Auszubildende des Nationalparks Kellerwald absolviert Praktikum im englischen Dartmoor

Boggel besucht Hund von Baskerville

+

Bad Wildungen - Nicht überall, wo „Nationalpark“ draufsteht, ist dasselbe drin. Die Unterschiede können richtig spannend sein, erfuhr Beatrix Knappertsbusch in Dartmoor. Die angehende Verwaltungsfachangestellte verbrachte im Zuge ihrer Ausbildung beim Nationalpark Kellerwald-Edersee drei Wochen in der berühmten englischen Landschaft, in der Sherlock Holmes den „Hund von Baskerville“ jagt.

Die Gegend diente Steven Spielberg ebenso als Kulisse für seinen Film „Warhorse“ (in den deutschen Kinos „Gefährten“) wie dem ZDF für Rosamunde-Pilcher-Herzschmerz. „Im ‚Dartmoor National Park‘ ist vieles anders als hier“, berichtet die junge Wil­dungerin: „Er ist 954 Quadratkilometer groß. Die Besucher dürfen überall hin und sogar campen. Kühe, Schafe und Pferde laufen frei herum und weiden, weil es keine Zäune gibt.“

Während im vergleichsweise winzigen Nationalpark Kellerwald-Edersee mit seinen etwas mehr als 5000 Hektar Wanderer und allenfalls Radfahrer auf wenigen vorgegebenen Wegen unterwegs sind, liegt ein Netz von asphaltierten Straßen und Siedlungen über Dartmoor. Die meisten Gäste erleben den Park vom Auto aus, halten zwischendurch an und genießen die Aussicht oder picknicken.

Als Beatrix Knappertsbusch den englischen Kollegen berichtete, wie es im Kellerwald zugeht, kamen diese ihrerseits nicht mehr aus dem Staunen heraus. Begeistert waren sie vom Maskottchen aus Deutschland, vom Buchenurwald-Boggel; wegen der Mystik, die ihn als Fabelwesen umgibt. Da könne „Ranger Ralf“, der in Dartmoor als Zeichenfigur Kinder ansprechen soll, nicht mithalten, erzählt die Auszubildende.

„Der Grund für die großen Unterschiede liegt darin, dass ‚Nationalpark‘ kein geschützter Begriff ist, sondern dass es im Ermessen der Regierungen liegt, diese Bezeichnung zu vergeben“, erklärt der Chef von Beatrix Knappertsbusch, Nationalparkleiter Manfred Bauer. Deshalb existierten international Parks unterschiedlicher Kategorien. „In Deutschland würde Dartmoor den Titel eines Naturparks oder Biosphären-Reservats tragen“, fügt er hinzu.

Allerdings ähneln sich die Parks auch in vielen Dingen. Ein zentrales Ziel beider ist die Öffentlichkeitsarbeit für den Naturschutz. In diesem Bereich war Beatrix Knappertsbusch in Dartmoor vorwiegend eingesetzt. „Eine tolle Erfahrung. Ich konnte meine Sprachkenntnisse aus dem Englisch-Leistungskursus am Gymnasium einsetzen und verbessern. Und ich habe Selbstbewusstsein und Sicherheit im Umgang mit Kunden gewonnen“, zieht sie als Bilanz ihres Auslandsaufenthalts.

Gefördert wurde dieser mithilfe von europäischen Programmen, denn sowohl die EU als auch die Bundesregierung wollen Azubis neue Möglichkeiten eröffnen.

Während Auslandserfahrungen für Studenten mittlerweile fast selbstverständlich sind, gehört Beatrix Knappertsbusch in Deutschland zu einer sehr kleinen Gruppe von aktuell vier Prozent aller Auszubildenden, die den Schritt über die Landesgrenzen hinaus wagen.

Hintergrund

Das Bildungswerk (bwhw) der hessischen Wirtschaft gab binnen zwei Jahren 35 Auszubildenden die Möglichkeit, ein Auslandspraktikum zu absolvieren, um landestypische Arbeitsprozesse kennenzulernen. Seit Juli 2014 gewährt ein Nachfolgeprojekt weiteren 40 Auszubildenden aller Berufsfelder die Chance auf einen drei- bis sechswöchigen Auslandsaufenthalt als Bestandteil der Berufsausbildung. Die Azubis werden bei der Organisation und Vorbereitung durch das bwhw und ein länderabhängiges Stipendium unterstützt. Als Ziele kommen alle EU-Länder sowie Norwegen, Island, Liechtenstein und Mazedonien infrage. Weitere Informationen gibt es unter www.bwhw.de/service/euromobility oder www.arbeiten-und-lernen-in-europa.de. Interessierte können sich auch wenden an: Heinrich Wedel von der Kreishandwerkerschaft, Telefon 05631/9535-160, wedel@khkb.de, oder Jennifer Forsthoff, Telefon 06421/30493-20, forsthoff.jennifer@bwhw.de. Bislang stellten eher IHK-Unternehmen als Handwerksbetriebe und eher größere als kleinere Firmen Azubis zu diesem Zweck für drei bis sechs Wochen frei: einerseits, weil Fremdsprachenkenntnisse in der Regel bei IHK-Mitgliedsunternehmen eine größere Rolle spielen als im Handwerk, und andererseits, weil Handwerksbetriebe und kleinere Firmen schlechter für Wochen auf ihre Auszubildenden verzichten können.

Von Matthias Schuldt

Kommentare