Freiwillige und Bauhof-Mitarbeiter trotzen Frost und Schneegestöber im verhinderten Frühling 2013

Adventsgefühl begleitet Osterschmuck

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Bad Wildungen - Wildunger Stiefmütterchen möchte man nicht sein in diesen Tagen. Die bedauernswerten Blümchen haben noch keine Lust zu blühen im verlängerten Winter, doch es hilft nichts: Sie müssen nach draußen in den kalten Wind. Der Osterschmuck ruft.

Unterbrochen von Schneeschauern rüsteten die Bauhof-Mitarbeiter in den zurückliegenden Tagen die Brunnen langsam auf. Die freiwilligen Helferinnen und Helfer um Hedwig Roßmann und Angelika Lötzer pflanzten und schmückten mit klammen Fingern und legten gestern letzte Hand an. Viele Vorarbeiten waren wie gewohnt im alten Wildunger Gaswerk geleistet worden.

Der kälteste März seit Aufzeichnung der Wetterdaten in Deutschland machte den Osterschmuck-Aktiven einen Strich durch die übliche Rechnung. „Normalerweise sind die verzierten Brunnen zwei Wochen vor und zwei Wochen nach Ostern zu bewundern, aber das konnten wir dieses Jahr nicht einhalten“, erklärt Reckhard Pfeil vom Stadtmarketing. Nicht jeder hat dafür Verständnis, gab es doch wegen der von Petrus erzwungenen Verspätung tatsächlich und ernsthaft Beschwerden von Anrufern beim Stadtmarketing. Vorgesehen ist, zum Ausgleich die attraktiven Gestaltungen 2013 etwas länger als sonst bestehen zu lassen.

Eierbaum niedergebrannt

„Im Normalfall haben wir schon viele verschiedene Blumen im Schmuck, Hyazinthen zum Beispiel, aber dieses Jahr blüht bei der Kälte nicht viel“, erklärt Fachfrau Hedwig Roßmann. Sie gehörte zusammen mit der damaligen AWW-Vorsitzenden Barbara Gaidzik zu den Müttern des Wildunger Brunnen-Osterschmucks. Den ersten Anstoß hatte zuvor der berühmte Eierbaum des Staatsbades zwischen Kurhaus und heutigem Haus Waldeck gegeben. „Er ist inzwischen leider niedergebrannt“, bedauert Hedwig Roßmann. Es begann mit echten, ausgeblasenen und von Patienten im Rahmen ihrer Reha bemalten Eiern. „Aber die wurden von Waschbären gefressen, die damit ihren Calciumbedarf gedeckt haben, Farben hin oder her“, erinnert sich Reckhard Pfeil.

Nicht nur deshalb setzten die Macherinnen des Brunnenschmucks von Beginn an auf Kunststoffeier. „Von außen sieht man gar nicht, wie viel Arbeit in dem Schmuck steckt“, erzählt Hedwig Roßmann und nennt ein Beispiel: Allein für den Brunnen am Fürstenhof müssen 80 Meter Metall-Grundgeflecht mit Grün umwickelt werden. Der erste verzierte Brunnen war 1999 der des Wildunger Wahrzeichens: der Nymphe. Die Resonanz war sehr groß und inzwischen schmücken die beständig um die zehn Freiwilligen im Team mit den Bauhof-Beschäftigten zehn Brunnen und weitere Elemente wie das Ei und die Ente in der oberen Allee.

Das großen traditionellen Vorbilder finden sich in Franken, verrät Hedwig Roßmann. Dort holten sie und Barbara Gaidzik sich Ende der 1990er Jahre Anregungen. „In jedem Ort gibt es nur einen Brunnen, doch die Gestelle werden jedes Jahr erweitert und es werden echte, bemalte Eier verwendet“, berichtet Hedwig Roßmann. Sie hat nachgefragt, wie viele Helferinnen und Helfer sich pro Brunnen an der Monate währenden Vorarbeit beteiligen: Es sind meist um die 40. Einer der Brunnen steht im Guiness-Buch der Rekorde.

Nach Ostern wollen alle Wildunger Beteiligten eine Erkundungsfahrt nach Franken unternehmen, um für die Zukunft weitere Anregungen zu sammeln, denn eins beherzigen die Kurstädter Schmückerinnen und Schmücker von Beginn an. „Die Brunnen müssen jedes Jahr anders aussehen. Wir haben viele Stammgäste, die sich jedesmal zu Ostern mit dem Schmuck fotografieren lassen“, erzählt Hedwig Roßmann.

Ein Dutzend neue Hasen

Seit vielen Jahren komplettiert in Reinhardshausen die Osterhasen-Parade das österliche Gesamtbild von Deutschlands zweitgrößtem Heilbad. Heute werden die Langohren in der Hauptstraße aufgestellt, kündigt Jochen Troschke an, einer der Organisatoren des Ganzen. Die Eier wurden bereits gestern an Bäumen und Sträuchern aufgehängt. „Jedes Jahr kommen rund ein Dutzend neue Hasen hinzu. Sie werden in den Kliniken von Patienten angefertigt“, berichtet Troschke. Damit schließt sich quasi der Kreis zum früheren Wildunger Osterbaum am Wildunger Kurhaus.

Die Reha-Gäste lassen ihrer Fantasie und ihrem Humor dabei freien Lauf und das macht die Beliebtheit der Häschen aus. Die in Bikinis werden für Fotos besonders gerne in den Arm genommen. Das sei natürlich ein bisschen Kitsch, räumt Troschke ein, aber genau das komme bei den Gästen an und setze gegenüber dem Brunnenschmuck in Bad Wildungen einen anderen Akzent. Beides ergänze sich ideal.

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