Tourist-Info im Hang - Architekten sind skeptisch

Blick auf Sperrmauer soll frei bleiben

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Edertal - Das erträumte neue Sperrmauermuseum ist noch nicht in Sicht. Aber ein neues, attraktives Gebäude für die Tourist-Info der Edersee-Touristic; das soll es nach Möglichkeit 2014 zum Jubiläum schon sein, meint die Mehrheit der Gemeindevertretung.

Darum hat es fünf heimische Architekturbüros aufgefordert, Ideen für einen solchen Bau am vergangenen Donnerstag den Gemeindevertretern vorzustellen. Der Raumbedarf war zuvor auf etwa 330 Quadratmeter festgelegt worden, erinnerte Bürgermeister Wolfgang Gottschalk.

Claus Hömberg aus Kleinern nahm als Standort zunächst den steilen Hang am Schiffsanleger der Sperrmauer-Westseite in den Blick, wie von den Gemeindevertretern im Vorfeld gewünscht. Drei Essenzen prägen den Vorplatz seiner Ansicht nach: Wasser und seine Nutzung; Felsen, aus dem die Steine für die Sperrmauer und die Siedlung Edersee einst gebrochen wurden und als drittes die Landschaft.

Hömberg schlug zwei Gebäude zur Auswahl vor. Das eine sähe ähnlich aus wie ein Schiff, würde im Erdgeschoss Toiletten und Info-Schalter aufnehmen, im Dachgeschoss die ET-Büroräume und oben abschließen mit einer Aussichtsplattform fürs Publikum. Dieser Bau stünde am oder besser im Hang, wie gewünscht. Teuer: den Platz für den Bau im Felsen freizuschlagen. Hömberg schätzt die Kosten für diese Variante auf rund 860 000 Euro. Auf geschätzte 740 000 Euro bezifferte er die Alternative: ein herkömmlich geformtes Gebäude, das in seiner Fassade das Thema Felsen und Steine wieder aufnähme. Es würde quasi die Reihe der Imbiss-Gastronomien zum Spielbereich des Aquaparks hin abrunden.

Die übrigen vier Architektur-Büros – Ruppert (Wellen), Zimmer und Paul (Bad Wildungen), Gehring und Partner (Bad Wildungen) sowie Emde (Bad Wildungen) – stellten gemeinsame Überlegungen vor, ohne in Details zu gehen. Ein Gebäude am Hang würde bei Abmessungen von 12 mal 40 Metern bei einer Höhe von 4 Metern etwa 768 000 Euro kosten, erklärte Antje Relke-Paul. Allerdings: Die vier Büros sind sich einig, dass der Standort am Hang, der vom Parlament angeregt worden war, nicht geeignet ist.

Martin Ruppert erläuterte die Gründe: Der Blick von Süden her auf die Mauer wäre verstellt. Alte Bäume müssten geopfert werden und für Rollstuhlfahrer täten sich im steilen Gelände Hindernisse auf. „Wir müssen sensibel mit dieser Stelle umgehen. Wir haben nur einen Sperrmauervorplatz“, betonte Ruppert. Deshalb schlugen die Büros gemeinsam vor, intensiver über den Standort nachzudenken und einen Planungswettbewerb auszuschreiben. Das Land Hessen könne das Bauprojekt fördern, teilte der Bürgermeister mit. Allerdings müsste der Antrag bis zum Sommer gestellt werden, damit die Bewilligung der Zuschüsse 2012 möglich ist. „Das Land ist bereit dazu“, sagte Gottschalk und geht für das insgesamt (inklusive Umgestaltung des Platzes) rund 1 Million Euro teure Projekt von einem Landeszuschuss über 60 Prozent aus. Das Parlament überwies die Angelegenheit einstimmig in den Planungsausschuss.

Irritiert

„Wir Architekten waren irritiert von dem Schreiben“, gab Claus Hömberg zu. Grund: Architekten seien an eine Honorarordnung gebunden und dürften nicht, wie vom Parlament gewünscht, gratis Entwürfe vorlegen. Deshalb präsentiere er nur eine „Konzept­idee“, sagte Hömberg. Seine vier Kollegenbüros waren noch konsequenter und blieben im sehr Ungefähren. (su)

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