Edersee bundesweit in den Medien

Atlantis im Sommer eine Riesenchance

Edersee - Der Sommer 2015 könnte als einer der trockensten in die Geschichte des 100 Jahre alten Edersees eingehen. Wenn kein ergiebiger Regen im Einzugsgebiet des Staubeckens fällt, ist in drei Wochen die Schallmauer von 40 Millionen Kubikmeter durchbrochen. Unterdessen löst das aus den Fluten auftauchende „Edersee-Atlantis“ bundesweites Medienecho aus.

„Wir steuern geradewegs auf die 40 Millionen zu“, sagt Katrin Urbitsch, Leiterin des Wasser- und Schifffahrtsamts in Hannoversch Münden. „Dieses Jahr ist schlimmer als 2003, und das war schon extrem.“ Der stetig fallende Wasserspiegel sei in diesem Jahr nicht den Kiestransporten auf der Weser geschuldet (Urbitsch: „Bei uns wurden keine Transporte angekündigt“), sondern der extremen Trockenheit. Durch die fehlenden Niederschläge ist der Zufluss gering. Die Folge: Mit einer Abgabe von 25 Kubikmetern Wasser pro Sekunde wird die Weser für die Schifffahrt unterstützt. Rund 2 Millionen Kubikmeter Wasser fließen jeden Tag aus dem Edersee ab. Den Ablass senken, wenn ohnehin keine Transporte unterwegs sind, – daran ist laut Amtsleiterin Urbitsch nicht zu denken. „Die Weser als Bundeswasserstraße muss für den allgemeinen Verkehr schiffbar gehalten werden mit Wasser aus dem Edersee. Dafür ist die Talsperre gebaut.“ Auch wenn keine Kieskähne ihre schwere Fracht auf dem Wasserweg transportieren, herrsche Bootsverkehr auf der Weser. „Es können jederzeit ohne Anmeldung Schotterschiffe hochfahren – aber auch Fahrgastschiffe und Sportboote brauchen Wasser unterm Kiel.“ Die Chancen auf eine baldige Besserung der Situation am Edersee stehen alles andere als gut. „Für die nächsten Tage wurde kein nennenswertes Regenereignis angekündigt“, merkt Urbitsch an. Sollte die Wetterlage auch weiterhin anhalten, sind nach Berechnungen des Schifffahrtsamts am 20. August nur noch 55,8 Millionen Kubikmeter Wasser im See. Und in der letzten August-Woche wird die Grenze von 40 Millionen Kubikmetern unterschritten. Sofern die Niederschläge auch weiterhin ausbleiben, wird dann die Niedrigwasseraufhöhung der Oberweser beendet, kündigt die WSA-Leiterin an. Das heißt im Klartext: „Wir geben nur noch maximal 6 Kubikmeter ab.“ An der Weser werde dann mit einem Pegel von etwa 80 Zentimetern gerechnet. „Dann fährt kein Fahrgastschiff mehr, sondern es sind allenfalls noch Paddelboote unterwegs.“ Die Abgabe der Diemeltalsperre bleibt bei 2 Kubikmetern pro Sekunde. Wegen der derzeitigen Baumaßnahme am Grundablassrohr wird die Diemeltalsperre nur bedingt zur Niedrigwasseraufhöhung herangezogen. Während zwar in Asel die Boote auf dem Trockenen liegen und Wattwanderungen bei jungen Leuten noch im Kurs stehen, sind trotzdem am Edersee noch alle Wassersportarten möglich, verweist Claus Günther von der Edersee Touristik. Für die 2500 Segler werde zwar die Wasserfläche kleiner, aber für Segler und Surfer ist immer noch genug Wasser im Stausee. „Und die weiße Flotte fährt ohnehin.“ Das frühzeitig aus den Fluten auftauchende „Edersee-Atlantis“ löst derweil bundesweites Medienecho aus. Fernsehsender von ZDF, HR, SAT1 und RTL drehten am Edersee, mehrere Rundfunksender, freie Film- und Produktionsfirmen berichteten über die auftauchende Unterwasserwelt. „Das ist sehr positiv rübergekommen“, ist Günther zufrieden. Der sinkende Wasserstand ausgerechnet in der Urlaubssaison hat aus seiner Sicht nicht zu unterschätzende Vorteile. „Der Hype auf das Atlantis ist für uns eine große Chance und bringt Gäste in die Region.“ In den meisten Bundesländern sind die Sommerferien noch nicht zu Ende. Familien, die angeregt durch das Medienecho, einen Spontanbesuch am Edersee unternehmen, können dem Wassersport frönen und nebenbei auch das ganz Besondere an dem 100 Jahre alten Stausee erleben. „Wir haben sehr viele Anfragen, was wann wo auftaucht.“ Die Hopfenberge wachsen jeden Tag mehr aus dem See, die Aseler Brücke und Teile des alten Friedhofs von Berich hat der See bereits freigegeben.Bei entsprechendem Ausflugswetter wird am Wochenende mit einem Ansturm auf das „blaue Auge“ Waldeck-Frankenbergs gerechnet. Günther: „Dann kann es eng werden, wir haben jetzt schon Parkplatzprobleme am Edersee.“ Von Conny Höhne

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