Neu gegründeter Behindertenbeirat will die städtischen Gremien beraten

Augen auf für Sorgen der Behinderten

+
Der neue Behindertenbeirat: Maria Anna Günther, Bernd Waid und Rainer Rüsch (von links) gemeinsam mit Bürgermeister Volker Zimmermann und Renate Hinse vom Sozialamt.

Bad Wildungen - Wuchtige Türen am öffentlichen WC, Stufen und schlecht beleuchtete Plätze machen Behinderten oft das Leben schwer. Schwachstellen aufspüren, Anregungen weiterleiten und geplante Baumaßnahmen aus Sicht von Behinderten zu prüfen - dies und mehr sind Aufgaben des neu gegründeten Behindertenbeirates.

Die Stadtverordnetenversammlung hat die Ernennung des Behindertenbeirats zum 1. Oktober beschlossen. Gestern stellte Bürgermeister Volker Zimmermann die aus drei Bad Wildungern bestehende Interessenvertretung vor.

Bernd Waid, der seit einem Unfall im Rollstuhl sitzt, Rainer Rüsch, der aufgrund einer Erkrankung fast erblindet ist, und Maria Anna Günther, die am Herz erkrankt ist, vertreten künftig die Interessen beeinträchtigter Bürger. Der Beirat soll die Organe und Gremien der Stadt in allen Angelegenheiten beraten, welche die Belange der beeinträchtigten Menschen betreffen. Zu den Aufgaben gehören: Rechte Behinderter auf Selbstbestimmung und Teilhabe in der Gesellschaft stärken, Lebensqualität verbessern, Zusammenarbeit mit (politischen) Gremien, Stellungnahme zu bestimmten Angelegenheiten auf Wunsch der städtischen Körperschaften, Mitwirkung bei der Gestaltung der Sozialpolitik in Bad Wildungen.

Weniger Barrieren

Der Beirat wirkt bei Planung und Umsetzung von Maßnahmen für behinderte Bürger mit, entwickelt eigene Initiativen und leitet Wünsche und Anregungen an die städtischen Körperschaften weiter, die freien Wohlfahrtsverbände und die sonstigen Träger der Behindertenhilfe.

Viele Schwachstellen blieben nicht behinderten Menschen verborgen, nennt Bürgermeister Zimmermann ein wenige Jahre altes Beispiel: die Behindertentoilette in der gerade neu gebauten Wandelhalle. Eine behinderte Mitbürgerin machte darauf aufmerksam, dass Rollstuhlfahrer das WC nur mit fremder Hilfe aufsuchen könnten. „Die Tür war einfach zu schwer“, sagt Zimmermann. Das Problem wurde daraufhin gelöst.

Unterstützung und Mitwirkung des neuen Beirats wird bei kulturellen und geselligen Veranstaltungen sowie Information über Behinderteneinrichtung und Hilfsangebote und bei Öffentlichkeitsarbeit erwartet.

Der Behindertenbeirat ist unabhängig, parteipolitisch neutral und konfessionell nicht gebunden. Das Gremium sei ein weiterer Schritt, um die Badestadt Zug um Zug beschwerdefreier für Behinderte zu gestalten, erläuterte Renate Hinse vom städtischen Sozialamt, die im Rathaus Ansprechpartner für den Beirat ist.

„Barrierefreiheit spielt schon seit 20 Jahren eine große Rolle in Bad Wildungen“, sagt Hinse rückblickend. Dennoch gebe es immer wieder Handlungsbedarf an Stellen, die Menschen ohne Beeinträchtigung oft übersehen. „Barrierefrei werden wir nie sein, aber barriereärmer“, ist sie zuversichtlich.

Der Beirat hat am 2. Oktober seine konstituierende Sitzung und will sein Arbeitskonzept darin festlegen, kündigten Waid, Rüsch und Günther an.

Kommentare