Prozess um Spielautomaten-Manipulation in Bad Wildungen

Angeklagte aus Mangel an Beweisen freigesprochen

Bad Wildungen/Fritzlar - Glück für zwei Angeklagte: Das Amtsgericht Fritzlar sprach sie trotz etlicher Indizien aus Mangel an Beweisen frei, Spielautomaten einer Altwildunger Tankstelle manipuliert zu haben mit einer „Beute“ von 4500 Euro.

„Sie waren damals verdächtig, sie sind heute verdächtig, doch nachweisen können wir es ihnen nicht“, so Amtsrichterin Corinna Eichler in ihrer kurzen Urteilsbegründung. Die zwei Männer sagten während der gesamten Verhandlung kein Wort.Vor der Amtsrichterin hatte bereits Staatsanwältin Angela Kleine-Kraneburg sozusagen die Waffen gestreckt und Freispruch beantragt. Dem stimmten die beiden Verteidiger logischerweise ohne weitere Ausführungen hochzufrieden zu.

Die Angelegenheit mit Vor-, Haupt- und Nachspiel ereignete sich zum Jahresende 2013. Zum Vorspiel: Ende November 2013 stellten die Automatenaufsteller in der Spielhalle des Tankcenters die erste Manipulation mit einer Schadenssumme von 5000 Euro fest. Spezialwerkzeug war zum Einsatz gekommen. Durch eine kleine Bohrung war ein dünner Draht mit aufgesetztem elektronischen Minibauteil eingeführt worden.

Dadurch kam es in der Elektronik des Automaten zu einem Kurzschluss und er spuckte anstandslos den gesamten Inhalt aus. Durch Studium der Überwachungskamera in der Halle fiel der Verdacht trotz unscharfer Fotos auf zwei Männer, die vorher noch nie in der Halle gewesen waren. Mehr passierte nicht, die Polizei erhielt keine Mitteilung.

Eine Woche später das Hauptspiel, das zur Verhandlung in Fritzlar kam. Die beiden suspekten Spieler, 41 und 48 Jahre alt, wohnhaft in Nordrhein-Westfalen, tauchten erneut in Altwildungen auf, spielten zunächst unauffällig an mehreren Automaten. Obwohl sie dem Personal nunmehr auffielen und die frischgebackene junge Aufsicht bei ihrer ersten Nachtschicht den Auftrag erhielt, die „auffälligen beiden Herrschaften“ im Auge zu behalten, tat sich zunächst nichts Ungewöhnliches. Erst nach Mitternacht ging es los, hohe Gewinne an diversen Automaten hielten die Aufsicht auf Trab.

Am laufenden Band musste sie Automaten frisch befüllen, die Leerstand anzeigten. 400 Euro in Zwei-Euro-Stücken passen rein: „Ich war fix und fertig, habe gestunken vom unablässigen Reinstecken der Münzen.“ Der jungen Frau war die Sache natürlich nicht geheuer, aber trotz dieser verdächtigen Glückssträhne konnten die beiden Spieler die Halle wiederum unbehelligt verlassen.

Am nächsten Morgen stellte die Automatenfirma betrübt die erneute Manipulation fest. Wiederum ein Blick auf die Aufnahmen der Videokamera: „Da sind ja die beiden wieder.“ Doch sie stellten sich stets sehr geschickt, deshalb existierte nicht eine einzige eindeutige Aufnahme von dem Betrugsmanöver.

Wiederum eine Woche später (Nachspiel) erschien das unverfrorene Duo zum dritten Mal in der Spielhalle. Diesmal allerdings waren sie wohlbekannt, es erfolgte Verständigung der nahen Polizeidienststelle und Festnahme. Im Auto der beiden fand die Polizei das beschriebene Manipulationswerkzeug.

Stundenlang beschäftigte sich das Gericht mit der komplizierten Technik von solchen Automaten und ihren unter Umständen vieldeutigen Fehlermeldungen.

Diese Automaten werden mit zwei Cent in Gang gesetzt und haben maximale Gewinnaussichten bis 1000 Euro. Sie zeigen angeblich sogar an, wenn etwas nicht koscher ist. Der Automatenaufsteller schilderte das so: „Es gibt einen bestimmten Fehlerhinweis. Für uns Insider ist das, als würde der Automat sagen, hoppla, mit mir stimmt was nicht.“ Und bei näherem Hinsehen waren die Manipulationen (Bohrlöcher) nicht zu übersehen.

Die Richterin rügte die Betreiber der Spielhalle, sie hätten die Vorfälle zu spät angezeigt. Deshalb sei das Geschehen im Nachhinein nicht mehr eindeutig zu klären. Weiterhin sei nicht zu beweisen, dass die beiden in Fachkreisen einschlägig Bekannten ihr im Auto mitgeführtes „Werkzeug“ auch benutzten.

So mussten Staatsanwältin und Richterin zum Schluss klein beigeben: „Alles deutet auf sie hin, doch genau gesehen hat es keiner.“ (Jürgen Minke)

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