Fischbestand wird zum ersten Mal erhoben

Twistesee von Anglern kaum genutzt

Bad Arolsen - Wie könnte der Twistesee als Fischgewässer attraktiv werden? Die erste Erhebung des Bestands ergab, dass ausgerechnet die bei Anglern wenig gefragten Rotaugen den Stausee dominieren.

Waldeckische Domanialverwaltung, Stadt Bad Arolsen und Wasserverband Diemel als Eigentümer des Gewässers und Fischereirechtsinhaber lassen unter der Regie des Fischwirtschaftsmeisters Andreas Rohn ein Gutachten erstellen, um sich auch Rat für die künftige Nutzung als Fischgewässer zu holen. Das bisherige Konzept greife nicht mehr, der Besatz an Bachforellen sei in dem nährstoffreichen und stehenden Gewässer fehl am Platze, stellte Rohn fest, dessen Kompetenz im gesamten Bundesgebiet gefragt ist. Die Raubfische seien statt der Regenbogenforellen eingesetzt worden, die als gebietsfremde Art wegen der Nähe zum Naturschutzgebiet Vorstau nicht mehr in den See eingebracht werden dürfen. Der See sei in eine Schieflage geraten aufgrund der altersmäßigen Zusammensetzung des Bestands. Auffallend sei der starke Besatz an alten Rotaugen, die zu den Friedfischen zählenden Schuppenträger fallen vor allem durch den hohen Anteil an extrem großen Tieren auf, die über 30 Zentimeter lang seien. Doch gerade für diese auch Plötze genannten Friedfische finden sich kaum Interessierte unter den Anglern. Der See werde als Fischereigewässer kaum genutzt. Eder- und Diemelsee hätten eine viel größere Bedeutung. Verbessern ließe sich das Image durch einen Besatz mit mehr Arten. Hechte gebe es kaum. Neben Zander und Barschen würden die Rotaugen vorherrschen, die als Speisefisch sehr schmackhaft seien. Schließlich fehle es an attraktiven Plätzen für Angler. Die Uferzonen würden für Erholungszwecke genutzt, wie etwa am Strandbad, zudem beeinträchtigten zugewachsene und zu steile Uferzonen die Nutzung durch Angler. Wuchernde Wasserpflanzen bieten zwar ein gutes Rückzugsgebiet für Hechte und Schleien. Doch sind diese Bereiche bei Anglern naturgemäß nicht beliebt. Die Rolle der bei Anglern unbeliebten Kormorane als Fischräuber sieht Rohn differenziert: Die Vögel würden während der Brutzeit und dann noch einmal im Herbst auf Jagd gehen und seien dann in größerer Zahl am See. Doch würden sie nur einen Bruchteil der wahrscheinlich im See lebenden Fische erbeuten. Während sich in der Vogelwelt die Nilgänse als zugewanderte Art breitmachen und andere Arten verdrängen, ist beim Wassergetier eine ähnliche Entwicklung zu beobachten: So fand Fischwirtschaftsmeister Andreas Rohn in großer Zahl Dreikantmuscheln in den Netzen. Diese Art ist aus dem Schwarzen Meer eingeschleppt worden und verdrängt die wesentlich größeren Teichmuscheln. So bilden sich ganze Kolonien aus, die sich auf den Teichmuscheln und großflächig am Boden breitmachen. Den anderen Muschelarten nehmen die „Neuen“ buchstäblich die Luft zum Atmen. Allerdings könnten die sich rasch vermehrenden Dreikantmuscheln auch den Speisenplan diverser Wasservögel bereichern. Die Feldarbeit hat der Fachmann inzwischen mit Spezialnetzen und der gestern abgeschlossenen Elektrobefischung weitgehend abgeschlossen. Dabei wurde der Bestand erhoben und die mithilfe von Strom kurzzeitig betäubten Fische wurden dem Wasser entnommen und vermessen. Diese und weitere Untersuchungsergebnisse werden im Oktober aufbereitet und voraussichtlich im November den Auftraggebern vorgetragen. (ah)

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