Trainingscamp Rhoden: Neue Aussichten für Nachfolgeeinrichtung in der Region

Weitere Chance fürs Leben

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Bad Arolsen - Neue Gespräche über eine Erziehungseinrichtung für Jugendliche aus dem Trainingscamp in Rhoden laufen momentan mit dem Waldeckschen Diakonissenhaus Sophienheim.

Die straffällig gewordenen Jugendlichen bekommen im Trainingscamp für ein halbes Jahr eine letzte Chance, ihr Leben in den Griff zu bekommen, um nicht in das Gefängnis gehen zu müssen. Doch trotz aller Bemühungen auf pädagogischer und psychologischer Ebene droht nach den sechs Monaten die Rückkehr in alte Milieus und damit die Gefahr, wieder straffällig zu werden. Um dies zu verhindern und den Jugendlichen eine Perspektive zu bieten, setzt sich Lothar Kannenberg, Leiter des Trainingscamps, seit Jahren für den Aufbau einer Nachfolgeeinrichtung in der Nähe des Camps ein. Nach zahlreichen Gesprächen und Verhandlungen mit dem Landessozialministerium und der Gemeinde Diemelsee schien der Aufbau einer Schule in Vasbeck in greifbarer Nähe zu sein. Doch dieses Vorhaben ist gescheitert.

WDS interessiert

Nun tritt das Waldecksche Diakonissenhaus in Bad Arolsen in den Blickpunkt, das neben der Altenpflege und der Ausbildung im altenpflegerischen Bereich im Auftrag des Jugendamtes eine Jugendhilfeeinrichtung im Sophienheim betreibt und gegenwärtig 42 Jungen und Mädchen betreut.

Mittlerweile sind zwischen Kannenberg, der WDS-Leitung, dem Sozialministerium, dem Landkreis und der Schlossbergschule (Schule für Erziehungshilfe und Kranke) in Wabern intensive Gespräche über den Aufbau einer Nachfolgeeinrichtung geführt werden, die etwa zehn bis 15 Jugendlichen aus dem Trainingscamp die Chance einer qualifizierten Schulausbildung bieten soll. „Wir sind daran interessiert, die Betreuung nach dem Camp-Aufenthalt zu unterstützen“, erklärt WDS-Verwaltungsleiter Wilfried Höhle auf Anfrage der WLZ. Schwerpunkt wäre die Betreuung der Jugendlichen in der Freizeit, also neben einer schulischen oder möglicherweise auch beruflichen Ausbildung.

Momentan werden die Möglichkeiten für eine Nachfolgeeinrichtung ausgelotet. Bei der vom Landeswohlfahrtsverband getragenen Schlossbergschule in Wabern würde dann ein Konzept entwickelt, auf dessen Basis die Jugendlichen auf einen Schulabschluss vorbereitet werden können. Dies hätte nach Auskunft von Höhle Vorrang.

Rückfall verhindern

Die angestrebte Betreuung sieht vor, den Jugendlichen zu ermöglichen, ihren Tagesablauf neben einer Ausbildung möglichst selbstständig und sinnvoll zu gestalten und „nicht ins alte Fahrwasser“ zurückzufallen, in dem sie wieder straffällig werden. Höhle selbst hält viel von der Arbeit in dem Camp: „Kannenberg ist den Jugendlichen mit ganzem Herzen zugewandt, und er weiß sie gut einzuschätzen.“ Doch gebe es auch einen großen Bedarf an einer weiteren individuellen Betreuung nach dem halben Jahr.

„Es steht noch nichts in Aussicht, und es steht noch nichts fest“, erklärt dazu Dieter Klein, Fachdienst Jugend beim Landkreis. Doch er räumt ein, dass das Jugendamt nach einem Partner und einer geeigneten Immobilie suche. Wenn eine solche Einrichtung im Kreis Waldeck-Frankenberg entstehe, dann sollte dafür ein Träger einstehen, der die entsprechende Kompetenz dafür biete. Das sei unter den 16 Jugendhilfeeinrichtungen das WDS. Zugleich wies Klein darauf hin, dass im Trainingscamp etwa 20 Jugendliche aus dem gesamten Bundesgebiet und dem deutschsprachigen Ausland betreut werden, deren Aufenthalt in Rhoden von den jeweils zuständigen Jugendämtern finanziert werde.

„Nichts spruchreif“

Spruchreif sei noch nichts, warnt Klein vor einer voreiligen Einschätzung. Es sei allerdings sinnvoll, wenn Jugendliche ein freiwilliges Angebot bekämen, mit dem sie eine Struktur in ihr Leben bekämen. Die Betreuung müsse dann von Fall zu Fall individuell auf den jeweiligen Jugendlichen angepasst werden.

„Das wäre eine große Herausforderung für das WDS, wenn diese Pläne denn wahr werden sollten“, sagte der zum Monatsende aus dem Amt scheidende Vorsteher des WDS, Pfarrer Horst Rühl. Nicht zuletzt wäre es auch eine weitere große Chance für die betreffenden Jugendlichen, die sich nach sechs Monaten im Trainingscamp Kannenberg weiterhin einen geregelten Tagesablauf und Zuwendung wünschten. Kannenberg selbst will Kontakt zu den Jugendlichen halten, ihnen weiterhin ein familiäres Umfeld bieten. Dafür hatte er schon ein Bündel an Ideen zusammengestellt. Doch davon hat er einige Abstriche machen müssen.

Gebäude gesucht

Sollte es zu der nunmehr diskutierten Kooperation kommen, würden sich Mitarbeiter vom Trainingscamp, des WDS und die Schlossbergschule Wabern gemeinsam um die jungen Leute kümmern. Nach Auffassung von Kannenberg fehlt vor allem noch ein geeignetes Gebäude - mit 30 Zimmern, Räumen für Schulungen sowie für die Mitarbeiter. Am liebsten in der Nähe des Trainingscamps.

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