Staatssekretär Weinmeister überreicht Zuschussbescheide für Untersuchungen

Der Twistesee wird abgelassen

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Für die vertiefte Untersuchung der Twistetalsperre muss der See abgelassen werden. Unser Bild zeigt den Staudamm mit Wohnmobilplatz und dem Ort Wetterburg.

Bad Arolsen - Der Twistesee wird im kommenden Jahr voraussichtlich komplett abgelassen. Grund ist eine Sicherheitsüberprüfung und eine Modernisierung der Überwachungstechnik.

Für die Maßnahmen des Wasserverbandes Diemel überreichte der Staatssekretär im hessischen Umweltministerium, Mark Weinmeister, gestern im Kreishaus Kassel Zuschussbescheide. 212 000 Euro werden für die Arbeiten veranschlagt, die das Land zu 85 Prozent fördert. Darin eingeschlossen ist die Installation eines modernen Datenerfassungssystems für Pegeldaten, Zuläufe, Beckeninhalte und Abläufe.

Probleme für Badebetrieb

Mit dem Ablassen und der Untersuchung soll sofort begonnen werden, wie Verbandsgeschäftsführer Rolf Enders am Freitag berichtete. Vier Ingenieurbüros aus dem Bundesgebiet haben Angebote für die voraussichtlich ein Jahr dauernde Überprüfung der Talsperre beim Wasserverband abgegeben. Dazu muss das Wasser des 2,5 Millionen Kubikmeter im Winterstau fassenden Gewässers abgelassen werden.

Mit dem Badebetrieb am See dürfte es da Probleme geben, wie Enders einräumte. Allerdings muss auch für den von der Stadt Bad Arolsen geplanten Neubau des Strandbads, für den 1,2 Millionen Euro im Rahmen des Stadtumbaus Nordwaldeck veranschlagt werden, Wasser abgelassen werden - wenn auch nicht in dem großen Umfang.

Ob der Stausee komplett entleert werden muss, wird von den Ingenieuren noch zu prüfen sein, wie Enders erklärte. Besorgt habe sich der mit der Überwachung des Stausees beauftragte Dipl.-Ing. Hermann Thomas über eine vollständige Entleerung geäußert. Diese könnte weitere Probleme verursachen. Die vorhandenen Schlupflöcher könnten sich vergrößern durch den Rückzug des Wassers. Zudem müsse damit gerechnet werden, dass weitere Investitionen in die Sicherung der Talsperre erforderlich seien.

Beim Bau des Staudamms habe sich gezeigt, wie problematisch der Untergrund sei, berichtete Enders. So hätten Zementverpressungen vorgenommen werden müssen, und in den vergangenen Jahren seien die rechte und die linke Flanke des Sees in Richtung Staudamm zusätzlich befestigt worden. Der hydraulische Druck ist so groß und der Boden so durchlässig, dass in den Keller eines Hauses im Aartal Wasser gelaufen ist, so Enders weiter.

Fische schützen

Der See war im vorigen Jahr bereits weitgehend abgelassen worden, um eine Verkrautung einzudämmen. Doch war das Wasser bald wieder angestaut worden. Nun wird das Staubecken so weit entleert, dass der Wasserverband zusammen mit den Anglern und Fischern sowie der Waldeckischen Domanialverwaltung als Grundeigentümerin über eine Sicherung des Fischbestands beraten werden muss. Dazu wird nach den Worten von Enders auch erwogen, an bestimmten Stellen zusätzliche Vertiefungen zu schaffen. Schließlich muss auch die Sauerstoffsättigung gewährleistet werden.

Die Twistetalsperre sei ein wichtiger Baustein für den Hochwasserschutz entlang der Diemel, betonte Staatssekretär Weinmeister. Und aufgrund der Klimaveränderungen müsse mit immer mehr Starkregenereignissen gerechnet werden, auch die Gefahr von Jahhunderthochwassern erhöhe sich. Schutzfunktion erhalten Um den Schutz langfristig sicherzustellen, müsse die Talsperre gründlich untersucht und der Stau dafür aufgehoben werden. Risse und Löcher,die sich im Laufe der Zeit gebildet haben können, stellten eine Gefahr für das Gesamtbauwerk dar, wie Weinmeister deutlich machte.

Ebenso dringend notwendig sei eine Modernisierung der Überwachungstechnik. Je mehr Daten geliefert werden, um so besser erfülle die Talspere ihre Funktion. Die Kosten für die technische Ausrüstung bezifferte er mit knapp 12 000 Euro. Erst vor acht Jahren war die Steuerungstechnik für 400 000 Euro erneuert worden. „Bei der ersten Kostenkalkulaton waren erst mal alle Verbandsmitglieder platt“, erklärte die Vorsitzende und Erste Beigeordnete des Kreises Kassel Land, Susanne Selbert. Umso wichtiger sei die großzügige Bezuschussung durch das Land. „Sicherheit geht vor“, so der Landtagsabgeordnete Armin Schwarz aus Bad Arolsen.

Die Investition in die vertiefte Untersuchung diene auch der touristischen Nutzung des Gewässers, sagte Schwarz weiter. Er hob die reibungslose Zusammenarbeit der Verbandsgemeinden und beteilgten Kreise hervor.

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