Altes Gebäude der Helenenquelle-Abfüllung nicht mit Erfolg versteigert

Andere Nutzung sehr schwierig

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Bad Wildungen - Im Fritzlarer Amtsgericht kam es am Mittwoch unter den Hammer: Doch das alte, marode Abfüllgebäude der Helenenquelle im gleichnamigen Wildunger Tal fand keinen Käufer.

Von dort war das hochwertige Heilwasser einst bis in alle Welt versandt worden, hoch geschätzt bei ehemaligen Kurgästen, die es zur Linderung oder Vorbeugung von Beschwerden besonders an Nieren und Blase tranken. Nach dem Tod des Eigentümers und der anschließenden Insolvenz der Tilenius-Heilquellen-GmbH waren die Chancen auf eine Rückkehr dieser Zeiten gegen null gesunken. Der zuständige Rechtspfleger Gerhard Kasten hatte den Verkehrswert des Objektes in der Ankündigung zur Zwangsversteigerung mit 62 500 Euro angesetzt. Bei einem ersten Versteigerungstermin in solchen Fällen muss ein Gebot die gesetzliche „Fünf-Zehntel-Grenze“ erreichen, sonst wird ein Zuschlag versagt.

So geschah es. Die Hälfte des Verkehrswertes – 31 250 Euro – war niemand bereit zu zahlen. Ein einziges Gebot ging ein. Es belief sich auf 15 000 Euro. „Innerhalb des nächsten halben Jahres wird ein zweiter Versteigerungstermin verkündet“, erklärt Kasten. Dann fällt die Fünf-Zehntel-Schranke. Das Mindest-Barangebot, das dabei hinterlegt werden muss, beläuft sich auf knapp 7000 Euro, denn so hoch liegt der Anspruch auf Grundsteuern, die seitens der Stadt Bad Wildungen auf das Objekt geltend gemacht wurden.

Es fragt sich nur: Was will ein Käufer mit dem alten Bau anfangen? Wer ihn anders nutzen will als für den Zweck der Heilwasser-Abfüllung, der muss erhebliche Hürden überwinden, erklärt Jochen Schake vom Wildunger Bauamt auf WLZ-FZ-Anfrage: „Das Grundstück liegt im Außenbereich. Das heißt, es gibt dafür keinen Bebauungsplan.“ Bebauungspläne regeln in der Stadt, welche Nutzungen in einem Bereich erlaubt sind: Wohnen, Handel, Handwerk zum Beispiel. Im Außenbereich muss dagegen eine Vielzahl von Behörden gefragt werden, ob sie einer neuen Nutzung des Helenenquelle-Baus zustimmen: die Stadt Bad Wildungen, das Kreisbauamt, die Forstbehörde (weil das Areal im Wald liegt), die Wasserbehörde, die Naturschutzbehörde, die für Heilquellenschutz zuständigen Stellen.

„Das wäre ein sehr anspruchsvolles Unterfangen“, unterstreicht Schake. Möglichen Interessenten rät er, rechtzeitig mit den Bauämtern Kontakt aufzunehmen und über eine Bauvoranfrage zu klären, ob überhaupt Chancen auf eine Genehmigung für die gewünschte neue Nutzung bestehen. Sechs Wochen müsse man für eine solche Bauvoranfrage kalkulieren, wenn alles relativ glatt läuft.

Ein Interessent hat zuvor bei der Stadt angerufen, weil er Wohnungen im Helenental bauen wollte. Ein Gebot gab er als Konsequenz aus der Auskunft des Bauamtes aber nicht ab. Andere Interessenten hatten überlegt, den Bau als große Garage zu nutzen, doch mit Blick auf den Heilquellenschutz (Stichworte auslaufendes Motorenöl oder auslaufender Kraftstoff) erscheint auch das schwierig.

Welches Anliegen der Interessent verfolgt, der 15 000 Euro bot, wurde nicht bekannt. Das Land Hessen besitzt/besaß im Übrigen ein Vorkaufsrecht, das nach Information von Kasten aber wohl abgelaufen ist. Kaum vorstellbar, dass das Land ausgerechnet diesen Bau aus der Privatisierung zurückholen möchte.

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