Erhard Kraft versucht, die Geschichte alter Häuser in Helsen zu ergründen

Wenn Häuser erzählen könnten

+
Nach Meinung von Erhard Kraft ist das Fachwerkhaus der Familie Jaschko in der Straße „Zum Kleeberg“ das schönste Beispiel der über 100 Häuser im alten Helser Dorfkern. Foto: Manfred Müller

Bad Arolsen - Helsen - Die Geschichte und die Architektur von 35 alten Helser Häusern hat Erhard Kraft bisher schon beschrieben, die Namen der Erbauer, der weiteren Besitzer und der Bewohner fast vollständig herausgefunden und deren Schicksal dokumentiert.

Mit einem sehr interessanten, aber gleichzeitig fröhlichen und unterhaltsamen Vortrag im Schreiberschen Haus gab er nun eine fundierte Zwischenbilanz über seine bisherigen Forschungen. Er hat es sich zur Aufgabe gemacht, über die 101 Häuser des alten Dorfkerns und die vier Helser Mühlen zu berichten.

Seit 2008 arbeitet der Oberst a. D. an dieser historisch, aber auch menschlich interessanten Aufgabe. Als gebürtiger Helser, er erblickte in der alten Schule neben der Kirche das Licht der Welt, begann er Ahnenforschung über die Familie seiner Mutter, einer Tochter des Helser Schmiedes Rüsseler, zu betreiben.

Aber auch seine Frau Irmela hat Helser Vorfahren. Ihre Mutter war eine geborene Busold. Der Familie Busold gehörte um 1750 das in den sechziger Jahren abgerissene ursprüngliche Neumannsche Haus in der Professor-Bier-Str. Am 6. Mai 1755 war der gefürchtete Räuber „Zopfhennerich“ mit seinen Kumpanen in der Nacht dort eingebrochen.

Die Diebe hatten aber nicht mit dem Fleiß der Waschfrauen gerechnet, die schon in aller Frühe tätig waren und die Täter beobachteten. Die Räuber wurden später festgenommen und auf dem Trappenberg bei Twiste am Galgen aufgeknüpft.

Es ist verständlich, dass durch diese und ähnliche spannende, aber auch lustige Ereignisse das Interesse von Erhard Kraft geweckt wurde und er sich der zeitaufwendigen Arbeit, die Geschichte der Häuser des Helser Dorfkerns zu erforschen, gewidmet hat.

Das älteste Haus stammt von 1671. Das schönste Haus sei aber seiner Meinung nach das jetzige Haus Nr. 27 an der Straße „Zum Kleeberg“, 1708 erbaut von Johann Henrich Meyer. Später war dort die Schreinerei Haarseim. Inzwischen wurde das Haus von seinem jetzigen Besitzer, Markus Jaschko, liebevoll restauriert .

Interessant war auch, dass die Häuser in Helsen ursprünglich der Reihe nach durchnummeriert worden waren. Vermutlich hatte man dem Postboten die Arbeit so erleichtern wollen. Etwa zwölf dieser 101 Häuser sind inzwischen abgerissen, aber auch über sie kann Kraft berichten. Allerdings hat er bisher über die Helser Kaserne der 83er, damals an Penken Ecke gelegen und Vorgängerin der Arolser Kaserne, noch keine fundierten Unterlagen bekommen.

Über alle fertig bearbeiteten Häuser gibt es eine schriftliche Ausarbeitung, illustriert mit Fotos der Häuser und der Einwohner, dazu auch alte Ansichtskarten von Helsen.

Aber immer, wenn Kraft meinte, eine der Beschreibungen abgeschlossen zu haben und sie veröffentlichte, war dies Anlass für die Leser, noch einmal in alten Fotoalben nachzukramen, und prompt kamen neue Fotos zum Vorschein, die noch eingearbeitet werden mussten. So ganz zu Ende werde er seine Arbeit wohl nie führen können, meinte Kraft schmunzelnd. (mm)

Kommentare