Twistetal

Verschwommene Erinnerung an Tat

- Twistetal/Kassel (-ah-). Die Lebensgeschichte des wegen Mordversuchs an seinen drei Kindern angeklagten Werner B. bildete gestern einen Schwerpunkt im Verfahren beim Landgericht Kassel.

Das Verfahren vor dem Schwurgericht könnte sich wegen der Vernehmung weiterer Zeugen um mindestens eine weitere Woche über den als letzten Prozesstag verplanten 13. November hinaus ziehen. Das Gericht muss befinden, ob es der Anklage wegen versuchten Mordes folgen soll, ob es sich um eine im Affekt begangene Tat oder etwa einen erweiterten Suizidversuch handelte, schließlich hatte B. bei seinem Geständnis am Tag nach der Tat erklärt, er habe nach den Hammerschlägen auf seine kleinen Kinder Selbstmord begehen wollen. Die Tat habe er wegen der zerrütteten familiären Verhältnisse und allgemeiner Perspektivlosigkeit begangen, argumentiert der aus Gemünden stammende Angeklagte, der am Montag 41 Jahre wurde. Im Raum stehen auch Aussagen über angebliche Morddrohungen des Angeklagten, die eine gestern vor Gericht als ­Zeugin gehörte Diplompsychologin während einer einmona­tigen Begutachtung von B. in der Forensischen Klinik in Gießen versuchte zu ergründen. Laut B. sei eine am Telefon gemachte Äußerung („Willst du, dass ich ein Blutbad anrichte?“) nur „symbolhaft“ gemeint gewesen. Eine ihm vorgehaltene Äußerung „mit Kindern vor den Baum fahren“ sei eine falsch ausgelegte Bemerkung gewesen. In vorangegangenen Zeugenaussagen war B. eine provokante und aggressive Art nachgesagt worden. Im Gespräch mit der Psychologin bestritt er, gewalttätig gewesen zu sein. Bei Auseinandersetzungen mit seiner Frau habe sich der 1,80 Meter groß und 152 Kilogramm schwere Mann nur gegen sie zur Wehr gesetzt. Nach der Sonderschule kam der Mann auf die schiefe Bahn, hangelte sich durch Gelegenheitsjobs, begann zu trinken und illegale Drogen (Cannabis, LSD) zu konsumieren und war wegen eines Raubüberfalls auf einen Drogeriemarkt zu 42 Monaten Haft verurteilt worden, wie er zur Vorgeschichte in der Klinik erklärte. Zur Tat selbst erklärte er, nach den Hammerschlägen gegen seine älteste Tochter habe er nur noch verschwommene Erinnerungen an das Geschehen – der Rechtsmediziner errechnete zum Tatzeitpunkt eine Blutalkoholkonzentration von 0,9 Promille. Aufgefallen war der Psychologin dies: In der Klinik habe er sich als Chef aufgespielt, Patienten und Mitarbeiter provoziert oder für sich einzuspannen versucht. „Er löste Unruhe auf der Station aus.“ Zudem erwähnte er Freitodversuche vor der Tat. Eine Narbe im Bereich der Pulsadern und Fantasien vom Erhängen gab er gegenüber der Psychologin zu Protokoll.

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