Krankenhaus Bad Arolsen im Teleneurologie-Netz

Zeitgewinn bei Schlaganfall

Bad Arolsen - Bei der Behandlung des Schlaganfalls geht es um rasches Handeln: Das Klinikum Kassel der Gesundheit Nordhessen ist mit seiner Neurologischen Abteilung und seiner Stroke Unit (Schlaganfall-Einheit) über ein Netzwerk mit derzeit sieben Kliniken verbunden.

Am Dienstag wurde in Bad Arolsen die Funktionsweise des neuen teleneurologischen Systems auf der Intensivstation vorgestellt. Dort können die Ärzte nun mithilfe einer Datenleitung rund um die Uhr direkt Kontakt zu einem Neurologen aufnehmen, um die Therapie bei einem wegen Verdachts auf Schlaganfall eingelieferten Patienten abzuklären. Über Kamera und Mikrofon kann der Facharzt für Neurologie live aus Kassel zugeschaltet werden - so als stände er neben dem behandelnden Arzt. Nach Abklärung der Symptome sowie Begutachtung der Computertomogramme und der Labordaten wird entschieden, ob für den Notfallpatienten eine Lyse-Behandlung vor Ort in Frage kommt, mit der ein Pfropf im Blutgefäß des Gehirns aufgelöst werden kann - oder ob eine Hirnblutung vorliegt, bei der ein die Blutgerinnung hemmendes Mittel auf keinen Fall gegeben werden darf.

Mithilfe des telemedizinischen Dienstes wird eine Versorgungslücke im ländlichen Raum geschlossen, so Chefarzt Christian Feine, der neben dem örtlichen Projektleiter Oberarzt Andreas Karras für die Einrichtung des Informationssystems in Arolsen zuständig sind. Nach dem Auftreten der ersten Symptome gibt es erfahrungsgemäß maximal drei Stunden Zeit, um eine effektive Behandlung vornehmen zu können. Erste Anzeichen sind primär Lähmungserscheinungen oder Sprachstörungen.

In Arolsen wurden pro Jahr bisher 80 Patienten mit Schlaganfall behandelt. Laut hessischem Rettungsgesetz gilt, dass Menschen beim Erkennen der ersten Symptome zum „nächst geeigneten“ Krankenhaus gebracht werden müssen. Sie werden dann in die nächste Stroke Unit gebracht, nach Kassel, Marburg oder Paderborn sind das 45 bis 120 Minuten Fahrt. Die Fahrten können aufgrund des Neuronetzes Mitte (im Landkreis gehören Korbach, Bad Wildungen und Frankenberg dazu) eingespart werden, somit ist wertvolle Zeit gewonnen für eine schnelle Behandlung. Rettungsfahrzeuge und Notärzte stehen für andere Notfallpatienten zur Verfügung.

Durch die Inbetriebnahme des neuen Computertomographen in 14 Tagen werden die Bilder vom Hirn achtmal schneller und in höherer Qualität geliefert: „Wir rücken dann in die Liga der geeigneten Krankenhäuser für den Rettungsdienst auf“, sagt Chefarzt Feine.

Von Armin Haß

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