Genuss-Geschichte(n) im Lebendigen Museum Odershausen

Das Brot, der Daumen, die Butter

Bad Wildungen-Odershausen - Brot und Butter - ein untrennbares Duo, das am besten schmeckt, wenn es ganz frisch mit natürlichen Zutaten und auf traditionelle Weise von Hand gemacht ist. Davon konnte man sich beim Brotbacktag im Lebendigen Museum in Odershausen überzeugen und auch jede Menge Wissenswertes zu dem Thema erfahren.

Tief verwurzelt im Bewusstsein der Menschen ist die Wertschätzung des Brotes. Schon im Vaterunser wird gebeten „Unser täglich Brot gib uns heute“. Man spricht vom „Broterwerb“, verdient seine „Brötchen“, und von einer „brotlosen Kunst“ kann man nicht leben. Rund 5500 Jahre alt ist das älteste Brot, das Archäologen bisher fanden. Doch die Tradition des Backens reicht noch weiter zurück, wie ein in Anatolien ausgegrabener etwa 7500 Jahre alter Backofen beweist.

Eine ähnlich lange Geschichte hat die Herstellung der Butter vorzuweisen. Als ihre älteste Darstellung gilt ein über 5000 Jahre altes Mosaik.

Ab dem frühen Mittelalter kamen dann beide zusammen: Die Nordeuropäer begannen, die Butter mit dem Daumen auf Fladen zu drücken. Richtig populär wurde das Butterbrot ab dem 15. Jahrhundert, als man die Butter mittels Salzen konservieren und sie somit über längere Strecken transportieren konnte.

Früher war die Herstellung der Butter Frauensache und reine Handarbeit. Die Bäuerinnen füllten die frisch gemolkene Milch in flache Schalen, in denen sich wiederum nach kurzer Zeit der Rahm an der Oberfläche absetzte. Er wurde abgeschöpft, in ein Butterfass umgefüllt und mit einem Stößel so lange gestampft, bis sich das Milchfett von der Flüssigkeit trennte.

Christa Kessler hat es bei der Vorführung im Lebendigen Museum da etwas leichter. Sie nutzt ein Butterfass mit elektrischem Antrieb und erklärt: „Das Prinzip der Butterherstellung ist das gleiche wie vor tausend Jahren. Für ein Kilo Butter werden etwa 25 Liter Milch benötigt. Im Museum wird aus hygienischen Gründen wärmebehandelte Sahne verwendet. Der Fettgehalt bestimmt die Menge der fertigen Butter.“

Kelterfest am 19. Oktober

Während Christa Kessler den Deckel öffnet und den Gästen einen Blick ins Innere des elektrischen Butterfasses gewährt, beschreibt sie dessen Funktionsweise: „Wenn Sie Schlagsahne mit einem Handrührgerät zu lange schlagen, entstehen Butterflocken. Hier ist das beabsichtigt, und die großen Rührflügel aus Holz übernehmen die Arbeit. Nach einer Weile verbinden sich die im Rahm schwimmenden Fettpartikel zu Klümpchen, werden schließlich zu einer festeren Masse. Übrig bleibt die Buttermilch, die durch einen Ablauf im unteren Teil des Fasses abgelassen wird.“

Christa Kessler muss sich beeilen, denn am Verkaufsstand wartet man bereits auf Nachschub. Das Fass wird mit frischem Wasser aufgefüllt und damit die Reste der Buttermilch mit Hilfe der Rührflügel ausgewaschen. Die Butter wird entnommen und für den letzten Bearbeitungsschritt in eine Schüssel gegeben. Durch das Kneten von Hand reduziert man den Wasseranteil in der Butter, während sie gleichzeitig eine homogene, geschmeidige Konsistenz erhält.

Während Christa Kessler bereits wieder das elektrische Butterfass mit Sahne befüllt, öffnet nebenan Roland Mengel die Tür des Holzbackofens.

Der köstliche Duft lässt das Wasser im Mund zusammenlaufen und lockt die Besucher an. „Die Brote kommen nur kurz aus dem Ofen und werden mit feuchten Tüchern abgerieben. Davon bekommen sie ihren Glanz. Danach geht es noch einmal für ungefähr zehn Minuten in den Ofen.“

Dampf steigt auf, jetzt muss es schnell gehen. Die vielen Hände sind ein eingespieltes Team, und nach kurzer Zeit schließt sich die Tür des Ofens wieder. Aus reinem Roggen sei das Brot. Man habe auch schon mit einem zehnprozentigen Weizenanteil experimentiert, sich aber der Authentizität wegen auf die traditionelle Zusammensetzung besonnen.

Daran, dass dieses Brot wunderbar schmeckt, gibt es keinen Zweifel. Zusehends leert sich der Korb mit den fertigen Broten, die von den Besuchern ebenso gern gekauft werden wie die selbst gemachte Butter.

Während die Gäste das Museum mit all seinen sehenswerten Vorführungen und Ausstellungsstücken erkunden und all die anderen angebotenen kulinarischen Köstlichkeiten genießen, freuen sich die fleißigen, ambitionierten Vereinsmitglieder des Lebendigen Museums auf den großen Keltertag, zu dem sie für den 19. Oktober sehr herzlich einladen. (Carola Ulrich)

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