Orgelprojekt rundet Sanierung ab

Abschied von der Kirchenorgel

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Damit die Förderkasse weiter wächst: Alte Orgelpfeifen (von Pfarrer Christof Hartge im Bild präsentiert) können käuflich erworben werden.

Bad Wildungen-Altwildungen - 112 Jahre tat sie zumeist reibungslos ihren Dienst, am vergangenen Sonntag erklang die Orgel der Altwildunger Philipp-Nicolai-Kirche zum letzten Mal im Gottesdienst.

Die Kirchengemeinde Altwildungen (1550 Mitglieder) nahm also Abschied von ihrer altgewohnten Orgel, am Montag rückten die Orgelbauer der Firma Rensch an und bauten sie ab.

Von den rund 500 großen und kleinen Pfeifen kann nur ein kleiner Teil im Orgelneubau wieder verwendet werden. Wer will, kann eine der Altpfeifen käuflich erwerben, der Erlös geht in den Fördertopf, der aktuell mit 48000 Euro gefüllt ist. Pfarrer Christof Hartge ist davon überzeugt, zu guter Letzt kämen „deutlich über 50000 Euro“ zusammen.

Die neue Orgel mit etwa 1000 Pfeifen kostet 220000 Euro. Pfarrer Hartge lobt die Spendenfreude der Altwildunger: „Das ist eine beachtliche Summe für eine Kirchengemeinde dieser Größenordnung.“ Bereits für die abgeschlossenen Sanierungsabschnitte der Altwildunger Barockkirche hatte die Gemeinde 55000 Euro aufgebracht. Mit dem Orgelprojekt werde die Gesamtrenovierung dieses schönen Gotteshauses in Nachbarschaft zu Schloss Friedrichstein vollendet - ein überaus gelungenes Werk.

Im Abschiedsgottesdienst, den der Flötenkreis der Kirchengemeinde Bad Wildungen unter Leitung von Christa Kurz untermalte, berichtete Pfarrer Hartge über die Altwildunger Orgelhistorie. Im Jahr 1880 stellten die Altwildunger betrübt fest: „Unsere Orgel taugt nichts mehr.“ Es dauerte dann noch über 20 Jahre, bis die Musik der bisherigen Orgel endlich die Kirche erfüllte. Kriege und weitere schwere Zeiten verhinderten die eigentlich notwendigen regelmäßigen Überholungen. Erst 1948 erfolgte eine größere Renovierung, die jedoch laut Pfarrer Hartge nicht professionell genug ausfiel. Da war es kein Wunder, dass sich mit den Jahren die „Missklänge“ häuften, ein paar Mal, so Hartge, „wollte sie gar nicht mehr“.

Im Abschiedsgottesdienst ließ das gute alte Stück die Gemeinde nicht im Stich, bedient von Organistin Martina Resch. Im Laufe der 112 Jahre musizierten acht Organistinnen und Organisten an dem Kircheninstrument.

Ein kleines Ersatzinstrument übernimmt in der „Vakanz“ die Vertretung. Allzu lange wird es nicht dauern. Bereits Mitte Oktober werden Gehäuse und Prospekt der neuen Orgel installiert. Dann beginnt eine vierwöchige Phase des Stimmens.

In einem Festgottesdienst am vierten Advent (21. Dezember, 10 Uhr) wird das neue Instrument erstmals erklingen. Das „Marburger Oktett“ wird dieses großartige Weihnachtsgeschenk für die Altwildunger Kirchengemeinde begleiten.

Übrigens eine weitere Gelegenheit zum Wachsen der Förderkasse: Für die neuen Orgelpfeifen können Patenschaften übernommen werden. Vor dem letzten Blick auf die vertraute Orgelempore gab es Kaffee und Kuchen für die vielen Gottesdienstbesucher.

Von Jürgen Minke

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