Bad Arolsen: Weltbürgerin Luisa Splett begeistert mit ihrer Leichtigkeit und Ausdruckskraft

Virtuose Klangbilder gemalt

Bad Arolsen - Ein Benefizkonzert der Extraklasse gestaltete die aus der Schweiz stammende Pianistin Luisa Splett auf Einladung des Lions-Clubs Bad Arolsen Christian Daniel Rauch am Sonntagmittag im Steinernen Saal des Residenzschlosses.

Englisch, italienisch, französisch, spanisch,deutsch und russisch - sechs Sprachen beherrscht Luisa Splett fließend. Vor allem aber ist sie eine Meisterin der Universalsprache Musik. Davon konnten sich auch die rund 150 Gäste im Steinernen Saal des Residenzschlosses überzeugen, die gestern ein zierliche junge Dame mit einer enormen Ausdruckskraft am Klavier erleben durften. Komplett auswendig gespielt 90 Minuten lang zauberte die weitgereiste, sympathische Konzertpianistin auswendig - ohne auch nur einmal ein Notenblatt anzuschauen - immer neue Klangwelten in den barocken Konzertsaal, der wahrlich schon viele große Künstler beherbergt hat, aber wohl selten eine so junge und so talentierte junge Dame wie Luisa Sereina Splett. Ihre Studienorte waren Zürich-Winterthur, Santiago de Chile und St. Petersburg. Überall hat sie mit Bestnoten und Auszeichnungen abgeschlossen. Momentan schreibt sie neben ihrer regen Konzerttätigkeit an der Dissertation in russischer Sprache über den Schweizer Pianisten, Komponisten und Klavierpädagogen Emil Frey, der viele Jahre in St. Petersburg und Moskau gewirkt hat. Ihr Konzertprogramm in Bad Arolsen eröffnete die junge Dame mit sechs von zwölf Preludien von Claude Debussy. Voller Leichtigkeit zeichnete sie die Klangbilder nach, die der Impressionist Debussy mal „Tänzerinnen von Delphos“, mal „Schleier“, mal „Düfte und Töne, die sich in der Abendluft drehen“ nannte. Ebenso ausdrucksstark die in deutschen Konzertsälen eher selten zu hörende 5. Sonate des russischen Komponisten Alexander Nikolajewitsch Skrjabin. „Ein verrücktes Stück“, kommentierte Luisa Splett, die ebenso klug wie kenntnisreich alle ihre Stücke vorstelle und in den Entstehungszusammenhang setzte. Nach der Pause, in der die Lions Sekt und Häppchen servierten, lud die Pianistin zu Modeste Moussorgskys „Bilder einer Ausstellung“ ein. Auch hierzu lieferte sie im charmanten Plauderton eine Einführung. Das ausdrucksstarke Stück beschreibt die Eindrücke des Komponisten beim Besuch einer Bilderausstellung. Bilder im Kopf Nur wenig Phantasie genügt, damit auch der Zuhörer nachempfindet, was der Moussorgsky beim Anblick der Bildwerke seines Freundes Viktor Hartmann empfand: Der Gnom wird ebenso sichtbar wie die spielenden Kinder in den Tuilerien oder der Tratsch auf dem Markt von Limoges. Bewunderswert vor allem aber, mit welcher spielerischen Leichtigkeit Luisa Splett das anspruchsvolle Konzertprogramm meisterte, mit welcher gravitätischen Ausdruckskraft sie ihr Instrument beherrscht. Die junge Pianist scheint nicht nur im Konzert eins zu sein mit ihrem Instrument. Sechs bis acht Stunden Probenzeit investiert sie täglich. Das verriet sie in der Pause. Vielleicht ist ihr Beispiel auch motivierend für all die Kinder der Musikschule, die auch mit Spenden des Lions-Clubs finanziert wird. Der Erlös der musikalischen Matinee im Steinernen Saal ist jedenfalls für die weitere Unterstützung der musikalischen Nachwuchsarbeit in Bad Arolsen bestimmt.Zum Abschied und als Zugabe stimmte Luisa Splett den einzigen deutschen Komponisten des Tages: Robert Schumanns „Von fremden Menschen und Ländern“. (Elmar Schulten)

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