb hat sich die Initiative „Denk-mal-darüber-nach“ formiert und sich vorgenommen, von nun an jeden Sonnabend mit einer Schweige-Demo für den Umzug des Deutschland-Denkmals an einen andern Ort zu werben.

„Das Denkmal gehört in ein Museum, zum Beispiel ins Historicum im ehemaligen Stabsgebäude der Kaserne“, schlägt Michael Winkelmann vor. Der Religions- und Ethiklehrer an der Christian-Rauch-Schule hat vor 25 Jahren mit seinen Schülern den Grundstein für die Aufarbeitung der Nazi-Vergangenheit der Stadt Arolsen angeschoben.

Nun wirbt er dafür, sich mit der gleichen Akribie an die Aufarbeitung des Vertreibungsunrechts zu machen. Zu lange seien Vertriebenenschicksale in Westdeutschland totgeschwiegen worden. Nun sei es an der zeit, auch dies Zeitzeugen zu Wort kommen zu lassen.

Das könne zum Beispiel mit einer umfassenden Dokumentation im Historicum geschehen. Winkelmann: Mit so einer Dokumentation wäre den Vertriebenen mehr geholfen als mit diesem missverständlichen Denkmal.“

Das Deutschland-Denkmal sei natürlich ein wertvolles Dokument seiner Zeit: In den 50er und 60er Jahren habe man auf diese Weise versucht, das Unrecht des Krieges aufzuarbeiten. Heute aber wisse man, dass diese Sichtweise zu kurz greife und nicht mehr in das moderne Europa passe. Die Zeit der gegenseitigen Gebietsansprüche sei endgültig vorbei.

In dem Flugblatt, dass Winkelmann zusammen mit seinem bei der Schweige-Demo schweigenden Lehrerkollegen Andreas Erdmann verteilt, heißt es unter anderem: „Wir bestreiten nicht, dass den aus den ehemals deutschen Gebieten Vertriebenen Unrecht geschehen ist. Diese Unrecht soll erinnert werden. - Aber wir distanzieren und von einer Erinnerungskultur, die vergangenes Unrecht gegen geltendes Recht setzt.“

Deutschlandweit einmalig

Weiter heißt es in dem Flugblatt: „Der unübersehbare Untertitel Deutschland unteilbar unter der Karte eines Gebietes, das man einmal als Großdeutschland bezeichnet hat, ist ein schlag ins Gesicht unseres Staates, der seit 43 Jahren die bestehenden Grenzen anerkennt: im Warschauer Vertrag von 1970 und im Zwei-plus-Vier-Vertrag 1990. Würde er dies nicht tun, käme dies einer Kriegserklärung gleich.“

Das deutschlandweit einzigartige Arolser Deutschland-Denkmal war in den vergangenen Jahrzehnten immer wieder Anlass für politischen Streit, auch in der Stadtverordnetenversammlung. Als politischer Kompromiss wurde einer Bronzetafel mit erklärendem Text aufgestellt.

Diese Tafel bezeichnet die Inititative „denk-mal-darüber-nach“ als „weit entferntes Feigenblatt“. Deshalb die Forderung: „Dieses Denkmal gehört ins Museums. Dort kann es erinnern und gut kommentiert erklären.“

Die Bürgerinitiative hatte sich ursprünglich schon am 22. September für eine Schweige-Demo angekündigt.

Mit Rücksicht auf die bevorstehende Bundestagswahl wurde dieser Termin jedoch kurzfristig wieder abgesagt und auf den Sonnabend nach der Wahl verschoben.

Von nun an sollen die Schweige-Demos so lange fortgesetzt werden, bis der Magistrat und die politisch Verantwortlichen in der Stadt eine gute Lösung für das Problem gefunden haben.

Kommentare