Anrainer-Kommunen reagieren: Extra-Parkflächen nach Verkehrschaos

Ansturm auf Edersee-Atlantis

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Edersee - Zeitweise ging am Wochenende rund um den Edersee nichts mehr - der Verkehr staute sich, geparkt wurde, wo gerade noch Platz war. Darauf reagieren die Edersee-Kommunen - bei Asel etwa wird ein großer Behelfsparkplatz eingerichtet.

„Der Edersee ist geradezu überrannt worden“, beobachtete Claus Günther, Geschäftsführer der Edersee Touristic. Der Ansturm kam nicht unerwartet. Bundesweit war das Edersee-Atlantis in diesen Tagen in Zeitungen, Rundfunk und Fernsehen in aller Munde und weckte das Interesse von Wassersportlern und Schaulustigen.

Am Sonntag rollten aus allen Richtungen Fahrzeugkolonnen in Richtung Stausee. „Zeitweise ging gar nichts mehr“, beschreibt Günther die Situation am See. Rückstaus über etliche Kilometer, zugeparkte Wege und chaotische Verkehrsverhältnisse an den Sehenswürdigkeiten waren an der Tagesordnung. Besonderer Publikumsmagnet war die Brücke im Edersee. Günther: „In Asel war die Hölle los.“

Die Mischung aus Wassersport und Edersee-Atlantis übe offenbar einen großen Reiz aus. Davon profitierten die Gastronomie und die Bootsverleiher am Edersee. „Es war ein richtig gutes Wochenende“, urteilt Günther, der viele positive Stimmen registrierte. Eine Schätzung zu den Besucherzahlen wagt er nicht. „Aber unsere Edersee-App hatte 10000 Zugriffe - die Zahl liegt sonst bei 2000 bis 3000.“

Quartiere rund um den Edersee sind knapp

Claudia Unger vom Wal­decker Tourismusbüro freut sich über den Werbeeffekt: „Der Edersee ist überall in aller Munde.“ Abseits der Sorgen um den sinkenden Wasserstand sei die Situation im Tourismus mehr als zufriedenstellend. „Das Wetter spielt uns in die Karten.“ Quartiere am Edersee seien bereits seit Wochen knapp. „Wir hätten gut das Doppelte vermieten können.“

Chaotisch waren die Verkehrsverhältnisse am Sonntag. Jeder noch so kleine Platz wurde zugeparkt. „Wir drücken in solchen Situationen auch schon mal ein Auge zu“, signalisiert Edertals Bürgermeister Klaus Gier, „aber es gibt auch Grenzen.“ So wurden nicht nur Grünstreifen blockiert und Radwege zum Parkplatz umfunktioniert, sondern Stellflächen für Schwerbehinderte genutzt. Besonders heikel war die Situation im Bereich der Edertalsperre. Dort waren zeitweise die Rettungswege zugestellt.

Sämtliche Parkplätze am See - und darum ist es ohnehin nicht üppig bestellt - waren frühzeitig erschöpft. „Wenn sich ein ähnliches Besucheraufkommen auch in Zukunft abzeichnet, müssen wir uns Gedanken machen, wie kurzfristig Abhilfe geschaffen werden kann“, so Gier.

Am Aselstein bot sich am Wochenende ein ähnliches Bild: Auto an Auto schlängelte sich in Richtung Aselstein, zeitweise war kein Durchkommen mehr, weil chaotisch geparkt wurde. Ein Bus hatte Probleme, zur Jugendherberge Hohe Fahrt zu gelangen; Rettungskräfte wären im Zweifel nicht durchgekommen.

Darauf reagierte Bürgermeister Matthias Stappert in Absprache mit dem Aseler Ortsvorsteher Thomas Ruch schnell: „Wir haben uns entschlossen, unterhalb von Asel einen großen Behelfsparkplatz einzurichten“, erklärte Stappert am Dienstag auf Nachfrage der WLZ-FZ.

Bei Asel Parkplatz auf einer Wiese ausgewiesen

„Ein Vöhler Landwirt hat Flächen angeboten, die er auch selbst betreut“, sagt Stappert. „Ab dem Parkplatz ist die Straße in Absprache mit der Polizei und Hessen Mobil dann nur noch für Anlieger frei, Besucher können den Aselstein und die Aseler Brücke von dort aus bequem und sicher zu Fuß erkunden“.

Auch 2003 fielen ein heißer Sommer, ein extrem niedriger Wasserstand im Edersee und die Sommerferien zusammen und eine bundesweite Berichterstattung über das „Edersee-Atlantis“ hatte erstmals für einen außergewöhnlichen Besucheransturm auf die Aseler Brücke und die versunkenen Dörfer des Edersees gesorgt. Tausende von Menschen zog es an den leeren See zu den Jahrzehnte alten Ruinen. Auch damals hatte die Gemeinde Vöhl mithilfe eines Landwirts kurzerhand Parkflächen ausgewiesen. Und die Aseler auf beiden Seiten des Sees reagierten mit kreativem Engagement auf den Ansturm, stellten Info-Tafeln auf und sorgten für die Versorgung der Besucher. Vöhler boten Gegrilltes und Getränke an, ein Eis-Mobil sorgte für Erfrischung.

An dem Parkplatz bei Asel werden die Gäste auch mit Informationen ausgestattet, erklärt Bürgermeister Matthias Stappert. Ausgegeben wird unter anderem der Atlantis-Flyer, der über die historischen Schätze im Edersee Auskunft gibt.

Von Conny Höhne und Marianne Dämmer

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