Linden im Helenental, Kastanien in der Itzelstraße und andere markante Bäume sollen gefällt werden

Angefahren, auf Kopf gesetzt: 15 Bäume nicht zu retten

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In den 50er-Jahren stand hier ein Haus, zuletzt war der Pfeiffer’sche Platz nahe der Wandelhalle zugewuchert. Die Fläche soll wieder neu gepflastert und mit Bänken ausgestattet werden.

Bad Wildungen. - Regelmäßige Baumkontrollen in frequentierten öffentlichen Bereichen fordere der Gesetzgeber, informiert Bürgermeister Volker Zimmermann.

Je nach Baumart und Vitalität werden 1300 Bäume im Stadtgebiet einzeln gesichtet, geprüft und in Form eines Baumkatasters dokumentiert. „Wichtig ist, dass die Standsicherheit eines jeden Baumes gegeben ist und keine Fußgänger durch herabfallende Äste gefährdet werden.“

Fatale Schwachstelle

Die neue Leiterin der Stadtgärtnerei, Bettina Draude, bedauert, dass einige markante Bäume demnächst der Kettensäge zum Opfer fallen. „Vor allem die auf den Kopf gesetzten Linden drohen auseinanderzubrechen.“ Dieser bisher überall als notwendig erachtete Pflegerückschnitt wird für etliche Bäume zum Todesstoß. „Die durch alte Kappungen geschwächten Bäume weisen einen starken Pilzbefall auf.“

Vor allem der gefährliche Brandkrustenpilz setzt den Wildunger Linden zu. Er zähle zu den gefährlichsten holzzersetzenden Pilzen an Bäumen. Die durch ihn hervorgerufene Weiß- und Moderfäule zersetze in kürzester Zeit Wurzel und Holz und gefährde die Stand- und Bruchsicherheit. Der Pilz sei nur schwer zu erkennen. Die kleinen schwarzen Fruchtkörper sind von der groben Rinde kaum zu unterscheiden und finden sich meist am unteren Stammansatz. „Eine Bekämpfung an befallenen Bäumen ist nicht möglich“, bedauert die Landschaftsgärtnermeisterin. „Zudem kann der Pilz auf andere, geschwächte Bäume übertragen werden.“

Specht in morscher Eiche

Generell können gekappte Bäume die großen Wunden nicht mehr schließen. Sie öffnen Pilzen und Krankheiten den Weg ins gesunde Holz und schwächen den Baum massiv. Zudem treiben die Kappstellen wieder neu aus. Die immer stärker werdenden frischen Austriebe können irgendwann von dem faulenden Holz nicht mehr getragen werden und brechen.

Besonders sensibel bei den Baumkontrollen sind Kinderspielplätze. Eine Beschädigung durch Unbekannte führt zu einer Fällung einer größtenteils abgestorbenen Birke auf dem Spielplatz in Braunau. Dasselbe Schicksal ereilt eine Esche am Kinderspielplatz auf dem Alten Friedhof. Sie droht unter dem Druck starker Fäule auseinanderzubrechen.

Entfernt werden auch zwei Kastanien vor dem Einfahrtsbereich der ehemaligen Molkerei in der Itzelstraße. Sie litten nach dem Absägen größerer Äste. Neben Linden sind auch Kastanien wegen ihres weichen Holzes besonders problematisch, verweist die Stadtgärtnerin.

In Krügerstraße angefahren

Die Eiche gehöre dagegen zu den Arten mit hartem Holz. Dennoch muss ein Stamm bei den „Sechs Eichen“ im Helenental weichen. „Wenn darin schon ein Specht wohnt, ist er nicht mehr zu erhalten“, meint Zimmermann. Der Baum soll liegen bleiben, um Lebewesen Unterschlupf und Lebensraum zu bieten.

Zu insgesamt 15 zu fällenden Bäumen gehören ein Ahorn auf dem Hauptfriedhof und eine Linde in der Krügerstraße. „Da haben alle Bäume Anfahrschäden und sehen schlecht aus“, beobachtete die Spezialistin.

Notwendige Fällungen von Bäumen werden von der Stadtgärtnerei gemeldet und in den politischen Gremien, insbesondere der Landschaftskommission, und in Absprache mit der Naturschutzbehörde beraten. „Nur wenn der Verkehrssicherungsfall eintritt, wird schnellstens gehandelt“, stellt der Bürgermeister klar.

Hallimasch an Weiden

Weiteres Problem ist der Hallimasch. Auf einem Parkplatz am Heloponte hat der Pilz eine Gruppe Weiden im Griff. Auch sie wurden einst gekappt. Der Pilz tritt über Wunden in Bäume ein, wächst zwischen Rinde und Holz und tötet das Gewebe ab. Er befällt das Kernholz und verursacht Weißfäule und somit Bruchgefahr. Der Hallimasch ist nicht zu bekämpfen, vielmehr droht Ansteckungsgefahr.

Für den Verlust der Bäume sind Ersatzpflanzungen vorgesehen. An einem anderen Bereich im Kurpark setzt ein Kahlschlag neue Akzente. Der zugewucherte Pfeiffer’sche Platz unweit der Wildunger Wandelhalle wurde bereits im Herbst freigeschnitten. Er soll mit Platten und Ruhebänken neu gestaltet werden zu einem lauschigen Plätzchen, das zum Verweilen einlädt. (höh)

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