Bad Arolser Lions sind stolz auf renommierten Redner bei Benefizveranstaltung

Tiefe Einblicke in die Wirrungen der Finanzwelt

Lions-Tafel mit HR-TV-Moderator Frank Lehmann: V.l. Bernd und Rosi Radeck, Frank Lehmann, Brunhilde und Karl-Heinz Göbel. Foto: Elmar Schulten

Bad Arolsen - Über alles wird geredet: Ärger im Beruf, die große Politik, das eigene Liebesleben. Nur das Einkommen ist tabu. Über Geld spricht man nicht, meinen die meisten Deutschen und sind drüber erstaunlich schlecht informiert, wie der Frankfurter Fernsehjournalist Frank Lehmann meint.

Von Elmar Schulten

Bad Arolsen. Bei der Arolser Lions-Tafel, einer Benefizveranstaltung zugunsten der Arolser Tafel, hat der bei einem Millionenpublikum beliebte Wirtschaftsjournalist Lehmann (Börse im Ersten) am Freitagabend dieses letzte große Tabu gebrochen und vor rund 130 zahlenden Gästen sehr amüsant, aber auch vor kenntnisreich über die Bankenkrise, Geldanlage und die Geheimnisse der Börse geplaudert.

In Sachwerte investieren

Eine klare Anlageempfehlung gab es nicht („Ich bin da kein Fachmann, ich schwebe über den Dingen“.), wohl aber Anleitungen zum klugen Umgang mit Geld. Oberste Maxime: Ruhe bewahren. Keine Panik.

Ausdrücklich warnte Lehmann davor, sein finanzielles Heil nur in vermeintlich sichern Anlagen wie Tagesgeld zu suchen.

Bei den aktuellen Zinssätzen zwischen 0,5 und einem Prozent und einer Inflationsrate von 2,5 Prozent verliere das eigene Vermögen sehr schnell an Wert. Lehmann : „Das ist kalte Enteignung.“

Besser seien langfristig Sachwerte wie Immobilien, aber eben auch Aktien. Wer auf Aktien setze, dürfe aber nicht auf den langfristigen Erfolg hoffen, sondern müsse den täglichen Schwankungen gelassen gegenüber stehen.

Nicht der Gier folgen

Lehmann: „An der Börse gibt es drei Stimmungen: Die Gier, die Panik und die Ratlosigkeit.“ - In Zeiten sei es richtig zu verkaufen, nicht zu kaufen. Klüger sei es in Zeiten der Panik zu kaufen, denn wenn andere verkauften, könne man nach kluger Analyse so manches Schnäppchen machen.

Selbst mit den angeblichen Schrottpapieren aus Griechenland hätten kluge Anleger wie die berüchtigten Hedge-Fonds im vergangenen Jahr die größten Gewinne gemacht.

Es sei schon seltsam, dass die Deutschen, obwohl sie in Europa die größte volkswirtschaftliche Macht darstellten, so wenig von Gelddingen wüssten und so große angst vor Aktien hegten.

Zur Eurokrise stellte Lehmann fest, dass diese in Wahrheit eine Staatsschuldenkrise sei. Staaten wie Irland, Portugal und selbst Griechenland seien nach den eingeleiteten Kurskorrekturen auf einem guten Weg.

Ganz anders sehe die Lage in Japan aus, obwohl niemand über das fernöstliche Land rede. In Wahrheit werde Japan nur durch immer neue Staatskredite am Leben erhalten.

Noch größer sei freilich das Staatsschuldenproblem in den USA. Während amerikanische Politiker mit dem Finger auf Euro-Land zeigten, wachse in Amerika das Defizit in erschreckendem Tempo.

Gute Vorsätze über Bord

Mit bissiger Kritik prangerte Lehmann gierige Banker wie die Chefs der amerikanischen Großbank J.P. Morgan, aber auch der Deutschen Bank an. Sie alle hätten aus der Bankenkrise nichts gelernte, verkauften wieder die als Auslöser der Krise geltenden Schrottpapiere und hätten längst alle ihre guten Vorsätze wieder über Bord geworfen. Selbst der noch vor wenigen Wochen von der Deutschen Bank verkündete Verzicht auf die Spekulation mit Agrarfonds sei wieder hinfällig.

Ein Foto von der nächtlichen Skyline Frankfurts kommentierte Lehmann mit den Worten: „Hier ist alles im Umbruch. Es ist dramatisch, was sich in der Finanzwelt ändert. Alles bricht zusammen. Keiner weiß, ob es die Commerzbank im kommenden Jahr noch geben wird.“

Der bekannte Fernsehjournalist Frank Lehmann ist Mitglied im Lions-Club Hanau „Brüder Grimm“ und war daher gerne der Einladung des Lions-Clubs Bad Arolsen „Christian Daniel Rauch“ gefolgt, für eine Benefizveranstaltung honorarfrei als Redner zur Verfügung zu stehen.

Das versteht Lehmann auch als seinen persönlichen Beitrag zu seiner Forderung, alle, auch in der Finanzwelt, müssten dem Gemeinwohl zu dienen. „We serve - wir dienen“ lautet auch das Motto der weltweiten Lions-Organisation, in der engagierte Bürger zusammenstehen, um in ihren jeweiligen Städten und Gemeinden soziale und kulturelle Projekte voranzubringen.

Grimm und Rauch

Der Bad Arolser Lions-Präsident, Karl-Heinz Göbel aus Elleringhausen, dankte dem „Referenten mit Kultstatus“ für seinen Einsatz und stellte schmunzelnd fest: „Wenn die Brüder Grimm mit Christian Daniel Rauch zusammenkommen, dann muss da auch etwas Gutes bei herauskommen.“

Musikalisch umrahmt wurde die Veranstaltung von Streichern des CRS-Orchesters, die sich unter anderem unter dem Namen „Arolser Stadtstreicher“ bei zahlreichen Veranstaltungen schon in die Herzen ihrer Zuhörer gespielt haben.

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