Mengeringhausen feiert die Fertigstellung der ersten Wasserleitung vor 125 Jahren

Wasserleitung ebnete Weg in die Moderne

Bad Arolsen-Mengeringhausen - Nur die wohlhabenden Mengeringhäuser konnten sich vor 125 Jahren einen Wasseranschluss leisten. Am 1. Oktober 1888 floss das erste Wasser in Rohren vom Tollen Born oberhalb der Teiche mit natürlichem Gefälle unter der Landstraße hinweg in die Häuser.

Erstes Haus an der Leitung war die Brauerei Engelhard. Eine Netzplankarte von 1907 führt immerhin schon 27 angeschlossene Häuser auf. Für die meisten Mengeringhäuser aber gab es immer noch Wasser, das in Eimern und Krügen aus den Kümpen geschöpft wurde.

Solche öffentliche Brunnen gab es vor der heutigen Metzgerei Köhler/Renner, in der neuen Pfortenstraße, vor dem Rathaus an der Ecke Nicolai- und Obere Torstraße, in der Hinteren Straße, außerdem im Wolmershagen und vor dem Haus Nelle an der heutigen Stadthalle. Auch diese Kümpe wurden von der neuen Wasserleitung gespeist.

Für die wenigen Wohlhabenden, die sich einen eigenen Wasseranschluss leisten konnten, war der Wasserhahn im Haus eine Erleichterung für das tägliche Leben: Waschen, Kochen, Körperhygiene - all das war jetzt ein wenig einfacher. Insofern ebnete die Wasserleitung den Weg der Ackerbürgerstadt in die Moderne.

Ein paar Jahre später wurde eine Gasleitung installiert. Noch später wurde die Entsorgung der Abwässer organisiert, die bis dahin noch ungeklärt in die Bäche, Sickergruben und auf die Misthaufen geleitet wurden.

Über die Details des Wasserleitungsbaus, der vor 125 Jahren die Stadt Mengeringhausen aus dem Kreis der übrigen Wal­decker Gemeinden hervorhob, ist leider nur wenig im Stadtarchiv erhalten geblieben. Zu diesen wenigen Urkunden gehören die Anschluss- und Wasserlieferungsverträge von 1888. Darin ist zum Beispiel festgeschrieben, dass die Nutzer verpflichtet waren, im Brandfall kein Wasser zu entnehmen, um die Wasserversorgung in den Löschkümpen nicht zu gefährden.

Ständig erweitert

Der Wasserpreis wurde nach Köpfen im Haus und Tieren im Stall berechnet. Nutzer ohne eigene Landwirtschaft waren angehalten, in trockenen Sommern weniger Wasser zu verbrauchen, um die Versorgung der Tiere nicht zu gefährden.

Stadtarchivar Christian Meuser weiß zu berichten, dass die Quelle am Tollen Born nur für wenige Jahrzehnte ausreichend war. Schon in den 30er-Jahren wurde eine neue Quelle in der Nähe des Eselspfades erschlossen. Ihr Wasser lief in einen Hochbehälter auf Nordsrücken oberhalb der heutigen Berliner Straße gepumpt. Von da aus konnte das Nass mit höherem Druck in alle Häuser laufen.

In den 60er-Jahren wurde dann die Quelle am Großen Homberg erschlossen. Als dann die Kaserne auf dem Hagen errichtet wurde, musste schon wieder eine neue Wasserversorgung aufgebaut werden. Diesmal kam das Wasser von der Hundebicke und wurde auf die Matzenhöhe gepumpt, um von dort über eine neue Wasserleitung auf den Hagen zu laufen.

„Bis dahin hat das Wasser die Mengeringhäuser kaum etwas gekostet“, fasst Gerhard Jordan zusammen: „Es floss aus bodennahen Schichten im freien Gefälle in die Stadt.“ Die einzige Kunst sei es gewesen, ein funktionierendes Rohrsystem aufzubauen. Dazu gab es zuerst Holzrohre, die aus Stämmen gebohrt wurden, dann Tonrohre und schließlich Guss- und Bleirohre. Heute werden für die Hausanschlüsse überwiegend Kunststoffrohre verwendet.

Tiefenbrunnen

Jordan weiter: „Mit der Eingemeindung 1972 wurden die Forderungen der Wasserwirtschaftsämter lauter, Tiefenbrunnen zu bohren. Das Wasser ist in der Regel unbelastet von Schadstoffen, muss aber aus rund 300 Metern Tiefe gewonnen werden. Das erhöht die Kosten.“

Beim Studium alter Akten stieß der Geschäftsführer der Bad Arolser Kommunalbetriebe (BAK), Dr. Gerhard Wüllner, auf den Wasserversorgungsvertrag vom 1. Oktober 1888. Deshalb planen BAK und Ortsbeirat nun eine Jubiläumsfeier am Tag der Deutschen Einheit, 3. Oktober.

Neben einer Ausstellung historischer Pläne und Verträge sollen Experten zum Thema Wasserversorgung in drei Gesprächsrunden über ihr Metier sprechen. Das Fest wird in und um den Feuerwehrstützpunkt „Am Tollen Born“ ausgetragen.

Auf der gegenüberliegenden Wiese ist heute noch die Stelle mit einem Rohr markiert, von der aus einstmals die Wasserversorgung der heutigen Altstadt erfolgte.

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