Feuerwehr Bad Arolsen nutzt drei Wochen lang den Gefahrgut-Übungscontainer

Wenn’s tropft und übel riecht...

Im Chemikalien-Schutzanzug durch den Übungscontainer: Unter der Gummihaut trägt der Feuerwehrmann seinen ganz normalen Schutzanzug mit Jacke, Helm, Atemschutzmaske und Pressluftflasche. So zwängt er sich im Kriechgang durch enge Durchlässe.

Bad Arolsen - Die Schutzanzüge lassen nichts Gutes vermuten: Wenn sie zum Einsatz kommen, wird’s richtig gefährlich.

Der Übungscontainer ist Marke Eigenbau, hat es aber in sich: Mitglieder der Feuerwehr Marburg haben für ihre Gefahrgut-Experten einen Übungscontainer gebaut, an dem sich viele typische Gefahrgutunfälle auf der Straße und auf Firmengeländen nachstellen lassen.

Drei Wochen lang ist der Übungscontainer jetzt bei der Feuerwehr in Bad Arolsen aufgestellt und dient den hiesigen Einsatzkräften als Trainingsobjekt. Alleine das Überziehen der Ganzkörperschutzanzüge ist eine Kunst für sich.

Feuerwehrkameraden helfen den mit Atemschutzgerät, Funkgerät und Helm komplett aufgerüsteten Gefahrgut-Experten in die Gummihaut. Die Stiefel und auch die Gummihandschuhe sind mit dem Schutzanzug verschweißt. So ist sichergestellt, dass kein Tropfen Chemie und kein gefährliches Gas an die Haut gelangen kann.

Beim Ausatmen der Luft aus dem Pressluftgerät pumpt sich der Schutzanzug nach und nach auf. Die Feuerwehrleute müssen dann auf die Kunststoffhaut drücken, um die überschüssige Luft über die Überdruckventile abzugeben.

Was sich aber nach 15, 20 oder 30 Minuten Einsatz unter der Gummihaut staut, ist die eigene Körperwärme und jede Menge Feuchtigkeit.

Unter diesen erschwerten Bedingungen also muss jeder Gefahrguteinsatz abgewickelt werden. Um das alles heil zu überstehen, müssen die Atemschutzgeräteträger nicht nur regelmäßige medizinische Untersuchungen über sich ergehen lassen, sondern auch einen Sonderlehrgang mit Chemikalienschutzanzügen sowie regelmäßige Durchläufe der Teststrecke. Die sieht das Erklimmen von Leitern und das Durchkriechen von engen Durchlässen ebenso vor wie die Verrichtung einer typischen Arbeit im Schutzanzug: Im Übungscontainer sind das Abschrauben einer Absperr­armatur und das Anbringen einer neuen Armatur erforderlich. Zum Übungsszenario der Arolser Feuerwehr gehörte jetzt auch das Retten einer Übungspuppe und das Besteigen des Schlauchtrockenturms.

Zwischendurch immer wieder die Funkdurchsagen des Füllstands der eigenen Pressluftflasche. Jeder Einsatz muss schließlich so geplant werden, dass für den Rückzug genug Atemluft zur Verfügung steht. Vor dem Ausziehen der Schutzanzüge steht die Dekontamination mit reichlich Wasser. Beim Ausziehen der Gummihaut helfen Kameraden, die streng darauf achten, dass die Uniform unter dem Schutzanzug nicht mit der Außenhaut in Berührung kommt.

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