Hans Stracke hat über Jahrzehnte seine Heimatstadt mitgeprägt

Trauer um „Mister Twistesee“

Bad Arolsen - Er verkörperte wie kaum ein anderer das Ideal eines vielseitig engagierten Bürgers: Im Alter von 76 Jahren ist der Bad Arolser Geschäftsmann Hans Stracke am Mittwoch verstorben.

Ob als Kommunalpolitiker, Vizepräsident des DLRG-Landesverbandes oder Vorsitzender des Vereins Handel, Handwerk und Gewerbe - Hans Stracke war eine rar gewordene Spezies, ein bis hinein in höchste Ebenen gut vernetzter Multifunktionär. Präzise in der Vorgehensweise und mit dem Herz am rechten Fleck engagierte sich der Uhrmachermeister für seine Heimatstadt und - über 50 Jahre - die DLRG von der Ortsebene bis hinauf in den Landesvorstand.

Sein Wort erhob der für seinen freundschaftlichen Umgangston beliebte und seine klaren Analysen geschätzte Stracke über 22 Jahre hinweg bis 2006 in der Stadtverordnetenversammlung seines Heimatortes. In dieser Funktion hat der langjährige FDP-Fraktionsvorsitzende viele Projekte mit begleitet, die die Entwicklung Arolsens prägten. Ein Herzensanliegen war ihm die Stärkung Arolsens als attraktive Einkaufsstadt.

Ob der Weihnachtsmarkt, der in diesem Jahr zum 30. Mal stattfindet, oder der Arolser Spatz als beliebte Dekoration und Sinnbild für ein lebendiges Städtchen, an vielen Aktionen des Vereins Handel, Handwerk und Gewerbe hatte er großen Anteil. Nicht zuletzt setzte er sich für die Entlastung der Innenstadt vom Durchgangsverkehr und die Stadtsanierung ein.

Als Arolser war es ihm auch eine Ehrensache, 17 Jahre in der Viehmarktskommission an der Gestaltung des Waldecker Nationalfestes mitzuwirken.

Für Wasserrettung engagiert

Über ein halbes Jahrhundert hat sich der begeisterte Segler und Schwimmer für die Deutsche Lebensrettungsgesellschaft stark gemacht, für die Ausbildung von Rettungsschwimmern sowie für die Sicherheit der Badegäste an den Wachstationen der drei Waldecker Stauseen. „Mister Twistesee“, wie er bei der Ernnenung zum Ehrenvorsitzenden des Ortsvereins anerkennend bezeichnet wurde, hat sich für die Präsenz der Lebensretter in einem eigenen Gebäudes am Twistesee eingesetzt, das sich obendrein wie ein rustikales Ferienhaus in das Landschaftsbild einfügt.

Seit Gründung der Städte-partnerschaft mit Heusden-Zolder hat er viele Verbindung zwischen Belgiern und Deutschen geknüpft, und manche Freundschaft hat sich entwickelt. Im Partnerschaftskomitee seiner Heimatstadt hat sich Hans Stracke dafür eingesetzt, dass die Städteverbindung von den Menschen und nicht allein durch offizielle Abordnungen gestärkt wurde.

Mit großem persönlichen Einsatz hat er an Edersee, Diemelsee und Twistesee Wachstationen mit aufgebaut, die in der Sommersaison rund um die Uhr mit gut ausgebildeten, ehrenamtlichen Rettungsschwimmern ausgestattet sind. Seit einigen Jahren aber sind die ehrenamtlichen Rettungsschwimmer der DLRG zunehmend auch als Badeaufsicht in vielen Freibädern der Region gefragt.

Für das umfangreiche und jahrelange ehrenamtliche Enga-gment war Hans Stracke vor zehn Jahren mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet worden. Der damalige hessische Landwirtschaftsminister Wilhelm Dietzel hatte es ihm an symbolträchtiger Stelle, im Rathaus, überreicht.

In der Barockstadt hatte Hans Stracke am 1. Oktober 1967 von seinem Vater Erich Stracke das 1931 gegründete Uhrengeschäft übernommen. Im Laufe der Jahre wurden das Geschäft mehrfach umgestaltet. Damit einher ging die Modernisierung der Werkstatt. Hans Stracke hatte seine Ehefrau Deike während des Besuches der Meisterschule in Hamburg kennengelernt. Sohn Ulf Stracke und seine Frau Christiane haben vor zwei Jahren das Familienunternehmen übernommen. Auch Tochter Uta Jäkel ist mit dem Traditionsbetrieb verbunden.

Im Nachtjackenviertel

Hans Stracke war humorvoll, kommunikativ und gesellig und hatte es verstanden, „sein“ Altstadt-Quartier mit originel-len Veranstaltungen in den Blickpunkt der Öffentlichkeit zu rücken. Legendär sind die mit den Nachbarn in Schloss- und Kaulbachstraße veranstalteten „Nachtjackenfeste“ und nicht zuletzt die so genannten „Jahresschluss-Andachten“ im Kellergewölbe der ehemaligen katholischen Kirche Arolsens: Die hatte ihre ersten Gemeinderäume in der überwiegend evangelischen Residenzstadt in dem kurz nach der Stadtgründung 1719 errichteten Barockgebäude, in dem das traditionsreiche Uhrengeschäft besteht.

Auch wenn sich Hans Stracke in den letzten Jahren aus den verschiedenen Funktionen zurückgezogen hatte, um Jüngeren das Feld zu überlassen, und ihn gesundheitliche Probleme plagten, so war er doch an der Entwicklung der Stadt und besonders seiner DLRG weiterhin interessiert. Für viele Freunde und Bekannte unerwartet, ist er am Mittwoch verstorben.

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