Feine Risse im Asphalt zwingen die Stadt zu Reparaturen

Baustelle besteht mindestens noch 14 Tage

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Wegen Rissen im Asphalt wird ein Abschnitt der Bahnhofstraße repariert. Wenige Zentimeter unter der Straßendecke wurde altes Kopfsteinpflaster gefunden.Foto: Schuldt

Bad Wildungen - Bad Wildungen hat schon ganz andere Baustellen-Zeiten erlebt, keine Frage. Die einzige nennenswerte aktuelle in der Kernstadt liegt aber an einem neuralgischen Punkt: auf der Bahnhofstraße kurz vorm Kaiserlindendeck-Kreisel.

Mindestens 14 Tage müssen sich Autofahrer noch gedulden, bis sie hier wieder freie Fahrt haben, teilt Angelika Seifert vom Stadtbauamt mit. Ungewöhnlich erscheint dem Laien das Vorgehen der beauftragten Firma. Sie kratzt an mehreren Stellen auf einer Strecke von vielleicht 50 Metern mit der Baggerschaufel die Oberfläche weg. Ein Flickenteppich-Muster ist entstanden, ohne dass die Maschinen und Arbeiter tiefer in die Erde vordringen.

„Katzenköpfe“ knapp unter der Asphaltdecke

Überraschend für das Bauamt: Wenige Zentimeter unterhalb des Asphalts kam altes Straßenpflaster zum Vorschein: grauer Granit, im Volksmund „Katzenköpfe“ genannt.

„Wir lassen den Abschnitt reparieren, weil sich feine Risse im Asphalt gebildet hatten. Wenn wir nicht handeln, zieht Frost ein und große Schäden entstehen“, erklärt Angelika Seifert. Wahrscheinlich liege der Grund für die Risse in dem ungewöhnlichen Unterbau aus historischem Pflaster. Es wird ausgekoffert und durch einen frostsicheren Unterbau ersetzt.

„Im unteren Teil der Bahnhofstraße fanden wir damals kein Pflaster, als wir den Tunnel Richtung Landesgartenschau-Gelände gebaut haben“, erinnert sich Angelika Seifert.

Theoretisch ließen sich die unzerstörbaren Steine wiederverwerten, ergänzt Bauamtsleiter Klaus Weidner. Doch weil vor Jahrzehnten einfach Teer über das Pflaster gezogen wurde, sind die Steine mit der vom Rohstoff Erdöl stammenden Masse verklebt und wandern als Sondermüll zur Entsorgung.

Ungesicherten Angaben aus dem Internet zufolge stammt der Ausdruck „Katzenkopf“ aus der Militärsprache des Mittelalters. Bestimmte Katapulte wurden als „Katze“ bezeichnet, die harten Steine, die als Wurfgeschosse dienten, hießen „Katz-enköpfe“.

Sie bildeten über Jahrhunderte eine bewährte Grundlage für den Straßenbau und wurden in Deutschland durch Teer und heute Asphalt erst im Zuge der Motorisierungswelle nach dem Zweiten Weltkrieg ersetzt.

Feine Risse im Asphalt waren im Übrigen auch der Grund für die Arbeiten in der Itzelstraße vor wenigen Wochen. Pflaster fand sich dort allerdings nicht, so dass an der Itzel keine eindeutige Ursache für das Entstehen der Risse erkennbar war.

Von Matthias Schuldt

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