Betreuung von Menschen mit psychischen Erkrankungen ist zeitaufwendig

Wertvolle Hilfe mit Rat und Tat

+
Die Treffpunktmitarbeiter, v. l.: Elke Willenbacher (Bad Wildungen), Silvia Ader (Korbach), Silvia Paesano (Frankenberg), Friedhelm Koch (hauptamtlicher Vorstand), Roland Lill (Beratungsstelle Bad Arolsen), Dirk Jakobschak und Marlene Auber-Birk (beide Ba

Bad Arolsen/Frankenberg. - Die vier psychosozialen Kontakt- und Beratungsstellen (PSKB) im Landkreis sind wichtige Anlaufstellen für Menschen, die aufgrund psychischer Belastung oder Erkrankung Unterstützung im Alltag suchen.

Fast 2400 Einzelkontakte notierten die Mitarbeiter der Beratungsstellen in Korbach, Bad Wildungen, Frankenberg und Bad Arolsen im vergangenen Jahr. Dabei reichte die Spanne von der kurzen telefonischen Beratung bis hin zur intensiven Familien- oder Paarberatung.

Es wurden Haus- und Klinikbesuche absolviert und unglaublich viele Gespräche geführt. Es liegt auf der Hand, dass die Beratung und Betreuung psychisch Kranker großes Einfühlungsvermögen und Zeit erfordert.

Doch die ist nicht beliebig vermehrbar, wie Friedhelm Koch, hauptamtlicher Vorstand der Treffpunkte im Landkreis, vorrechnet: Von ehemals 4,5 Stellen seien inzwischen nur noch 2,5 Stellen für die vier Treffpunkt-Beratungsstellen im Landkreis übrig geblieben. Gleichzeitig aber steige der Beratungsbedarf. Immer mehr junge Erwachsene hätten Schwierigkeiten, den Übergang vom Elternhaus ins selbstständige Leben zu meistern, berichtet Dirk Jakobschak aus seinen Beobachtungen. Viele seien Hartz-IV-Empfänger in der zweiten oder gar dritten Generation und hätten schlichtweg keine Erfahrung mit ganz alltäglichen Verrichtungen wie dem pünktlichen Aufstehen, Anziehen, Frühstücken, Zur-Arbeit-Gehen.

Immer häufiger gebe es in diesem Bereich sogar Zuweisungen von der Agentur für Arbeit. Finanzielle Unterstützung für die Betreuungsarbeit der Treffpunkte fließe aus diesem Bereich jedoch nicht.

Die rund 265 000 Euro, die der Betrieb der vier psychosozialen Kontakt- und Beratungsstellen im Landkreis koste, werde zu knapp 25 Prozent (66 000 Euro) vom Landeswohlfahrtsverband getragen. Knapp 20 Prozent (51 000 Euro) steuere der Landkreis Waldeck-Frankenberg zu. Etwa 15 Prozent steuern die Städte Bad Arolsen, Bad Wildungen, Korbach, Frankenberg und Edertal bei. Aus Eigenmitteln bringen die Trägervereine der Treffpunkte weitere knapp 26 Prozent auf. Angesichts knapper Kassen und wachsender Sparauflagen sind die Städte und Gemeinden versucht, ihre Beiträge zur Finanzierung der Treffpunkte immer weiter zu reduzieren. Schließlich handelt es sich, verwaltungstechnisch gesprochen, um „freiwillige Aufgaben“.

Dabei haben die Betroffenen die Hilfe so dringend nötig. Neben den jungen Bedürftigen gibt es auch die Gruppe der etwa 30-jährigen Alleinerziehenden, die mit ihrer Erziehungsaufgabe überfordert sind. Außerdem sind da noch die 40- bis 50-Jährigen, die sich überfordert bis ausgebrannt fühlen. Drohender Arbeitsplatzverlust, wachsender Druck am Arbeitsplatz, Probleme in der Beziehung sind Erscheinungen, die in Depressionen, Arbeitsunfähigkeit, psychische und physische Erkrankungen münden können.

Die psychosozialen Kontakt- und Beratungsstellen leisten hier wertvolle Arbeit, die auch die Sozialkassen entlasten kann. Im vergangenen Jahr wurden insgesamt 659 Personen persönlich beraten. 206 (31 Prozent) waren männlich, 415 waren weiblich (63 Prozent). 38 Personen (sechs Prozent) wurden anonym beraten. Die Beratungsstellen bemühen sich, bei akuten Anfragen keine Wartezeiten aufkommen zu lassen, sodass nach einer telefonischen Anfrage in der gleichen oder folgenden Kalenderwoche ein Termin zu einem persönlichen Beratungsgespräch vereinbart werden kann.

Bei akuten Krisen soll möglichst sofort Hilfe geleistet werden. l??Der Punkt in Bad Arolsen plant Ende Juni den Umzug von der Wetterburger Straße 30 in die Kaulbachstraße.

Die Kontakttelefonnummer bleibt aber gleich: 05691/62815-0. l Der Treffpunkt in Bad Wildungen ist in der Hufelandstraße 12 untergebracht. Telefon 05621/9658-0. l In Korbach ist der Treffpunkt in der Flechtdorfer Straße 11 angesiedelt, Telefon 05631/5069-0. l Die Adresse in Frankenberg lautet Hainstraße 51, Telefon 06451/7243-0.

Kommentare