Bestseller-Schriftstellerin Hera Lind beim Marktfrühstück in Bad Arolsen

Superweib und Au-pair-Männchen

Bad Arolsen - Gute Unterhaltung zu ungewohnt früher Stunde genossen 300 Besucherinnen beim Marktfrühstück in der Reithalle mit der Erfolgsautorin Hera Lind.

Bad Arolsen. Spätestens zu Beginn der literarisch-komödiantischen Frauen-Show am Samstagmorgen, die der Soroptimist International-Club Korbach ausrichtete, waren alle putzmunter. Die als Herlinde Wartenberg in Bielefeld geborene Opernsängerin, Schriftstellerin, Moderatorin und Drehbuchautorin brachte die in der Überzahl anwesenden Damen und die „Mitgebrachten“ zum Lachen. Auch bei den Männern kommt der Humor an. Sie werden gelegentlich mit Spott überzogen, wenn das traditionelle Rollenverständnis aus weiblicher Sicht geradegerückt wird. Früher Showtermin In groß geblümtem Sommerkleid auf einem Tisch vor den erwartungsvoll blickenden Besuchern sitzend, hat Hera Lind das Publikum im Nu im Griff. Nach einem frühmorgendlichen Lauf am Twistesee scheint die Schriftstellerin so richtig in Fahrt gekommen zu sein, auch wenn für sie so eine frühe Show eine Premiere ist. Sie bietet den Zuhörern auf unterhaltsame Weise einen Einblick in ihre Biografie. Dabei bringt sie in kölscher Mundart die Zuschauer zum Lachen oder schildert sie ihre Erlebnisse vor einer Lesung in Baden-Württemberg in breitem Schwäbisch. Auch ihr „traumatischstes Erlebnis“, die Lesung in einem Salzburger Männerknast, bietet Stoff für eine heitere Anekdote: Die Gefangenen verzogen zunächst keine Miene, „denen fehlte das Komikzentrum“. Erst als sie zu singen beginnt, da tauen die Zuhörer auf, und einige weinen gerührt. Hera Lind fühlt sich jedoch völlig fehl am Platze, sucht den schnellen Abgang und beendet die peinliche Veranstaltung mit launigen, jedoch in einer Justizvollzugsanstalt völlig untauglichen Abschiedsworten an die Häftlinge: „Ihr Lieben, es ist schon dunkel, kommt gut nach Hause und fahrt vorsichtig!“ Die Lebensgeschichte hört sich an wie eine Abfolge von geplanten und zufälligen Ereignissen. Immerhin hat sich Herlinde Wartenberg einen Ruf als Chorsängerin und Gesangssolistin aufgebaut, bis sie eher zufällig in den letzten sechs Wochen der Schwangerschaft ihren ersten Roman schreibt: „Ein Mann für jede Tonart.“ Ihr damaliger Lebenspartner, ein Arzt, hatte der sich kurz vor der Niederkunft langweilenden Frau einen damals neuartigen Laptop geschenkt, mit dessen Hilfe sie eine elektronische Patientenkartei aufbauen würde. Doch es kam ganz anders. Mit der Geburt des ersten von vier Kindern im Alter von 30 Jahren wurde Hera Lind geboren. Ihre Mutter, eine Klavierlehrerin, bestand darauf, nicht unter dem „seriösen Familiennamen“ Unterhaltungslektüre zu schreiben. Erfolgsroman Mit den nächsten Kindern wurden weitere Romane „geboren“. „Das Superweib“ verkaufte sich drei Millionen Mal und wurde mit Veronica Ferres und Heiner Lauterbach verfilmt. Die Bestsellerautorin organisiert ihr Leben als mehrfache Mutter mithilfe von „Au-pair-Männchen“ aus Südafrika: „Die Kinder sollten gleich erleben, dass auch Männer den Tisch decken, den Kühlschrank füllen oder den Kinderwagen schieben können.“ Männer, das sind verkürzt Penis- beziehungsweise „Kosakenzipfel-Träger“, diese Anleihe entnimmt sie dem Werk des unvergessenen Loriot. Und mithilfe eines Liedes von Reinhard Mey schildert sie den ersten Elternabend. Auch diese Geschichte bringt das Publikum in der Reithalle zum Lachen und lässt viele zustimmend nicken, wenn da etwa der Lehrer mit dem Doppelnamen und dem Cordanzug in „Herren-Pink“ oder endlose Diskussionen über die Verwendung von Buntstiften oder Filzschreibern beschrieben werden. Die damalige Protokollantin dieses denkwürdigen Ereignisses bekennt augenzwinkernd: „Mir fehlte das Zeug für eine Elternpflegeratsvorsitzende, mir fehlt die nötige sittliche Reife.“Das Zeug zur Komödiantin und zu einer Autorin mit hintersinnigem Humor hat Hera Lind, das Publikum beim Marktfrühstück am Viehmarktssamstag applaudiert – darunter auch Landrat Dr. Reinhard Kubat, Bürgermeister Jürgen van der Horst und Bruder Adalbert Wartenberg. Lokalkolorit bekommt die Begegnung, als Soroptimist-Club-Präsidentin Annemarie Hesse ein Foto als Abschiedsgeschenk überreicht, das die Mutter Wartenberg mit einer früheren Klavierschülerin aus Arolsen vor dem Residenzschloss zeigt. Der Korbacher Soroptimist-Club („soror“ steht im Lateinischen für Schwester) besteht seit zehn Jahren und widmet sich international der Verbesserung der Lebensbedingungen von Kindern und Frauen. Der Erlös der mit Unterstützung der Stadt ausgerichteten Veranstaltung ist für die Jugendhilfeeinrichtung Sophienheim bestimmt, die die Autorin am Samstag besuchte. Am Bücherstand der Buchhandlung Schreiber signierte Hera Lind zahlreiche Bücher. (ah)

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