Bissige Reformationspolemik vor dem Arolser Schloss

Studententheater über Jan Hus

Bad Arolsen - In die Zeit der Auseinandersetzungen um die 
Reformation führt 
Johannes Cochlaeus‘ „Heimlich gsprech von der Tragedia Johannis Hussen“ aus dem Jahr 1538.

Das Stück, das von Studenten aus Gießen am Dienstag, 30. Juli, um 18.30 Uhr vor dem Arolser Schloss aufgeführt wird, hat einen ernsten historischen Hintergrund: Im Waldecker Land hatte Graf Wolrad II., genannt der Gelehrte, mit viel Fingerspitzengefühl und überzeugt von der guten Sache, die Reformationsbemühungen erfolgreich umgesetzt. Bildersturm oder gar kriegerische Auseinandersetzungen blieben aus. 1546 nahm Wolrad als einer der drei protestantischen Auditoren am Regens-burger Religionsgespräch teil. Ganz anders und weit weniger friedlich sah die Situation ‚draußen’ aus.

Die polemischen Auseinandersetzungen hatten mittlerweile die Züge einer Propa-gandaschlacht angenommen, und oft blieb es nicht bei der Schlacht auf dem Papier. Ein wichtiges Stück dieser Propagandaschlacht bringt die Theatergruppe des Instituts für Germanistik der Justus-Liebig-Universität Gießen auf die Bühne. Gleichzeitig ist es die erste deutsche Theater-
rezension in Komödienform. Humanistisch-polemische Theaterkritik, verbunden mit bissiger Kritik an der lutherischen Reformation und gemischt mit einem ordentlichen Quäntchen Selbstironie, charakterisiert Johannes Cochlae-us‘ „Heimlich gsprech von der Tragedia Johannis Hussen“. Es wird lustig werden – aber gelegentlich bleibt einem sicher 
das Lachen im Halse stecken! Das Stück aus dem Jahr 1538, vielleicht in Meißen oder aber in Breslau uraufgeführt, ist ein Meisterstück der literarischen Polemik. Literatur- und theatergeschichtlich ist es bedeutend als die älteste deutsche Theaterkritik in Komödienform. Als Komödie, die ihrerseits nur augenzwinkernd den Vorgaben der klassisch-römischen Komödien des Plautus oder 
Terenz folgt, kennt das „Heimlich gsprech“ keine Tabus, wenn es darum geht, eine in ihrem Stil mittelalterlich angehauchte Tragödie, ihren Autor und die durch sie gerühmten Autoritäten zu verreißen: Ziel der Kritik ist eine 1537 von Johannes Agricola verfasste pompöse Tragödie, die den böhmischen Theologen Jan Hus zu einem „heiligen Märtyrer“ und Vor-
läufer Martin Luthers stilisiert. Cochlaeus imaginiert ein Gespräch der Reformatoren über diese Tragödie: Sie lassen kein gutes Haar an ihr. Dabei geben sich die Reformatoren allerdings selbst die eine oder andere Blöße, bis am Ende ihre Frauen die Handlung an sich reißen und alles in ein fragwürdiges Licht tauchen ... Nein, ernst darf man diese Komödie nicht nehmen. Aber kommt ihr Witz hier und heute an – zumal und gerade in 
Waldeck, wo man schon damals (der Aufführungsort, das Terrain des Klosters Aroldessen, war übrigens kaum zehn Jahre zuvor im Zuge der Reforma-
tion säkularisiert worden) auf katholische Eiferer nicht gut zu sprechen war. Die Aufführung wird geför-
dert durch die Stiftung für deutsch-polnische Zusammenarbeit, durch den Deutschen Akademischen Austauschdienst (DAAD), durch das Museum im Spital Grünberg, den Freundeskreis des Museums Grünberg, das Literarische Zentrum Gießen und durch das Fürstliche Haus 
zu Waldeck und Pyrmont. (r) Karten zum Preis von fünf Euro, ermäßigt drei Euro, gibt es an der Abendkasse.

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