Bad Wildungen

„Auch Männer mussten dran glauben“

- Bad Wildungen (pr). Langeweile? Warum dann im neuen Jahr nicht das Stadtmuseum besuchen. Heute beschäftigen wir uns in unserer kleinen Artikelserie mit einem ebenso traurigen wie schauerlichen Kapitel der Historie.

Auch in der Stadt Nieder-Wildungen kam es zu Hexenverfolgungen und zu Anklagen vor Gericht. Geständnisse wurden dabei häufig durch Folter erpresst. Für die Durchführung der „peinlichen Befragung“ war im Rathaus eigens ein Raum mit den notwendigen Utensilien und Instrumentarien eingerichtet. Rund 70 Hexenprozesse sind für Wildungen belegt, und für die meisten gibt es umfangreiche Protokolle, die zum Teil akribisch die Vorwürfe, aber auch Folterungen festhalten. Im Stadtmuseum sind Teile dieser grausigen Schriftstücke ausgestellt.

Eine Häufung der Prozesse ist für die Zeit zwischen 1627 und 1665 festzustellen. Religiöse Verunsicherungen, Aberglauben, aber auch Armut, Elend und Seuchen als Begleiterscheinungen des Dreißigjährigen Krieges bildeten den Nährboden für die Annahme, Menschen würden im Pakt mit dem Satan Schaden anrichten. Weil man keine anderen Erklärungen fand, musste ein Sündenbock für die erlittene Not herhalten. Bei den weitaus meisten angeklagten Personen handelte es sich um ältere Frauen und junge Mädchen; aber in Wildungen wurden auch acht Männer als Hexenmeister verurteilt. In vielen Fällen handelte es sich um Außenseiter oder Zugezogene; es kam aber auch vor, dass jemand aus Neid absichtlich falsch beschuldigt wurde.

Die Vorwürfe lauteten dann zum Beispiel im Fall der Trina Hüdding, „sie sei mit Hilfe einer schwarzen Salbe zum Schornstein hinaus auf die Zaubertänze gefahren“. Anna Weipracht soll durch Zauberei dem Kantor Meister das Bier im Keller verdorben haben. Bei den „Ermittlungen“ gingen die zuständigen Zeitgenossen nach heutigen Maßstäben grausam und zynisch vor. Denn um sicherzugehen, dass man es mit Hexen zu tun hatte, wurde häufiger zusätzlich zur Befragung eine Wasserprobe durchgeführt. In etwa dort, wo sich heute das Freibad des Heloponte befindet, war früher der Teich der Ölmühle. Um die Schuld oder Unschuld von Personen, die als Hexen angeklagt waren, festzustellen, wurden diese an Händen und Füßen gefesselt auf das Wasser geworfen. Gingen sie unter und ertranken, war dies der Beweis ihrer Unschuld; blieben sie oben, waren sie offensichtlich mit dem Satan im Bunde und wurden angeklagt und in den allermeisten Fällen auch zum Tode verurteilt.

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