Psychosomatik-Fachsymposium in Bad Arolser Schön-Klinik

Wenn die Seele auf Nummer sicher geht

Siebtes Psychosomatik-Fachsymposium der Schön-Klinik mit 140 Experten aus ganz Deutschland: V.l. Priv.-Doz. Dr. Katarina Stengler (Leipzig), Dr. Jan-Michael Dierk, Prof. Dr. Cornelia Exner (Leipzig), Chefarzt Dr. Thomas Gärtner, Dr. Jens Hartwich-Tersek, Prof. Dr. Ulrich Voderholzer, Dr. Christian Raible, Antonia Peters von der Deutschen Gesellschaft Zwangserkrankungen, Bürgermeister Jürgen van der Horst und Wolf Hartmann von der Deutschen Gesellschaft Zwangserkrankungen. Foto: Elmar Schulten

Bad Arolsen - Geschätzte drei Millionen Deutsche leiden unter einer Zwangsstörung. Betroffene können stark in ihrem Alltags- und Berufsleben beeinträchtigt sein. Die Schön Klinik Bad Arolsen widmete das Psychosomatik-Fachsymposium am Wochenende der Behandlung von Zwangsstörungen.

Über 140 Ärzte, Psychologen und andere Fachleute aus ganz Deutschland kamen am vergangenen Wochenende nach Nordhessen, um sich über dieses Störungsbild auszutauschen.

„Ich kann das einfach nicht lassen, obwohl ich weiß, dass es unsinnig ist.“ - „Ich fühle mich wie verrückt bei klarem Verstand.“ - Diese oder ähnliche Äußerungen kann man von Patienten hören, die an einer Zwangsstörung leiden. Die Betroffenen müssen immer wieder bestimmte Handlungen oder Rituale durchführen oder sie quälen sich mit bestimmten Ideen, Vorstellungen oder Impulsen, obwohl sie diese im Allgemeinen als sinnlos erleben und sich dagegen wehren. Letzteres ist allerdings zumeist erfolglos.

Dauernd Hände waschen

Zwangsstörungen gehören zu den häufigsten psychischen Erkrankungen. Ein bis zwei Prozent der erwachsenen Bevölkerung sind davon betroffen“, sagt Dr. Thomas Gärtner, Chefarzt der Schön Klinik Bad Arolsen. „Betroffene können erheblich eingeschränkt sein, sind oft stundenlang mit ihren Zwangssymptomen, zum Beispiel Händewaschen oder Zählen, beschäftigt. Wenn sie diese nicht ausführen können, treten starke Ängste auf. Zum Glück stehen heute wirksame Therapiemethoden zur Verfügung. Die Erfolgschancen sind dabei umso größer, je früher eine geeignete Behandlung nach Erkrankungsbeginn einsetzt.“, so Dr. Gärtner weiter

„Die kognitive Verhaltenstherapie gilt als am wirksamsten. Dabei werden Betroffene genau mit der Situation konfrontiert, die normalerweise Angst auslöst. Gleichzeitig werden Zwangshandlungen oder angstreduzierende, sogenannte neutralisierende Gedanken unterlassen“, erklärt Dr. Hartwich-Tersek, leitender Psychologe des Fachkrankenhauses. Bei einigen Formen der Zwangsstörungen erhöhen Medikamente den Behandlungserfolg. Diese können auch allein angewendet helfen, beim Absetzen kommt es dann jedoch sehr viel häufiger zu Rückfällen.

Metakohnitive Therapie

Wie moderne Therapien von Zwangsstörungen aussehen, darüber diskutierten die Fachleute beim eintägigen Symposium in Bad Arolsen. Neben namenhaften Referenten, wie Prof. Dr. Cornelia Exner, Universität Leipzig, Priv.-Doz. Dr. Katarina Stengler, Universitätsklinikum Leipzig, Prof. Dr. Ulrich Voderholzer, Schön Klinik Roseneck sowie Dr. Jan-Michael Dierk, Schön Klinik Bad Arolsen war auch die Deutsche Gesellschaft Zwangserkrankungen aus Hamburg mit Geschäftsführer Wolf Hartmann und Vorsitzender Antonia Peters vertreten.

Im Fokus der Veranstaltung standen Ursachen sowie Psycho- und Pharmakotherapie der Zwangsstörungen. Unter dem Titel „Kann man zu viel denken?“ wurde die metakognitive Therapie, eine neue vielversprechende Methode, vorgestellt. Und es gab interessante Einblicke in ein stationäres Behandlungskonzept der Zwangsstörungen. Praxisnahe Workshops rundeten das Programm ab. „Das Resümee der Teilnehmer war sehr positiv“, sagt Chefarzt Dr. Gärtner über die erfolgreiche Veranstaltung.

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