Großvater von Edith Strack betrieb Hotel im ehemaligen Fürstenhof von Arolsen

Ein Stück Stadtgeschichte

Bad Arolsen - „Da habe ich meine Kindheit verbracht“, erinnert sich Edith Strack an die frühen Zeiten des Fürstenhofes in Bad Arolsen, den ihr Großvater unter dem Namen Bergischer Hof zur ersten Adresse gemacht hat.

Die Säulengänge waren zwar von ihm geschlossen, aber als Teil des Restaurants mit viel Blumenschmuck aufgehübscht worden, ein eigener Chauffeur stand für die Abholung der Sommerfrischler von den Bahnhöfen in Kassel oder Arolsen bereit. Über 20 Jahre, bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges, betrieb der aus Remscheid ins Waldecker Land umgezogene Bäckermeister Friedrich-Wilhelm Strack das Hotel. Damals, so erzählt Edith Strack, war der schärfste Konkurrent der Inhaber des Hotels „Zur Post“, an dessen Stelle nun die Sparkasse steht.

Der 1875 im Bergischen Land geborene Strack hatte in Remscheid eine Bäckerei mit mehreren Filialen betrieben. 1911 ging er nach Korbach, wo der Reifenproduzent Continental viele Menschen buchstäblich in Lohn und Brot brachte. Letzteres stellte Strack in einer modernen Dampfbäckerei her, in der im industriellen Stil gebacken wurde. Eine Novität fürs Waldecker Land.

Doch der Vater von fünf Töchtern und vier Söhnen wurde gleich nach Beginn des Ersten Weltkriegs zur Kaiserlichen Armee eingezogen. Ihm wurde der Betrieb einer Großbäckerei in Metz übertragen, sodass er nicht an die Front kam.

1921 zog Strack nach Arolsen und kaufte den alten Fürstenhof. Das ansehnliche Gebäude ließ er zu einem schmucken Hotel ausbauen, in dem hohe Beamte mit ihren Familien logierten. Wenn sie draußen im Säulengang, leicht erhöht über der Chaussee in Richtung Wetterburg, saßen, fiel ihr Blick auf die Fürstenallee und die Baumreihen, die sich in Richtung Schloss erstreckten. Die wenigen Automobile, die es in der Residenzstadt gab, störten die Erholungsuchenden nicht. Anders freilich ist das heute. Das Gebäude, das der neue, griechische Eigentümer sanieren lässt (wir berichteten), steht an einer stark frequentierten Einmündung. Gerne würde Athanasios Schinas auch die Säulengänge öffnen, wenn nur die Verkehrssituation dort eine andere wäre.

Eigener Chauffeur

Aus Ostpreußen kam der Chauffeur: Paul Badura hatte der Hotelier für die Fahrten und die Pflege des Fahrzeugs eingestellt. Der Autofachmann hatte eine Arolserin geheiratet und später neben einem Taxibetrieb ein Autohaus gegründet, das bis vor wenigen Jahren an der Bahnhofstraße bestand.

Bis Anfang 1944 hat Strack das Hotel noch betreiben können: „Dann gab es kein Bier mehr“, erklärt Enkelin Strack lapidar das Ende des gastronomischen Betriebes, der auch fern der Kriegsfronten nicht im üblichen Umfang aufrechterhalten werden konnte. In guten Zeiten wurden 250 Essen am Tag verkauft. Ein einziger Sohn überlebte den Krieg, hätte aber das Hotel nicht übernehmen können. Der Vater von Edith Strack, Carl, war in Rumänien gefallen.

Nach der kampflosen Übergabe Arolsens, in dem der Sitz des SS-Oberabschnitts Fulda-Werra war und eine SS-Kaserne bestand, belegten die Amerikaner das Hotel, und danach folgten Heimatlose aus dem Baltikum, aus Polen, Ungarn oder der Tschechoslowakei: „Die lebten über mehrere Jahre hier, einige heirateten Arolserinnen, andere wollten nur in die USA ausreisen, weil ihre Heimatländer in den Einflussbereich der Sowjetunion gerieten.“

Edith Strack erinnert sich, dass nach dem Krieg der aus einem Lager heimgekehrte Hans SallyKleeberg als Treuhänder das Kino im Anbau des Bergischen Hofes wieder eröffnete. Besonders die amerikanischen Soldaten hatten ein großes Interesse an ein wenig Abwechslung und wünschten sich etwas vom Glanz Hollywoods in der ehemaligen Fürstenresidenz. Kleeberg eröffnete später auch in Mengeringhausen ein Kino.

Erst im August 1948 kam Onkel Paul Strack aus Gefangenschaft nach Arolsen zurück. 14 Tage vorher war der Hotelier Friedrich-Wilhelm Strack plötzlich verstorben. Das Ende des Hotels war schon besiegelt. Paul Strack eröffnete fünf Jahres später das neue Kino, das der Architekt Fritz Botsch in der Nähe des Rathauses bauen ließ und das im vorigen Jahr endgültig geschlossen wurde. Im gleichen Jahr zog die Allgemeine Ortskrankenkasse in das frühere Hotel ein.

Edith Strack verbrachte den größten Teil ihres Lebens mit ihrer Familie in Frankreich. 1998 ging sie in Rente, kam hin und wieder nach Arolsen, wo ihre Mutter Irma, geb. Kramer, noch lebte. Vor zwei Jahren zog sie endgültig nach Arolsen und freut sich, dass der einstige Bergische oder Fürstenhof nun wieder zu neuem Glanz gebracht werden soll.

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