CDU gibt nach Waldecker Unglücks Anregung für Wildunger Treffpunkte

Blitzschutz für Grillhütten installieren

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Bei wolkenlosem Himmel ist alles gut. Busemanns Köppel zählt zu den beliebtesten Treffpunkten für Grillfeiern und andere Veranstaltungen in der warmen Jahreszeit. Hier wie an anderen ähnlichen Plätzen gibt es aber keinen Blitzschutz.Foto: Schuldt

Bad Wildungen - „Kann man die beliebten Wildunger Grillhütten wie Busemanns Köppel oder in Hundsdorf mit Blitzschutz versehen?“, fragte Karl-Wilhelm Rest (CDU) in der Stadtverordnetenversammlung am Montag beim Bürgermeister an.

Rest verwies auf das schockierende Unglück auf dem Waldecker Golfplatz vor einigen Wochen. „Wir werden das prüfen“, antwortete der Bürgermeister, „aber das Sicherste ist, wenn sich Gäste bei einem aufziehenden Gewitter in Fahrzeuge begeben.“

Damit hat er recht, bestätigt der Verband Deutscher Elektroingenieure (VDE) in einer ausführlichen Info-Broschüre­ zum Thema Blitzschutz (siehe „Hintergrund“), auch wenn diese Aussage für die meisten Wohnmobile und für Cabriolets (selbst bei geschlossenem Verdeck) nicht gilt.

Maximal 2000 Euro

Unabhängig davon könnte die Stadt die Sicherheit bei Gewittern deutlich verbessern für feiernde Wildunger und ihre Gäste in und an den Grillhütten. Das sagt Professor Dr. Albert Claudi, Fachbereichsleiter Elektrotechnik/Informatik an der Universität Kassel, auf WLZ-FZ-Anfrage.

Nötig dazu sind eine „Fangeinrichtung“ - landläufig Blitzableiter genannt -, eine Ableitung in den Boden und „ein vernünftiger Erder“, wie es Claudi formuliert. Dieses im Boden vergrabene Metallteil muss schlicht groß genug sein, um seine Aufgabe zuverlässig zu erfüllen.

Er sei kein Fachmann dafür, welche Kosten das Nachrüsten einer Grillhütte verursacht, „aber ich habe mir sagen lassen, dass der Aufwand von einigen Hundert bis zu maximal 2000 Euro reicht“, fügt der Professor hinzu. Wenn man den Blitzschutz bei einem Neubau von vornherein einkalkuliert, ist er noch günstiger zu haben. Der VDE beziffert die Investition für ein Einfamilienhaus inklusive des Schutzes der technischen Anlagen auf rund 2500 Euro.

Einen 100-prozentigen Schutz gewähren aber selbst solche Einrichtungen nicht, schränkt Claudi ein: „Wir reden bei Blitzereignissen immer von Wahrscheinlichkeiten.“

99 Prozent Sicherheit

Und es gibt Blitze, die eben nicht am höchsten Punkt einschlagen, sondern zum Beispiel von der Seite her einen Turm treffen. Je nach den Umständen bieten Schutzanlagen deshalb eine Sicherheit „von 99 Prozent oder 99,9 Prozent“, erläutert der Hochschullehrer.

Um Wahrscheinlichkeiten gehe es auch beim generellen Risiko, vom Blitz oder seinen Folgen getroffen zu werden. „In eine Hütte schlägt statistisch alle 50 bis 100 Jahre der Blitz ein“, fügt Claudi hinzu, allerdings wachse die Zahl der Gewitter im Zuge des Klimawandels und damit erhöhe sich das Risiko.

Für die Stadt gilt es nun, Risiko und Blitzschutz-Kosten gegeneinander abzuwägen.

Hintergrund

Der VDE beschäftigt sich auf seiner Internetseite mit dem Unfall auf dem Waldecker Golfplatz. Golfspielende seien bei Gewittern besonders gefährdet. Das in Waldeck zog am 29. Juni um 16.02 Uhr auf. Zwölf Minuten später geschah das Unglück. In der ungesicherten Hütte waren die Frauen ihm in gleicher Weise ausgesetzt wie sie es im Freien gewesen wären. Mehr noch: Die Nähe zu den Bäumen, das dichte Beisammensein in der Gruppe und der geringe Abstand zu den Wänden in der engen Hütte erhöhten ihr Risiko.

Der Ausschuss für Blitzschutz des VDE hat eine ausführliche Broschüre zum Thema herausgegeben und eine zweite speziell für den Golfsport (www.vde.com). Die wichtigsten Hinweise: Beim ersten Donner in Sicherheit bringen (Extra-Warnung an Fußballer und erst recht Schwimmer), entweder in ein Haus oder in ein Auto mit geschlossener Metallkarosserie (kein Cabrio). Folgen Blitz und Donner binnen zehn Sekunden oder schneller aufeinander, besteht Lebensgefahr.

Schutz bieten Metallmasten und Freileitungen oder das überhängende Dach eines Gebäudes; allerdings muss man unbedingt einen Meter Abstand (ideal: drei Meter) zu Wänden, Stützen oder den Teilen des Blitzschutzsystems halten. Generell gilt, die genannten Abstände im Freien auch von Felswänden, Metall- und Weidezäunen oder Brückengeländern einzuhalten. Von Bäumen oder Ästen muss man sogar zehn Meter entfernt bleiben; im Wald eine Stelle zwischen Bäumen ­wählen, die diese Bedingung erfüllt. Im Freien eine Mulde aufsuchen. In einer ungesicherten Hütte oder einem Buswartehäuschen in der Mitte der offenen Seite platzieren.

Generell in allen Fällen lautet dazu der lebensrettende Rat: in die Hocke gehen, Füße eng beisammen lassen, nicht etwa hinlegen oder mit den Händen auf dem Boden abstützen. Gruppen sollen sich zerstreuen, die Personen Abstand von einander nehmen und sich nicht berühren. Radfahrer und Biker müssen absteigen und sich, ausreichend entfernt von ihren Fahrzeugen, verhalten wie oben beschrieben. Segler sollten auf ihrem Boot denselben Regeln folgen. Erst 30 Minuten nach dem letzten Donnerschlag ist die Gefahr vorüber.(su)

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