Kölner Paar nutzt Rhoder Drachenfest als Kulisse für keltische Traumhochzeit

Traumhafte Fantasy-Trauung

Patricia Wirtz (23) und Stefan Zöller (41) aus Köln lassen sich am Rande des Drachenfestes in Diemelstadt trauen. Als Standesbeamtin fungiert Petra Oderwald. Foto: Elmar Schulten

Diemelstadt-Rhoden - Der Rhoder Hausberg Quast auf halbem Weg nach Wethen ist in diesen Tagen wieder exterritoriales Gebiet. Rund 5000 Fantasy-Freunde leben hier eine Woche lang ihr Spiellust aus und schlüpfen dazu in Fantasierollen.

Zwei Mitspielern ist es diesmal aber ganz besonders ernst: Patricia Wirtz und Stefan Zöller aus Köln haben sich gestern auf dem Spielgelände das Ja-Wort gegeben. Und damit der Ehebund nach keltischem Ritus auch vor dem deutschen Fiskus Bestand hat, schauten die Brautleute und ihre Familie gestern vorher noch schnell beim Standesamt der Stadt Diemelstadt vorbei. Trauzeugen durchgestylt Für Standesbeamtin Petra Oderwald war es die erste Trauung von Teilnehmern des Drachenfestes. Im Trauzimmer der Stadt, im Obergeschoss des alten Rathauses, empfing sie die kostümierten Brautleute und ihre Trauzeugen. Auch ein Großteil der Familie hatten sich dem Wunsch von Braut und Bräutigam entsprechend in Phantasiekostüme gehüllt. Den meisten aber schien der Gedanke fremd, gleich nach dem offiziellen Akt im Trauzimmer noch eine keltische Hochzeit als Teil eines Fantasy-Spiels zu erleben. Die Brautleute hatten eigens die Taverne auf dem Spielgelände für diesen Zweck vorbereiten lassen. Nach der rituellen Reinigung konnte das Spektakel beginnen. Kennengelernt hatte sich das Brautpaar übrigens bei einem ähnlichen Rollenspiel, allerdings im viel kleineren Rahmen. Das Drachenfest mit 5000 zahlenden Teilnehmern stellt schon eine der größeren Veranstaltungen dieser Art in Deutschland dar. Edle Ritter, magische Heilerinnen, Gaukler, geheimnisvolle Elfen, starke Nordmänner, trinkfeste Piraten und böse Orks bevölkern eine Woche lang den Quast und tauchen ein in eine mittelalterliche Fantasiewelt. Aus ganz Deutschland, dem Europäischen Ausland und teilweise sogar aus Übersee treffen sich wieder die Fantasy-Fans um ihrem Hobby zu frönen. Im vergangenen Jahr reisten Teilnehmer aus insgesamt 27 Nationen an. LARPer nennen sie sich selbst, LARP steht dabei für „LiveActionRolePlay“, ein gigantisches Freilufttheater im Fantasy-Stil, angelehnt etwa an Tolkiens Roman „Herr der Ringe“ oder auch Fantasyfilme wie „Fluch der Karibik“. Es eröffnet die Möglichkeit, l die Realität zu verlassen und selbst in die Rolle eines Fantasyhelden oder einer Bauernmagd im späten Mittelalter zu schlüpfen. Sie leben in Burgen und Holzverschlägen, in Lagern mitten im Wald. Besser als am Computer Der Erfolg basiert auf dem Prinzip, selbst als „Spielfigur“ interaktiv ein Abenteuer zu erleben und eine Geschichte zu lösen. Beim LARP geht es eigentlich um genau das gleiche wie bei einem modernen Computerspiel – nur, dass man nicht vor einem Bildschirm oder auf seinem Sofa sitzt, sondern selbst als Abenteurer durch enge Gänge einer Burg krabbelt, als tapferer Krieger gegen ein Heer aus Orks antritt oder als Ritter eine Dame zum Tanze führt. Sie suchen nach dem goldenen Gral oder nach dem Auge des Drachen. Sie kämpfen in epischen Schlachten und erzählen gemeinsam viele kleine Episoden, die letztlich zu einer großen fantastischen Geschichte verschmelzen. Jede Zunft, Gilde oder Gattung, wie die Nordmänner, das Elbenvolk, die Landsknechte, die Zwerge, die Piraten oder auch die bösen Orks haben dabei ein eigenes Lager, rund um die „Stadt“ angelegt, in der sich das hauptsächliche Spiel in Tavernen, Badehäusern oder Handwerker- und Händlergassen entwickelt. Zu kämpfen haben die Darsteller nicht nur mit ihren Mitspielern, sondern auch mit den Unbilden der Natur. So ging gestern ein heftiges Unwetter über dem Quast nieder. Große Teile der Spielfläche verwandelten sich in einen rutschigen Morast. Auch die stechenden Bremsen machen den Mitspielern zu schaffen. Doch das gehört zum Spiel. Für die ganz schmerzhaften Fälle gibt‘s ja immer noch den ganz modernen Sanitätsdienst.

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