Wisente aus Hardehausen gründen Zuchtgruppe im Süden Bulgariens

Wisente werden ausgewildert

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Vor der Umsiedlung nach Bulgarien mussten die Wisente aus Hardehausen eine Reihe medizinischer Untersuchungen über sich ergehen lassen. Inzwischen leben sie frei und gesund auf einer bulgarischen Weide.

Warburg-Scherfede. - Das Regionalforstamt Hochstift unterstützt ein Auswilderungsprojekt für Wisente. Die weite Reise vom westfälischen Scherfede nach Bulgarien scheint den Tieren gut bekommen zu sein.

In Bulgarien gibt es zurzeit insgesamt drei Wisente - im Zoo von Dobrich, nahe des Schwarzen Meeres.

Nun soll, nach dem Willen der Bulgaren, eine eigene Wisentherde in der Municipality Momchilgrad im District Kardjali, Südbulgarien, etabliert werden. Nach einer Eingewöhnungszeit werden diese Wisente dann freigelassen und können ungehindert die bulgarischen Wälder durchstreifen Übergeordnetes Ziel ist es, den Genpool der Nachfahren der Urrinder auf Dauer vital zu erhalten.

Die erste Anfrage erreichte das Regionalforstamt Hochstift im vergangenen Mai. Umfangreiche Planungen, Begleitpapiere und zahlreiche E-Mails waren notwendig, um den Transport von insgesamt fünf Wisenten zu organisieren. Unterstützung erfuhr der Leiter des Wisentgeheges Hardehausen durch Yvonne Kemp, einer Mitarbeiterin der niederländischen ARK Naturentwicklung.

Am 21. Oktober war es dann so weit: Vier junge Wisentkühe aus der Bergwisentherde wurden immobilisiert, die notwendigen Blutproben gezogen und der Gesundheitstest durchgeführt. Zeitgleich musste der junge Wisentstier „Spiro“ aus dem Wisentgehege in Springe dieselbe Prozedur über sich ergehen lassen.

Die vorgeschriebene Warte-zeit von drei Tagen, bis die Ergebnisse der Blutuntersuchungen vorlagen, verbrachten die Wisentkühe „Eggerose“, „Egbertine“, „Egomandra“ und „Eggefee“ in den geräumigen Boxen der Fanganlage.

Drei Tage später wurde „Spiro“ in Hannover auf den Tiertransporter verladen. Anschließend ging die Fahrt nach Hardehausen. Hier wurden in bewährter Zusammenarbeit mit dem Gehegetierarzt Dr. Böhlen aus Warburg und der Kreistierärztin Dr. Schäfer-Aufenanger die tierärztlich relevanten Untersuchungen und der notwendige „Papierkram“ erledigt.

Eine nach der anderen Wisentkuh wurde in Narkose gelegt. Auf einer speziell angefertig- ten Holzplattform wurden die Tiere von der Fangbox in den mit Stroh ausgepolsterten Transporter verbracht - eine sowohl für die Tiere angenehme, als auch für die Mitarbeiter des Geheges ungefährliche Art der Verladung!

Der Kuh „Egomandra“ wurde zusätzlich noch ein GPS-Halsband umgeschnallt, damit der Aufenthaltsort der neuen Herde in Bulgarien per Computer verfolgt werden kann. Mit separaten Trennwänden voneinander abgeschirmt, erhielten die Wisente ein Medikament, das die Wirkung des Narkosemittels aufhob. Das ist eine unbedingt notwendige Maßnahme, da nur voll reaktionsfähige Tiere transportiert werden dürfen. Die fünf Wisente mussten noch durch sechs Länder (Deutschland, Tschechien, Slowakei, Ungarn, Rumänien, Bulgarien) fahren, ehe sich die Laderampen in ihrem neuen Zuhause öffneten. (ah)

Hintergrund

Der Landesbetrieb Wald und Holz NRW unterhält das ?Wisentgehege Hardehausen seit 1958. Es gilt mit seinen weitläufigen Anlagen als internatio-?nal anerkanntes Zucht- und Erhaltungsgehege. Kooperationen mit dem Nationalpark Bialowieza und der Universi-tät Warschau tragen zum Austausch von wertvollen Informationen bei. Seit 2010 gibt es in Deutschland vier Regionalzentren, die den 80 Wisenthaltern mit ca. 550 Wisenten als Ansprechpartner in allen Fragen rund um den Wisent dienen – das Regionalforstamt Hochstift ist eines davon. Seit 1958 wurden 167 Kälber bei den Bergwisenten und seit 2004 neun Kälber bei den Flachlandwisenten geboren. In den vergangenen beiden Jahren wurden zwei Wisente nach Schweden, drei Wisente nach Lettland, je ein Wisent nach Osnabrück, in die Slowakei, nach Polen und nach ?Hannover überstellt. Mit dem Wisentgehege Hardehausen leistet Wald und Holz NRW einen wichtigen Beitrag zum Erhalt des letzten ?europäischen Wildrindes im Sinne der Biodiversität. (r)

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