Helser Startrompeter Walter Scholz erinnert sich an Anfänge vor 60 Jahren

Trompetenmusik für Päpste und Könige

Helsen - Aus Helsen zum Weltstar: Vor genau 60 Jahren, am 1. Oktober 1952 startete Trompeter Walter Scholz seinen musikalischen Triumphzug. Seine Tonträger haben sich inzwischen 15 Millionen Mal verkauft.

Es ist Paul Herold aus Bad Arolsen, der Ende der 40er-Jahre einen Flügelhornton hört, den er nicht mehr vergisst. Der Profimusiker aus der Residenzstadt schaut genauer hin und entdeckt hinter dem Instrument den jungen Walter Scholz aus Helsen. Schon seit er fünf ist, spielt der Junge im Posaunenchor, seine Liebe zu Blasinstrumenten hat er längst entdeckt. Und in ihm erkennt Paul Herold ein Talent, das er fördern will. Also spricht er bei dem Vater des Jungen vor. Er bietet an, den jungen Walter zu unterrichten. Dieses Angebot schlägt die Helser Familie nicht aus. Und Herolds Einsatz lohnt sich: Der Junge entwickelt sich dank des regelmäßigen Trompetenunterrichts gut, zusätzlich erhält er Unterricht in den Fächern Harmonielehre, Musikgeschichte­ und Musikdiktat. „Paul Herold war ein ausgezeichneter Pädagoge und er hat mir bereits in meiner frühesten Jugend sehr viel Wissen für meinen musikalischen Werdegang beigebracht“, erinnert sich Walter Scholz heute. Küken der Orchesterschule Inzwischen liegt hinter dem Helser Jungen eine beispiellose Musikkarriere: Sein Gesicht kennen die Menschen aus dem Fernsehen, seinen Klang erkennen Experten unter Tausenden und in seinem Schrank stapeln sich goldene Schallplatten und Platinauszeichnungen. Den Start seines Triumphzuges datiert Walter Scholz auf den 1. Oktober 1952: Damals begann er als 14-Jähriger sein Musikstudium an der Orchesterschule Siegerland Wittgenstein. Zum 60. Jahrestag blickt der Startrompeter auf seine Anfänge zurück, erinnert sich an die Kindheit in Helsen und den arbeitsintensiven Weg zum Ruhm. Denn bevor Scholz 1952 die Heimat verlässt und Richtung Siegerland aufbricht, müssen Entscheidungen getroffen werden. „Am Konservatorium in Kassel bot mir Prof. Kälberer damals ein Musikstudium an“, erzählt Scholz. Weil sein Trompetenlehrer Paul Herold bei Vater Helmut aber mit aller Vehemenz dagegen votiert, nimmt er nicht gleich an. Kassel sei nicht weit genug vom Elternhaus entfernt, argumentiert Herold. Für seine weitere berufliche Entwicklung müsse der Junge die Heimat verlassen und die Fremde kennenlernen. Als Alternative schlägt er die Orchesterschule in Hilchenbach im Siegerland vor. Nach einer ersten erfolgreichen Vorstellung in Kassel reist Helmut Scholz also mit seinem Sohn ins Siegerland. Und auch dort sind Musikdirektor Friedrich Deisenroth und sein Stellvertreter Fritz Liesegang so begeistert von dem Jungen und seiner Trompete, dass sie dem gerade 14-Jährigen ein Studium anbieten. Familie Scholz nimmt an und bereitet den Umzug des Jungen in das renommierte Internat vor. „Ich war damals das jüngste Mitglied der Orchesterschule“, erinnert sich Walter Scholz. Weil er auch den Lehrern im Siegerland als besonders talentiert auffällt, wird er von dort aus zuweilen zum Unterricht auf die Musikhochschule in Köln geschickt. „Dort erhielt ich Trompetenunterricht von Prof. Adam Zeyer, bevor ich Meisterschüler des berühmten Trompetenvirtuosen Prof. Franz Willy Neugebauer wurde“, erinnert er sich. Es sind aufregende, arbeitsintensive Zeiten, die Walter Scholz an der Orchesterschule verbringt. Ob Sinfonieorchester, sinfonisches Blasorchester, Kammermusikgruppen oder die Big Band Torsi: Der junge Musiker hinterlässt in den Ensembles der Schule Spuren. „Als ich mich 1956 am Landestheater in Detmold bewarb, reiste ich im geliehenen Anzug zum Vorspiel“, erzählt er, „für mehr hatten wir kein Geld.“ Er bekommt den Job und es folgen Anstellungen am Staatstheater Mainz und Darmstadt, bei den Münchner Philharmonikern und 1962 in Baden-Baden. „Damals wurde ich Erster Solotrompeter beim Sinfonieorchester des Südwestfunks“, erzählt er. „Sprache meines Herzens“ Dort beginnt auch seine internationale Laufbahn als Solist. Kein Solopart ist für ihn unspielbar. Neben den bekannten klassischen Trompetenkonzerten, die er alle auswendig beherrscht, wagt sich Scholz als einer der weltweit ersten Solisten an das Trompetenkonzert von Bernd Alois Zimmermann, der mit ihm persönlich dieses Werk einstudiert. Er spielt für den Papst, für den Dalai-Lama und viele gekrönte und ungekrönte Staatsoberhäupter. Neben seiner hauptberuflichen Tätigkeit als klassischer Trompeter gehört sein Herz auch der Leichten Muse. Bereits vor 50 Jahren produziert Scholz seine erste Schallplatte. Er spezialisiert sich auf Bravourstücke mit enormer Zungentechnik und Fingerfertigkeit, für die er von der internationalen Presse mit dem Titel „Teufelszunge“ betitelt wird. 1984 schafft der Startrompeter mit seiner Eigenkomposition „Sehnsuchtsmelodie“ einen Welterfolg.Was sein Erfolgsrezept sei? Da muss Walter Scholz nicht lange überlegen: „Mir ging es nie darum, andere Künstler nachzuahmen“, sagt er, „ich wollte mir selbst und der musikalischen Sprache, die aus meinem Herzen kommt, treu bleiben.“ (r)

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