Wie vier neue Sitzmöbel auf umgestalteten Postplatz die Gemüter bewegen

Die Bank, die Krise und das Chaos

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Wenig einladend, die rückenlehnen- und armstützenlosen neuen Bänke auf dem Postplatz.

Bad Wildungen - „Vielleicht finden wir noch eine Bank, die das erfüllt, was wir uns wünschen“, gab CDU-Mann Helmut Simshäuser seiner Hoffnung Ausdruck. Wer mag daran glauben angesichts der seit vier Jahren herrschenden Verwirrung weltweit?

Die Bank - die Krise - das Chaos. Der gefürchtete Dreisprung hat die beschauliche Badestadt erreicht und auch hier sind die Politiker sehenden Auges ins Verderben gestolpert, gestand Stefan Riedel (Grüne) bei der Stadtverordnetenversammlung am Montag im Kurhaus ein: „Mit einer Ausnahme haben wir uns bei der Abstimmung im Planungsausschuss alle für diese Bank entschieden.“

Ausschussmitglied Jürgen Graul (FDP) hob das Klagelied an, das jedes Landesbanken-Aufsichtsratsmitglied aus dem Effeff kennt: Die Fachleute brüteten Wochen und Monate über ihren Plänen, „stellen uns das in eineinhalb Stunden vor und dann müssen wir als Laien rasch entscheiden“.

Hässliche Flecken

Wer weiß, was für faule Kredite oder andere toxische Papiere in der Wildunger Postplatz-Bank eingelagert sind. Auf jeden Fall tropfen alle vier neuen Exemplare kurz nach der Installation schon ätzend aufs (ungeliebte) helle Pflaster und hinterlassen hässliche Flecken, gegen die kein Kärcher hilft.

Notsitz Rücken an Rücken

Dabei stellt dieses Phänomen das geringste Übel dar, das die neuen Möbel auf dem neu gestalteten Postplatz mit sich bringen. Unschlüssig stand jüngst ein Besucherpaar vor den Sitzgelegenheiten mit der Frage „Wie funktioniert das?“, um sich - Ei des Kolumbus - schließlich Rücken an Rücken niederzulassen zwecks bequemen Sitzens. Das Fehlen von Rückenlehnen und Armstützen verhindert längeres Verweilen.

Beine baumeln in der Luft

Thomas Buch (Grüne) hat dem Wildunger Volk live aufs kritische Maul geschaut und wenig Schmeichelhaftes über die Verantwortlichen vernommen, die diese Bänke ausgesucht haben: „Das kann ich hier nicht wiedergeben“, meinte er im Parlament und beschränkte sich aufs Auflisten weiterer diskutierter Mängel: Wegen des Gefälles im Postplatz könnten sich nur größere Menschen in Blickrichtung Allee hinsetzen. Kleinere müssten auf der anderen Seite Platz nehmen, „sonst baumeln ihre Beine in der Luft.“

Die Grünen empfahlen in ihrem Antrag den Austausch der Möbel und außerdem eine 90-Grad-Wende in Richtung Platzzentrum. „Man will sehen, was auf dem Platz vor sich geht, wer vorbeikommt“, meinte Buch.

Klaus Micino (FWG) hat noch Schwerwiegenderes ausgemacht.

Hindernislauf mit Taststock

Über den Postplatz verläuft in Gehrichtung eine Tastrinne, die Sehbehinderten die Orientierung mittels Stock erleichtern soll: „Ich bin sie mit einem Regenschirm abgegangen: Bergauf funktioniert es. Bergab läuft man genau in die Bänke hinein.“ Die Gestalt der Bänke erfordere beim Aufstehen außerdem viel Kraft in den Beinen, wie Ältere und Erkrankte sie oft nicht hätten.

Kurzum: Grüne, FDP und FWG verlangten den Austausch der Bänke. Walter Mombrei (SPD) ärgerte sich am meisten über das Tropf-Dilemma und das verschandelte Pflaster, während die CDU etwas mehr Gelassenheit anmahnte.

„Jetzt ist mal was fertig ...“

„Jetzt haben wir mal etwas fertig und zerreißen es gleich wieder“, kommentierte Simshäuser. Man solle die Erfahrungen mit den vier Bänken verarbeiten und bei der Detailplanung der nächsten Bauabschnitte die richtigen Schlüsse daraus ziehen: „Die Kritik der Bürger zeigt doch, dass Leben in der Stadt herrscht.“

Bürgermeister Volker Zimmermann äußerte Verständnis für die mannigfaltige Kritik. „Was aus den Bänken tropft, ist Gerbsäure. Ganz klar ein Garantie­fall.“ Er erinnerte daran, weshalb sich der Ausschuss seinerzeit gegen Rückenlehnen entschied: Wegen der Blickbeziehung zwischen Altstadt und Allee, die durch Lehnen nicht behindert werden sollte.

Sehr theoretische Diskussion

„Eine sehr theoretische Argumentation offenbar. Die Leute wollen einfach bequem sitzen“, räumte er ein. Die versam­melte Journaille als Beobachter bemerkte im Übrigen diesen Web-Fehler damals ebenso wenig.

Einen Beschluss fassten die Abgeordneten am Montag in der Wildunger Wandelhalle nicht. Sie überwiesen das Thema in den Planungsausschuss, der sich demnächst intensiv mit der Wildunger Bank-Krise auseinandersetzt.(su)

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