22-jähriger Patient verletzt sechs Mitarbeiter schwer und springt dann aus einem Fenster im zweiten Stock

"Amoklauf" in Wildunger Stadtklinik

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Ein 22-Jähriger verletzte sechs Klinik-Mitarbeiter schwer. Dann sprang er aus einem Flurfenster im zweiten Stock.

Bad Wildungen. Ein 22-jähriger Patient rastete in der Nacht auf Dienstag in der Asklepios-Klinik aus. Der Wildunger griff unvermittelt Klinikpersonal an und verletzte sechs Mitarbeiter schwer. Danach sprang er aus einem Flurfenster im zweiten Stock und zog sich schwere Wirbelsäulenverletzungen zu. Der Wildunger Notarzt Dr. Christian Wöhner sprach von einem „Amoklauf“.

Wegen diverser körperlicher Beschwerden hatte sich der 22-Jährige am Vorabend in das Krankenhaus einliefern lassen. Dort stellte sich aber heraus, dass er unter einer Psychose litt. Er fühlte sich offenbar vom Klinikpersonal verfolgt, berichtete Wöhner weiter. Gegen 3 Uhr griff der Mann unvermittelt das Personal an. „Er hat alles, was er in die Hände kriegte, zur Waffe gemacht.“ Mit Feuerlöscher und weiteren Gegenständen schlug er auf die Mitarbeiter ein, versetzte ihnen Tritte und Fausthiebe. Die Assistenzärztin, die den Mann aufgenommen hatte, erwischte es am schlimmsten. Mit einer zwei Meter langen Latte, die er aus dem Tresen herausgerissen hatte, schlug er auf die 26-Jährige ein. „Unvorstellbare Kräfte“ Auch Computer, Überwachungssysteme und Technik waren vor dem Wutausbruch nicht sicher. Wöhner schätzt den angerichteten Sachschaden auf mehrere zehntausend Euro. Nach seiner Attacke sprang der Patient aus einem Flurfenster im zweiten Stock. Mitarbeiter der Nachtschicht, die noch dazu in der Lage waren, leisteten dem 22-Jährigen erste Hilfe. Trotz seiner schweren Verletzungen wehrte er sich heftig. Sechs Klinikmitarbeitern und zwei Polizisten sei es nur mit Mühe gelungen, den Patienten zu fixieren und Handschellen anzulegen. „Da wurden Kräfte entfaltet, das ist unvorstellbar.“ Der Mann wurde noch in der Nacht in die Uniklinik nach Marburg eingeliefert. Asklepios-Arzt Dr. Wöhner, der zu dem Notfall in die eigene Klinik gerufen wurde, sprach von einem Bild des Grauens. Verletzte mit blutenden Wunden und zerstörte Einrichtung fand er vor. Inwieweit die traumatisierten Mitarbeiter diese Nacht des Schreckens verarbeiten, sei nicht abzusehen. Das Personal war der Gewalt schutzlos ausgeliefert, sagte Wöhner. „Wir haben im Gegensatz zur Psychiatrie keine Schutzmaßnahmen.“ Tätliche Angriffe seien zwar selten, kämen aber immer wieder vor, berichtet der Mediziner. Trotz ihrer Verletzungen hätten Mitarbeiter weiter Dienst versehen, zum Teil mit Kühlakkus und Verbänden.

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