Europäischer Kachelofenbauer-Verband prämiert Arbeit von Frank Willnat aus Armsfeld

Anerkennung für mutiges Design

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Hingucker aus dem Handwerk: Dieser Ofen, den Frank Willnat für ein Ehepaar aus dem Landkreis Kassel gebaut hat, setzte sich gegen 240 weitere Einreichungen durch. Foto: Katharina Jaeger

Bad Wildungen-Armsfeld - Die großen Kacheln glänzen in sattem Grün, die Ofenbank schwingt im Halbkreis um die Säule des Ofens herum - ein echter Hingucker, befanden auch die Juroren des europäischen Designpreises „Ofenflamme“. Sie zeichneten den Armsfelder Frank Willnat mit einem von drei Spitzenplätzen aus.

Der Ofenbauer hat sich mit einem außergewöhnlichen Ofen beim erstmals vergebenen europäischen Designpreis „Ofenflamme“ durchgesetzt. Dass sein Ofen dafür im Rennen war, erfuhr Frank Willnat erst durch ein Schreiben der Jury, die ihm mitteilte, das er unter den Finalisten sein würde: Willnats Frau Miriam hatte den bereits 2013 errichteten Ofen im Herbst 2014 für den Wettbewerb (siehe Kasten) angemeldet - „heimlich, ohne mir etwas davon zu sagen“, schmunzelt der Ofenbauer.

Frank Willnat baut zwar seit vielen Jahren Öfen, doch der Säulenofen, der aus einer beheizten Sitzbank hervorragt und von dieser aus auch befeuert wird, war auch für den Armsfelder etwas Besonderes: „Das war unglaublich viel Kachelmaterial.“ Zudem sei der Ofen in seiner ganzen Art und Form außergewöhnlich.

Beim Entwurf unterstützte die diplomierte Kommunikationsdesignerin Miriam Willnat ihren Mann. „Sie hat ein gutes Gespür für Farben und Gestaltung“, sagt Frank Willnat. Er hingegen weiß, was technisch machbar und wie viel Platz notwendig ist. Der Kachelhersteller lieferte die dreidimensionale CAD-Planung, damit sich die Kunden genau vorstellen konnten, wie der Ofen in ihrem Haus aussehen würde.

Jede Platte in der Ofenbank wiegt 25 Kilogramm

Nicht nur beim Design ist der prämierte Ofen ungewöhnlich: Auch der Bau, der etwa zwei Wochen dauerte, war eine Herausforderung. „Eine Bankplatte wiegt allein 25 Kilo“, beschreibt Willnat. Wegen der glasierten Kanten der Kacheln war noch mehr Vorsicht als üblich geboten, denn die Glasur platzt dort leicht ab: „Kraft und Gefühl müssen passen, sonst ist eine Kachel schnell beschädigt“, sagt Frank Willnat.

Und das durfte nicht passieren, denn die Kacheln waren Maßanfertigungen für diesen Ofen und stammten aus einem Brand. Sie könnten zwar nachbestellt werden, aber dann seien leichte Abweichungen im Farbton sehr wahrscheinlich, sagt der Ofenbauer: „Ein paar Grad Differenz beim Brennen machen schon einen Unterschied.“

Das Ehepaar Drüke-Noe im Landkreis Kassel, für das Willnat den Ofen entworfen und gebaut hat, hatte sich für einen satten Grünton entschieden. „Die beiden hatten als Farbbeispiel nur eine etwa fünf mal fünf Zentimeter große Glasurprobe. Das ist schon sehr mutig, danach einen ganzen Ofen zu gestalten“, sagt Willnat.

Christina Drüke-Noe freut sich sehr über die Prämierung. Für sie war ein besonderes Design entscheidend. „Als wir entschieden hatten, uns einen Ofen bauen zu lassen, haben wir uns viele Bilder angeguckt und ganz oft gedacht: wie furchtbar“, erinnert sie sich. Lediglich ein tiefroter, zylinderförmiger Ofen hatte es ihnen angetan - ergänzt um eine Bank und die eigens angefertigten grünen Kacheln entstand der Entwurf für ihren außergewöhnlichen Ofen. Der kommt auch bei Freunden und bekannten gut an: „Alle, die zu uns kommen, sind begeistert. Er ist wirklich klasse.“

Hintergrund

Zur erstmaligen Verleihung des Preises „Ofenflamme“ für individuelle Feuerstätten waren mehr als 240 Wettbewerbsbeiträge aus acht europäischen Ländern eingegangen. Es gab keine Platzierung, sondern drei gleichberechtigte Sieger – neben Frank Willnat erhielten Ofenbauer aus Österreich und aus Freudenberg die „Ofenflamme“. Für alle drei war der Preis mit jeweils 1000 Euro dotiert. Kreativität, handwerkliche Präzision und ein besonderes Gespür für Formen und Farben zeichne die drei Gewinner aus, hieß es in der Begründung der Jury. Ausgerufen wurde der Wettbewerb von der Vereinigung europäischer Kachelofenbauerverbände (VEUKO). Die Preise wurden im Rahmen der Fachmesse ISH im März in Frankfurt am Main verliehen.

Von Andrea Pauly

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