Staatssekretär Ferlemann zu Edersee und oberen Weser

„Es bleibt alles, wie es ist“

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Herbstliches Idyll am Edersee: Wenn der Wasserstand sinkt, tauchen Inseln auf; im Bild der Hammerberg.

Waldeck - Mit einem Fünkchen Hoffnung für einen volleren Edersee – so endete ein überparteiliches Gespräch mit dem parlamentarischen Staatssekretär Enak Ferlemann aus dem Bundesverkehrsministerium.

Die Sorge im Zuge der Neuordnung der Binnenwasserstraßen und die Diskussion um die Regelung des Wasserstands nehmen die CDU-Landtagsabgeordneten Claudia Ravensburg und Armin Schwarz zum Anlass, gemeinsam mit Fritz Schäfer und MdB Bernd Siebert zu einem überparteilichen Gespräch mit politischen Meinungsträgern der Region auf Schloss Waldeck einzuladen.

Neuordnung von Wasserstraßen und Reform der Wasser- und Schifffahrtsämter sollen Kosten sparen. Denn deutsche Seehäfen und Kanäle müssen tiefer gelegt werden, und das mit gewaltigen Investitionen. Dafür stehen andere Wasserstraßen auf dem Prüfstand, die in einer Prioritätenliste nach beförderten Tonnagen und Werthaltigkeit kategorisiert werden.

Sorgen um eine Herabstufung zerstreute der Staatssekretär. „Um es mal klar zu sagen: An der Oberweser bleibt alles, wie es ist. Wir wollen sie weiter schiffbar halten, und deswegen brauchen wir den Edersee.“

Für Flachwasser

Ob ein kontinuierliches Ablassen oder die Abgabe an mehreren Tagen Nutzungskonflikte lösen könnten, das werde untersucht. Viele Fragen brennen den Zuhörern unter den Nägeln. „Wann setzen die großen Firmen endlich Schiffe mit weniger Tiefgang ein?“, will Wilfried Meyer wissen, Vorsitzender der Fördergesellschaft Edersee und Betreiber der Edersee-Schifffahrt.

Bei elf Millionen Kubikmeter Ablass für einen Großtransport reichten wenige Transporte, „bis wir auf dem Trockenen sitzen“. Frederick Westmeier vom Verkehrsverein Hemfurth-Edersee schlägt auf der Wasserstraße eine Plaketten-Regelung für Schiffe mit viel und wenig Tiefgang vor – ähnlich wie die Feinstaubplaketten bei Autos.

Dr. Peter Könemann, Geschäftsführer eines Kiesbetriebs und zweiter Vorsitzender der Interessengemeinschaft Obere Weser, hat erfreuliche Nachrichten mitgebracht. Der Neubau eines Schubverbands sei in Auftrag gegeben, der mit 80 Zentimetern Wasser operiere. Er soll für zehn bis 15 Schwertransporte eingesetzt werden und stehe sonst für Kiestransporte bereit.

„Bitte glauben Sie uns: Auch wir sind auf das Wasser angewiesen, auch wir stehen unter Druck und wollen nicht mehr Wasser als unbedingt nötig“, beteuert er. Spontaner Applaus zeigt: Die Botschaft ist angekommen.

„Das Entscheidende für uns ist die Kategorisierung“, untermauert der Vöhler Bürgermeister Harald Plünnecke die Forderung nach einer Bundeswasserstraße mit Güterverkehr. Aufgabe der Politik ist es laut Ferlemann, Sicherheit für Firmen zu schaffen, die an der Weser investieren wollen.

Gleichzeitig setzt er auf eine Einigung, dass Flutwellen dann kommen, wenn der Tourismus nicht mehr als nötig darunter leidet. „Wir müssen das erzwingen. Die Wirtschaft ist guten Willens.“

Kritik übt Waldecks Bürgermeister Jörg Feldmann: „Ich sehe keinen Unterschied zu Unternehmen, die an der oberen Weser investieren wollen, und denen, die am Edersee investieren.“

Gertmann Sude fordert, endlich die Gewichtung des Tourismus für die Talsperre dem volkswirtschaftlichen Nutzen anzupassen. 650 000 Übernachtungen und rund 4,2 Millionen Tagesgäste am Edersee, die 150 Millionen Euro Umsatz bringen – diese Eckzahlen nennt Claus Günther, Geschäftsführer der Edersee-Touristic.

Den Tourismus aufzuwerten, davon rät Ferlemann jedoch eindringlich ab. Sollte nicht mehr Schiffbarkeit, sondern Tourismus die Hauptrolle spielen, dann ziehe sich der Bund zurück, denn „Tourismus ist Ländersache“. Am Ende herrscht Erleichterung. „Endlich wird mal Rücksicht genommen“, registriert Jürgen Vollbracht vom CDU-Stadtverband Waldeck zufrieden. MdL Schwarz spricht von einem „guten Tag für den Edersee“.

Wenn auch der Vorschlag von SPD-Bürgermeisterkandidat Marko Haselböck und FDP-Stadtverordnetem Martin Mehrhoff aus Waldeck nicht in die Tat umgesetzt wird. Sie fordern, schleunigst alles schriftlich zu protokollieren, um ein Ergebnis in den Händen zu halten. So blieben trotz guter Stimmung Details zur Unterhaltung der oberen Weser und die künftige Unterstützung aus dem Edersee unerwähnt.

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