Bad Wildungen

Beim Aussetzen geht’s härter zu

- Bad Wildungen (vt). Am vergangenen Freitagnachmittag wurde die Tierheimleiterin Britta Tolksdorf von einer jungen Familie per Telefon alarmiert. Das Paar genoss mit seinem Kind das schöne Wetter am Aqua-Choros an der Königsquelle und wunderte sich, dass dort ein Hund an einer Bank angebunden war.

„Über eine Stunde lang gingen viele Menschen an dem Tier vorbei, doch keiner nahm ihn mit. Deshalb wurde die Familie aufmerksam“, berichtet die Tierheimleiterin.Als sie an der Königsquelle ankam, bemerkte sie neben dem Hund eine umgestürzte Futterschüssel. „Das Tier war sehr durstig und erschöpft“, erzählt Britta Tolksdorf. Ganz entgegen seinem eigentlichen Naturell, das der Hund im Wildunger Tierheim inzwischen auslebt: immer in Bewegung, aufmerksam, freundlich gegen andere Hunde wie Menschen, kaum zu bändigen in seinem Spieldrang. Die Expertin schätzt den nicht kastrierten Rüden auf vier bis sechs Jahre. „Ein Mischling, Schäferhund und Border-Collie stecken wahrscheinlich mit drin“, meint die Tierheimleiterin und fügt hinzu: „Sehr sonderbar ist: Kurz bevor der Hund ausgesetzt wurde, hat man seine Zähne und eine Ohrenentzündung gründlich behandelt.“

Die Zahlen der ausgesetzten Hunde und Katzen steigen in Bad Wildungen seit Längerem ungemein. Im ganzen vergangenen Jahr kamen sechs ausgesetzte Hunde ins Wildunger Heim. Im laufenden Jahr sind es bereits mehr als ein Dutzend Fundhunde. Ein ähnliches Bild bei den Katzen: 109 im Vorjahr; 111 im aktuellen Jahr nach Ablauf von nur neun Monaten. Mit finanziellen Folgen fürs Tierheim. Die jährlichen Kosten für Arztbehandlung und Futter bis zur Vermittlung belaufen sich mittlerweile auf 40 000 bis 50 000 Euro.

„Es geht immer härter zu“, hat Britta Tolksdorf den Eindruck. Dieses Jahr wurde eine Katze mit ihren fünf Jungen in einem Karton gefunden – mitten auf einer befahren Straße. „Da fragt man sich nur, welcher Lkw das erledigt hätte.“Warum geben die Besitzer die Tiere nicht einfach im Heim ab? „Vielleicht haben sie Angst vor den Kosten“, mutmaßt Britta Tolksdorf. Doch wenn das Haustier geimpft ist, „bitten wir höchstens um eine Spende von 20 Euro“, sagt sie. Muss die medizinische Grundversorgung noch geleistet werden, koste die Abgabe etwa 100 Euro. Wer dieses Geld „sparen“ möchte, der geht das Risiko ein, erwischt zu werden. Das Aussetzen stellt eine Ordnungswidrigkeit dar, die mit einer Geldbuße belegt werden kann. „Wenn dem Tier Schmerzen zugefügt werden, ist es sogar eine Straftat“, ergänzt ein Polizeibeamter auf Anfrage.

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