Ippinghäuser Unternehmen liefert Holzgassystem für die Pommern-Anlage bei Wolfhagen

Strom und Wärme aus Holzgas erzeugen

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Das Kuntschar-Holzgassystem in der Pommern-Anlage liefert Stom und Wärme. Links der Inhaber des Unternehmens in Ippinghausen, Walter Kuntschar, und Geschäftsführerin Kerstin Hollenbach. Foto: Armin Haß

Wolfhagen - Auf dem Weg zur Selbstversorgung Wolfhagens mit Strom aus erneuerbaren Energien sind die Stadtwerke nach dem Anschluss einer Holzgasanlage einen Schritt weiter.

Mithilfe von Holzhackschnitzeln werden in einer von der Firma Kuntschar aus Ippinghausen entwickelten Anlage im Schnitt 120 kW elektrische Leistung erbracht, wobei der Strom in das Netz der Stadtwerke eingespeist wird. Deren Ziel ist, die Selbstversorgung 2015 zu erreichen. Bei Kosten von drei Cent je Kilowattstunde und einer momentanen Einspeisevergütung von 20 Cent ist eine solche 475 000-Euro-Anlage interessant.

Nahwärmenetz

Die neben der Stromproduktion erzeugten 230 bis 260 kW thermische Energie können für die Beheizung der Gebäude der Beruflichen Schulen und der Gewerbebetriebe in der ehemaligen Pommern-Kaserne genutzt werden. Die Holzgasanlage wird im Grundlastbetrieb gefahren und liefert die Wärme über die bestehende Kesselanlage an das Nahwärmenetz aus Bundeswehrzeiten. Vorerst wird die Anlage von dem Ippinghäuser Unternehmen betrieben, dann aber an die Stadtwerke übergeben. Möglich wäre auch der Einbau einer weiteren Holzgasanlage.

Das unbehandelte Holz wird aus einem Umkreis von 100 Kilometern gekauft und in einem eigens für die Anlage kons­truierten Behälter gelagert. Bei Bedarf wird der Rohstoff weiter getrocknet, die Hackschnitzel dürfen eine Feuchtigkeit von höchstens zehn Prozent aufweisen. Pro Jahr werden etwa 1000 Tonnen benötigt.

Der Rohstoff wird bei 1200 Grad verbrannt, und das bei den hohen Temperaturen entstehende saubere Gas wird in einem 12-Zylinder-MAN-Motor zur Energieerzeugung genutzt. Im Prinzip funktioniert die Anlage wie die in den 30er-Jahren entwickelten Holz­vergasermotoren. Doch die mussten nach etwa sechs Stunden Betrieb auseinandergenommen und von Teer gereinigt werden, der sich aufgrund der ­unvollständigen Verbrennung in dem Aggregat niederschlug. Dieses Problem wird durch den Hochtemperaturbetrieb und die zusätzliche Beigabe von Sauerstoff gelöst. Filterkerzen halten zudem Staub und Asche zurück, die ebenso abgeschieden werden.

Das Blockheizkraftwerk ist eigens von Kuntschar entwickelt worden und wird mit einem auf 70 Grad heruntergekühlten Gas betrieben. Mit einem Hubraum von 22 Litern entwickelt der Lkw-Motor die nötige Saugwirkung.

Export

Seit gut 30 Jahren ist Walter Kuntschar, der seine Ausbildung in Korbacher Betrieben absolvierte, in diesem Metier tätig. 2006 hat er sein Unternehmen in Ippinghausen neu aufgebaut. In dem kleinen Wolfhager Ortsteil werden mit 14 Mitarbeitern Holzgassysteme entwickelt und gebaut, die zurzeit vor allem in Italien sehr gefragt sind. Möbelfirmen und andere Holz verarbeitende Betriebe zählen zu den Interessenten, ebenso Kunden, die bereits über ein Nahwärmenetz verfügen. Weitere Anfragen liegen aus Tschechien vor.

Die nötigen Erfahrungen können die Kuntschar-Konstrukteure aus inzwischen 100000 Betriebsstunden ableiten, was einem Dauerbetrieb von neun Jahren entspricht.(ah)

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