Bauarbeiten auf dem Fritzlarer Marktplatz beginnen erst Ende Juni ·

Bagger nehmen Rücksicht auf Geschäfte

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Fritzlar - Die Gastronomen und Geschäftsleute um den Fritzlarer Marktplatz können etwas aufatmen. Das Stadtparlament hat sich in einem parteiübergreifenden Kompromiss darauf geeinigt, den Beginn der Bauarbeiten in Fritzlars guter Stube um einen Monat zu verschieben.

Im Vorfeld hatten Karin und Jan Schlotthauer, Eigentümer von mehreren Immobilien am Marktplatz, eine Unterschriften-Aktion ins Leben gerufen, in der sie einen Beginn der Pflasterarbeiten nicht vor Ende August forderten. Die Initiatoren argumentierten, dass die am Markt ansässige Gastronomie einen Umsatzrückgang von etwa 70 Prozent befürchten müsse, der sich auf mehrere 100 000 Euro belaufen könnte.

Um die nackte Existenz Für Betriebe wie die Eisdiele, die auf die Sommersaison besonders angewiesen sind, gehe es um die nackte Existenz. Auch für andere Geschäftsleute sei mit negativen Folgen zu rechnen, da die Touristen nicht gern zwischen Baugruben und Baggern das mittelalterliche Flair genießen wollten. 610 Unterschriften landeten schließlich bei Bürgermeister Hartmut Spogat, der sich daraufhin noch einmal mit allen Fraktionsvorsitzenden und den Planern zusammensetzte, um einen Kompromiss auf den Weg zu bringen.

Diese Aktivitäten hatten zur Folge, dass die Stadtverordneten nicht nur den Entwurf für den Marktplatzumbau absegneten, sondern den Baubeginn ohne Gegenstimme auf Ende Juni verlegten.

Mit Kompromiss zufrieden Die Initiatoren der Unterschriften-Aktion zeigten sich mit dem Kompromiss zufrieden. „Wir finden es sehr positiv, dass man sich Gedanken gemacht und einen Kompromiss gefunden hat, von dem wir persönlich sagen: Das ist in Ordnung“, erklärte Karin Schlotthauer. Nach neuen Schätzungen sollen die Gesamtkosten für das Projekt etwa 820 000 Euro betragen.

Was an weiteren Kosten hinzukommt oder ob weitere Verzögerungen das Ende des Bauvorhabens nach hinten verschieben, lässt sich aber nicht 100-prozentig genau vorhersagen. So könnten etwaige archäologische Funde unter dem Marktplatz Bagger und Arbeiter bremsen. Denkmalpflege im Nacken „Wir wissen nicht, was wir auf dem Marktplatz finden, wenn er offen ist.

Die Denkmalpflege wird uns im Nacken sitzen“, sagte Martin Hannappel (SPD) im Parlament. In einer Stadt mit einer so reichhaltigen mittelalterlichen Historie wie Fritzlar wäre es fast eine große Überraschung, wenn nichts Interessantes zum Vorschein käme. Die Edertaler haben gerade erst erfahren, wie knifflig sich so eine Situation im Detail darstellen kann. In Giflitz wurden auf dem Grundstück, das für die neue Seniorenwohnanlage vorgesehen ist, reichlich Überbleibsel aus der Zeit der Bandkeramiker von vor rund 5000 Jahren gefunden. Noch immer sind Archäologen mit der Sicherung der Funde beschäftigt.

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