Volkmarsaen

Verfahren wegen Werksspionage eingestellt

- Bad Arolsen / Volkmarsen (-ah-). Das Verfahren gegen den ehemaligen Vertriebsleiter der Volkmarser Firma Wiebusch wegen des Verrats von Geschäfts- und Betriebsgeheimnissen in einem besonders schweren Fall wurde gestern wegen geringen Verschuldens gegen die Zahlung einer Geldbuße vorläufig eingestellt.

Dem 53-Jährigen war vorgeworfen worden, 2007 geheime Informationen von Wiebusch / Wipoton an einen ehemaligen belgischen Vertriebspartner für den gemeinsamen Aufbau einer Fabrik in Polen weitergegeben zu haben. Dort sollten Abwasserrinnen aus Polymerbeton produziert werden – genau dies ist eine Spezialität bei Wiebusch. Das Verfahren war Ende April begonnen worden. Weil aber noch zwei Zeugen aus Belgien gehört werden sollten, war es erst gestern fortgesetzt worden. Zwar erschienen die beiden geladenen Zeugen nicht, doch wurde deren Fernbleiben nicht als Hindernis für eine Fortsetzung angesehen. Zahlreiche Mitarbeiter verfolgten die Verhandlung als Zuschauer. Die belgische Firma war 15 Jahre Kunde von Wipoton und hatte Ende 2006 die vertragliche Zusammenarbeit gekündigt. Im Sommer 2007 hatte auch der Vertriebsleiter seine Stelle bei Wiebusch aufgegeben. Nach dessen Ausscheiden aus dem Betrieb hatte die Firmenleitung seinen Computer am Arbeitsplatz untersuchen lassen, denn alle Daten aus dem Jahr 2007 waren gelöscht worden. Nach der Rekonstruktion der Dateien war aufgefallen, dass eine Reihe von Informationen an den Rechner im Hause des ehemaligen Angestellten geschickt worden waren, darunter zwei Excel-Dateien mit Kalkulationen und einer Kundenliste. Genau diese beiden Listen waren gestern letztendlich die Basis, auf der das Gericht zu befinden hatte. Firmenchef Dieter Wiebusch konnte nur einräumen, dass die Berechnungsdatei nicht die korrekten Daten enthielten, mit denen das Unternehmen tatsächlich kalkulierte. Sowohl Richter Karl-Heinz Kalhöfer-Köchling als auch der Staatsanwalt erkannten, dass daraus kein Schaden für das Unternehmen abzuleiten gewesen seien. Gleichwohl bezeichnete der Richter die Weitergabe der Listen als strafrechtlich von Belang. Mehr lesen Sie in der gedruckten Ausgabe vom 15. Juni 2010.

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