100 Jahre Bad Wildunger Verkehrs- und Wassergesellschaft

1904 rollt erste Kur-Taxe mit Tempo 20

Bad Wildungen - Am 1. April 1914 wurde die „Kraftwagenverkehrsgesellschaft Geiß und Köhne“ gegründet. Zwei 14-sitzige Omnibusse nahmen den Personenverkehr zwischen Bahnhof und Kurviertel auf. 100 Jahre später rollen 22 Busse und 12 AST-Fahrzeuge für das Unternehmen. Nach KVG zur BKW umfirmiert, beschäftigt es heute 102 Mitarbeiter in den Sparten Wasser und Verkehr. – Ein Blick zurück.

Der Weitsicht und dem Mut des Gründers Hugo Geiß ist es zu verdanken, dass die Kraftwagenverkehrs- und Wasserversorgungsgesellschaft (BKW) in diesem Jahr ihr 100-jähriges Bestehen feiern kann. Der Zuwachs an Kurgästen macht um 1910 die Einführung eines Pferdeomnibusses erforderlich. Aber die Zahlen steigen weiter und überfordern das Leistungsvermögen der Pferdebahn bald. Bad Wildungens Gemeinderat erteilt Hugo Geiß die Genehmigung zum Aufbau eines Omnibusbetriebs. Zwei 14-sitzige Benz-Omnibusse befördern bald Fahrgäste zwischen Bahnhof, Stadt, Kurviertel und Reinhardshausen. Höchstgeschwindigkeit: 20 Stundenkilometer. Nach Ausbruch des Ersten Weltkriegs endet es jäh – die Busse werden von der Heeresverwaltung beschlagnahmt. Mit dem Kauf zweier neuer Benz-Omnibusse für den Stadtverkehr geht es 1920/21 weiter. Aber nicht ohne Widerstand. Damals konnte jeder Besitzer einer Droschke eine Buslinie eröffnen. „Einige fuhren vor Eintreffen der Buslinie die Haltestellen ab, um die Fahrgäste von der Sicherheit der Pferdekutsche zu überzeugen“, heißt es in der Chronik. Um 1925 bis 1927 führen wirtschaftliche Unwägbarkeiten dazu, dass sich die Gesellschafter von Geiß trennen. Er muss sie ausbezahlen – mit Bussen. Fuhrunternehmer Christian Grebing betreibt den Linienverkehr in der Stadt weiter, die KVG widmet sich nur noch den Ausflugsfahrten. Neue Gesellschafter aus den Reihen der Hotelbesitzer stocken das Kapital auf, und Geiß kann den Stadtverkehr ab 1928 wieder übernehmen. Erneut droht Ärger. Die Kraftverkehrsgesellschaft Hessen – ein Tochterunternehmen der Reichsbahn – tritt als Konkurrenz auf. „Verschiedene Schikanen sollten Geiß zur Aufgabe nötigen“, ist aus der Chronik zu erfahren. Die Gesellschaft wird am Unternehmen beteiligt, auch die Stadt Bad Wildungen erwirbt Anteile. Die Umstellung des Kurbetriebs auf einen Ganzjahresbetrieb führt ein Jahr darauf zu einem Anstieg der Passagierzahlen. 1930 wird ein 40-sitziger Aussichtswagen mit elektrischem Schiebedach für 36 000 Reichsmark erworben. 1932 wird zwar noch die Linie Haina – Bad Wildungen eingerichtet, aber der Sog der Weltwirtschaftskrise ist spürbar. 1935 wird der erste Bus mit Dieselmotor angeschafft. Kraftstoff kostet damals 8 Pfennig pro Kilo. 1937/38 können die Angestellten erstmals ganzjährig beschäftigt werden und ein Betriebshof in der Hindenburgstraße (heute Dr.-Born-Straße) wird gebaut. Im Zweiten Weltkrieg werden Fahrer eingezogen, Busse für militärische Zwecke abgestellt. Die Unterhaltung des Betriebs ist während der Kriegsjahre ein Glücksspiel. 1945 wird das Betriebsgelände von Amerikanern besetzt und als Werkstatt genutzt. Die verbliebenen Omnibusse werden erheblich beschädigt, an eine Fortsetzung des Linienverkehrs ist erst einmal nicht zu denken. Mit den Linien Bad Wildungen – Frebershausen und Jesberg – Fritzlar – Bad Wildungen geht es dann 1946 weiter. Ein Jahr später wird der Sohn des Gründers, Hugo Geiß jr., zweiter Geschäftsführer der KVG, später wird der jeweilige Bürgermeister der Stadt Bad Wildungen dritter Geschäftsführer. 1956 stirbt der Gründer im Alter von 84 Jahren, sein Lebenswerk wird jedoch weitergeführt. 1961/62 kommt Schülerverkehr dazu, und 1965 wird das Betriebsgelände erweitert. Nach Übernahme des städtischen Wasserwerks im Jahr 1976 übernimmt die Kraftwagenverkehrsgesellschaft ihren bis heute gültigen Namen „Bad Wildunger Kraftwagenverkehrs- und Wasserversorgungsgesellschaft mbH“. Von Conny HöhneFortsetzung folgt.

Kommentare