Bad Wildunger Parlament geschlossen enttäuscht vom Hotelkonzept

15 000 Euro für Kurhaus-Gutachten

Bad Wildungen - Sie stehen vor dem Kurhaus-Tor und sind als klug als wie zuvor. Die Stadtverordneten einigten sich aber zumindest auf einen Schritt in dieser heiß umstrittenen Frage der Stadtentwicklung: Die Verwaltung soll für 15 000 Euro ein Gutachten in Auftrag geben, das verlässlich die Kosten für Sanierung und Weiterbetrieb der Immobilie in städtischer Hand ermittelt.

SPD-Fraktionschef Walter Mombrei mahnte den Magistrat allerdings: „Bitte führen Sie im Magistrat keine Scharmützel um die Wahl des Gutachters. Suchen Sie einen aus, den alle akzeptieren.“

Ein berechtigter Hinweis, denn Renate Faber (CDU) brachte in Nachklang zur Übergabe der Protest-Unterschriften der Frauen-Union im Rathaus vorige Woche ihr Misstrauen zum Ausdruck: Bei Gutachten gelte die Volksweisheit „Wes’ Brot ich ess’, des’ Lied ich sing’“. Sie verlangte unabhängige Gutachter, und am liebsten wären ihr zwei Expertisen. Diese Forderung erneuerte sie im Parlament am Montagabend in der Wandelhalle allerdings nicht.

Als Kind den Abriss des alten Kurhauses erlebt

Im Gegensatz zum Vorwurf der „Bürgerferne“, den sie angesichts der Unterschriftenaktion gegen den Kurhaus-Abriss erneut ans Parlament richtete: „Wir haben oft zu hören bekommen: Die machen sowieso, was sie wollen.“

Stadtverordnetenvorsteher Wolfgang Nawrotzki sah sich zu einer eigenen Stellungnahme diesbezüglich genötigt. Emotional argumentierte die CDU-Abgeordnete, bezeichnete das vom Projektentwickler im Finanzausschuss vorgelegte Konzept fürs Kurhaus-Areal als Scherbenhaufen: „Ich erinnere mich, wie ich als Kind den Abriss des alten Kurhauses erlebte. Das möchte ich nicht noch einmal mit ansehen.“ Ein schwerer städtebaulicher Fehler im Zeitgeist der 50er, „aus dem wir gelernt haben“. Erst Jahrzehnte später habe die Kurstadt im neuen Kurhaus Angemessenes zurückbekommen, im nachempfundenen Jugendstil: „Ich will mir von späteren Generationen nicht nachsagen lassen: Was haben die damals gemacht, dieses schöne Gebäude einem XXL-Betonklotz zu opfern?“

„Tun nicht, was wir wollen, sondern was wir müssen“

Walter Mombrei wies diese Argumentation zurück: „Vor drei Jahren konnte ich mir noch nicht vorstellen, das Kurhaus abzureißen. Wir tun hier im Parlament nicht, was wir wollen, sondern was wir müssen, in der Gesamtverantwortung für die Stadt.“ Haushaltsdefizite zu senken, bedeute Generationengerechtigkeit, weil den jungen und noch nicht geborenen Wildungern finanzieller Spielraum erhalten bleibe. Hessens CDU-Innenminister habe mehrfach öffentlich angedroht, Haushalte verschuldeter Kommunen nicht zu genehmigen, wenn entsprechende Anstrengungen nicht unternommen würden.

Zugleich warb Mombrei dafür, die Idee eines Hotels auf dem Kurhaus-Areal im Blick zu behalten – wegen der daraus entstehenden Einnahmen für die Stadtkasse und der zu erwartenden neuen Arbeitsplätze. „Wenn es jetzt, in dieser günstigen Wirtschaftslage nicht gelingt, stellt sich die Frage, ob wir uns von der Idee eines weiteren Hotels für die Stadt generell verabschieden müssen.“

FWG-Fraktionschef Dr. Hans Schultheis verwies auf die Erfolge beim Erhalt von Schloss Friedrichstein und Altstadt: „Was, wenn ein Hotel nach drei Jahren pleite macht?“ Die Frage Kurhaus sei nicht von allen Seiten beleuchtet und die Arbeitsgruppe der Stadt müsse Alternativen zum Abriss erarbeiten mit anderen Nutzungen und Teilverkäufen.

CDU vertraut dem Projektentwickler nicht

Oliver Syring, Vorsitzender der CDU-Fraktion, geißelte das Grobkonzept des Projektentwicklers und hat in ihn kein Vertrauen: „Sehr enttäuschend. Ich glaube nicht, dass er tatsächlich interessierte Betreiber an der Hand hat. Investoren stünden bei einem Projekt, das 8 Prozent Rendite verspricht, Schlange angesichts der Niedrigzinsen.“

Syring erwartet von dem Gutachten zum Weiterbetrieb der Immobilie in städtischer Hand dagegen einiges: Er möchte untersucht wissen, was einzelne Abschnitte des Kurhauses an Sanierung und Unterhalt kosten und im Zuge einer Vermarktung einbringen könnten. Er schloss für die CDU auf Nachfrage einen kompletten Abriss des Kurhauses zwar nicht kategorisch aus („Das tun wir nie“), aber er sieht prinzipiell kein Problem darin, bestehende Bausubstanz in ein neues Hotelkonzept einzubinden. Dafür gebe es genug Beispiele. Teilverkäufe des Geländes und Teilabriss, etwa des Querriegels, in dem die Technische Hochschule untergebracht war, seien aus seiner Sicht denkbar.

Abgesehen vom Auftrag für ein Gutachten zum Weiterbetrieb waren sich alle Fraktionen in einem weiteren Punkt einig: Was Projektentwickler Reinhard Ottmann und die städtische Arbeitsgruppe vorgelegt haben, war nach drei Jahren viel zu wenig und praktisch nicht aussagekräftig.

Selbst Bürgermeister Volker Zimmermann räumte ein: „Ich hätte mir ein positiveres Ergebnis und einen anderen Stand gewünscht.“ Wie die Grünen, laut Klaus Stützle: „Aber der Spatz in der Hand ist uns lieber als die Taube auf dem Dach.“ Deshalb bemühte sich Stützle auch am Montag darum, per Beschluss ein Signal an Ottmann, seine Betreiber und Investoren zu senden: „Ja wir wollen eurer Projekt.“ Keine der übrigen Fraktionen ging diesen Weg mit. (su)

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