Sprung auf den ersten Arbeitsmarkt schaffen

Ziel ist ein selbstbestimmtes Leben

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Noch arbeitet Thorsten Wagner in der Werkstatt für behinderte Menschen des Bathildisheim in Neu-Berich, möchte aber den Sprung auf den ersten Arbeitsmarkt schaffen.  

Bad Arolsen. Thorsten Wagner sitzt von Geburt an im Rollstuhl. Als Bewohner im betreuten Wohnen des Bathildisheim und Beschäftigter der Werkstatt für behinderte Menschen (WfbM) geht ihn das Bundesteilhabegesetz, das zum 1. Januar 2017 in Kraft treten und die Eingliederungshilfe neu ordnen soll, in besonderem Maße an.

Als Werkstattrat tauscht er sich bundesweit mit anderen Einrichtungen aus, hat sich persönlich aber auch ohne den genauen Wortlaut des neuen Gesetzes entschieden, möglichst selbstständig zu leben und eine Stelle auf dem ersten Arbeitsmarkt anzustreben.

Das Bundesteilhabegesetz (BTHG) soll zumindest teilweise am 1. Januar in Kraft treten und soll für uns Menschen mit Behinderungen ein Stück mehr Selbstständigkeit bringen, so Wagner, der 1998 als Internatsschüler der Karl-Preising-Schule nach Bad Arolsen kam.

Doch ungeachtet der größeren Möglichkeiten durch das Budget für Arbeit, das es Menschen mit Behinderungen einfacher machen soll auf dem 1. Arbeitsmarkt eine Stelle zu bekommen, möchte es Thorsten Wagner auch so schaffen.

„Ich habe schon so viel geschafft“, erinnert sich der 29-Jährige, für den es ein großer Schritt war, seinen Haushalt weitestgehend selbst zu führen und mit dem Zug alleine zur Arbeit zu fahren. Ein Praktikum in der AST-Zentrale hat ihm Mut gemacht, sich weiter auf dem ersten Arbeitsmarkt umzuschauen.

Derzeit absolviert er ein Praktikum beim Touristik-Service der Stadt Bad Arolsen. Es reizt ihn einfach, außerhalb der Werkstätten andere Arbeitswelten kennenzulernen, wohlwissend, dass es für viele seiner Kollegen gar keine Alternative gäbe. Viele Kollegen sind hier besser aufgehoben als anderswo.

Sie könnten auch unter neuen gesetzlichen Regelungen keine Arbeit außerhalb der Werkstätten verrichten, ist sich Wagner sicher. Selbst lebt Wagner zwar im betreuten Wohnen, ist aber sehr fit und führt viele Arbeiten selbstständig aus.

Sein Ziel ist es, gerade auch durch den Verdienst auf dem ersten Arbeitsmarkt, nicht mehr von Ämtern abhängig zu sein.

Die Chancen für ihn sind dabei riesengroß, das Risiko nur minimal. Denn auch wenn er beim Auslaufen einer befristeten Stelle wieder bei Null anfangen müsste, wäre die WfbM erneut eine Option für ihn.

Der Übergang zwischen Werkstätten für behinderte Menschen und dem ersten Arbeitsmarkt soll künftig erleichtert, Rückkehrrechte garantiert und die Erfahrungen mit dem Budget für Arbeit einbezogen werden.

Außerdem soll mit dem neuen Gesetz die Zahl der rund 39 000 Unternehmen in Deutschland gesenkt werden, die keine Menschen mit Behinderungen beschäftigen. (r)

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