Gewalt in der Ehe eskaliert

Unter Drogeneinfluss ist alles denkbar

Diemelstadt/Kassel - „Mein Mandant kann nicht ausschließen, dass er die Taten, die ihm in der Anklageschrift vorgeworfen werden, im Zustand des Rausches vollbracht haben könnte.“ - Ein Geständnis sieht anders aus.

Mit dieser schwammigen Formulierung zu Beginn des dritten Verhandlungstages vor der fünften Großen Strafkammer des Landgerichts Kassel wollte sich wollte sich der Vorsitzende Richter nicht abfertigen lassen.

Vor allem rechtfertige diese Einlassung nicht den Verzicht auf sechs weitere Zeugen, wie dies die Verteidigung beantragt hatte. „Wenn wir jetzt nicht weiter den Tatbestand aufklären, dann liefern wir einen Revisionsgrund“, belehrte Vorsitzender Stanoschek.

So wurde am Dienstagmorgen der Prozess gegen einen 30 Jahre alten Marsberger fortgesetzt, der im Dezember 2012 versucht haben soll, seine Ehefrau in deren Wohnung in Diemelstadt zu vergewaltigen. Erste Zeugin war die Bewährungshelferin des Angeklagten. Sie war nach einer Verurteilung vom Landgericht Bochum eingesetzt worden, unter anderem um die Einhaltung der Auflage des Drogenverzichts zu beaufsichtigen.

Die Bewährungshelferin berichtete, dass sie im Dezember von der Ehefrau des Angeklagten angerufen worden sei. In diesem Telefonat habe die Frau berichtet, dass ihr Mann ein paar Tage zuvor die Wohnungstür eingetreten und in der Wohnung randaliert habe.

Dann habe er sie zum Beischlaf aufgefordert. Als sie ablehnte, habe er sie massiv bedrängt und versucht, sie zu vergewaltigen.

Schließlich habe er die Wohnung verlassen und dabei einen Geldbetrag über 200 Euro aus einer Geldbörse mitgenommen.

Nun sei sie in Angst um sich und um das gemeinsame Kind, denn ihr Mann habe sie mit dem Tod bedroht.

Von der Bewährungshelferin erhoffte sich die Ehefrau Hilfe und die Festnahme ihres Mannes.

„Es fiel der Ehefrau schwer zu verstehen, wie sich die Räder der Justiz und der Bewährungshilfe drehen und dass ich ihr nicht helfen konnte, weil ich keine Festnahme veranlassen konnte“, schilderte die Bewährungshelferin.

Jedenfalls habe sie im Nachgang beim Landgericht Bochum einen Kriseninterventionsbeschluss beantragt.

Mit der dann verhängten Ladung zum Strafantritt sei sie einige Zeit später zusammen mit einem Kollegen beim Angeklagten erschienen. Der habe brav seine Sachen gepackt und sei freiwillig in die forensische Abteilung der LWL-Klinik in Marsberg eingerückt.

Das habe er auch schon vorher einmal freiwillig getan, als in ihm die Einsicht gereift sei, dass er Hilfe benötigte. Der Angeklagte sei im Laufe der vergangenen Jahre immer wieder in Stimmungstiefs mit starken psychotischen Phasen geraten.

Grund seien dann wahrscheinlich Drogenkonsum und der Verzicht auf Einnahme der verordneten Medikamente gewesen. In solchen Phasen sei der Angeklagte in der Wahrnehmung hochgradig verdreht gewesen,während er zu anderen Zeiten sehr ruhig und rational denkend erschienen sei.

Bei der Vernehmung der mit dem Fall betrauten Vernehmungsbeamten der Polizei ging es dem Gericht gestern vor allem darum herauszufinden, wie glaubwürdig die Aussage des angeblichen Vergewaltigungsopfers ist.

Diesem Zweck diente in der vorangegangenen Verhandlung auch das Verlesen der Chat- und SMS-Korrespondenz zwischen dem Angeklagten und seiner Ehefrau.

Immerhin hat sich die Frau erst einige Tage nach der von ihr angezeigten Tat einer Rechtsanwältin und auf deren Rat hin der Polizei und der Bewährungshelferin anvertraut.

Die Verhandlung wird am 18. Dezember fortgesetzt. Wahrscheinlich werden Staatsanwalt und Verteidigung dann auch ihre Plädoyers halten.

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